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Türen – auch Notausgänge – ließen sich am Ickinger Gymnasium nicht mehr öffnen.

Kreis-Bauausschuss

Rückblick auf den Katastrophenfall: So viel Schneelast drückte auf die Schulen

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Noch einmal einen Blick zurück auf die schneereichen Tage vor und während des Katastrophenfalls warf der Kreis-Schul- und Bauausschuss in seiner Sitzung am Montagnachmittag. Hauptamtsleiter René Beysel hatte Zahlen von den landkreiseigenen Schulgebäuden mitgebracht, deren Dächer abgeschaufelt worden waren.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Relativ früh in den Fokus war das Geretsrieder Gymnasium gerückt. Generell lagen die von einem Statiker im Stadtgebiet gemessenen Werte für die Schneelast im Bereich von 95 bis 130 Kilogramm pro Quadratmeter. Turnhalle und Dach sind ausgelegt für eine Belastung von 115 Kilo. Tatsächlich gemessen wurden dort am 9. Januar 93 beziehungsweise 85 Kilo. „Mit Blick auf die Wetterprognosen haben wir dann das Abschaufeln organisiert“, sagte Beysel. Damit sei eine Firma beauftragt worden, beantwortete Landrat Josef Niedermaier eine Nachfrage von Kreisrat Josef Eichner (Bayernpartei).

Alle anderen Schulen fielen dann unter den am 10. Januar ausgerufenen Katastrophenfall. Einsatzkräfte von Feuerwehren, Bundeswehr und anderen Organisationen kümmerten sich ums Abschaufeln. Überschritten wurde die zulässige Schneelast an keiner Stelle. In Icking war man aber beispielsweise auf der Turnhalle, die auf 150 Kilo pro Quadratmeter ausgelegt ist, mit gemessenen 145 Kilo nah dran.

Das war aber nicht der einzige Problempunkt an der Ickinger Schule, die am 7. Januar als erste im Landkreis angekündigt hatte, keinen Unterricht mehr abzuhalten. Heikler als die Schneelast war, dass sich Notausgänge nicht mehr öffnen ließen, weil sich davor Schneeberge türmten oder auch Fluchttreppen auf der Außenseite des Gebäudes so eingeschneit waren, dass sie nicht mehr betreten werden konnten, wie Bilder, die Beysel mitgebracht hatte, belegten.

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Etwas entspannter war die Lage im südlichen Landkreis – nicht weil dort weniger auf den Dächern lag. Diese sind aber auf höhere Schneelasten ausgelegt. Die höchsten Werte gab es hier auf der FOS/BOS. Auf 155 Kilo pro Quadratmeter kam der Statiker am 11. Januar. Ausgelegt ist das Dach aber auf 200 Kilo.

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Kreisrat und Wackersberger Bürgermeister Alois Bauer (FW) nutzte die Gelegenheit, um noch einmal ein Plädoyer gegen Flachdächer zu halten – zumal der Landkreis gerade wieder einige bei anstehenden Schulerweiterungen plane. In seiner Gemeinde habe sich gezeigt, dass Regen das Gewicht auf den Flachdächern noch aufgebaut habe, weil sich das Wasser unter der Schneeschicht sammelte. „Bei den geneigten Dächern ist das Gewicht nicht mehr geworden, weil das Wasser unten abgelaufen ist“, sagte Bauer. So einfach wollte Landrat Niedermaier die Argumentation nicht gelten lassen. Der Schweizer Wintersportort Davos baue beispielsweise nur Flachdächer. Einer der dortigen Zimmerermeister habe ihm erklärt: Flachdächer bauen – „das musst du nur können“.

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