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Warum er nach dem Rotweintrinken noch Auto fuhr, erklärte ein Mann nun vor Gericht ausführlich.

Auto touchiert

Rotwein beschert Ärger: Tölzer Rentner vor Gericht

Ein Tölzer Rentner muss vor Gericht, weil er ein anderes Auto touchierte - und weil er gerne mit Rotwein kocht. 

Bad Tölz/Wolfratshausen„Ich koch’ doch so wahnsinnig gerne“, erklärte der Mann vor Gericht. „Freitag ist mein Koch-Tag. Da kann ich in der Küche hantieren, wie ich Lust und Liebe habe – da ist meine Frau nicht da“, erzählte der Tölzer und konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Dabei hatte ihm ausgerechnet seine große Koch-Leidenschaft Ärger mit der Justiz eingebracht. Der 68-Jährige hatte 0,66 Promille Alkohol im Blut, als er am 28. Juli gegen 18 Uhr auf einem Supermarktparkplatz mit seinem Wagen ein fremdes Auto touchierte. Deshalb musste er sich nun wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs verantworten. Er kam mit einer Geldbuße davon.

„Ein Achtel Rotwein habe ich beim Kochen probiert“, räumte der Beschuldigte ein, „und dann noch einen Schoppen beim Essen.“ Das Geschirr war aufgeräumt und die Küche geputzt, als sein Blick auf den Einkaufszettel fiel, den die Gattin hinterlassen hatte. „Dann habe ich einen Fehler gemacht“, gestand der Rentner. „Ich dachte, ich mache meiner Frau eine Freude und fahre noch schnell einkaufen.“

Als er nach dem Einkauf beim Discounter seinen Audi rückwärts aus der Parkbucht steuerte, touchierte er einen den Weg kreuzenden Toyota. Rund 1000 Euro Sachschaden sollen dabei entstanden sein. „Ich habe auf Fußgänger achten müssen, den Zusammenstoß habe ich kaum gemerkt“, erläuterte der Mann, der seinen Führerschein an Ort und Stelle abgeben musste. „Auf den Tag genau 50 Jahre, nachdem ich den Führerschein gemacht habe, hat man ihn mir wieder abgenommen“, so der Beschuldigte.

Dann skizzierte er den Unfall auf einem Flipchart neben dem Richtertisch. „Ich habe Zweifel, dass der Unfall alkoholbedingt geschah. Das hätte jedem anderen auch passieren können“, sagte der Staatsanwalt bei genauer Betrachtung des Hergangs. Es sei gut vorstellbar, dass der Geschädigte mit nicht ganz unerheblichem Tempo über den Parkplatz gefahren sei. Das sah Richter Helmut Berger genauso. Die fahrlässige Gefährdung war vom Tisch, übrig blieb eine Ordnungswidrigkeit, für die der Hobbykoch zu 500 Euro Geldbuße verurteilt wurde. Zudem verhängte der Richter ein einmonatiges Fahrverbot. Weil das bereits abgelaufen war, händigte der Richter dem Tölzer seinen Führerschein noch im Gerichtssaal wieder aus. „Da wird der Enkel sich freuen, dass der Opa ihn doch zur Einschulung besuchen kann“, sagte der Rentner.

Rudi Stallein

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