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Stressiger Unterricht: Die Schüler, die jetzt im G8 lernen, wünschen sich mehr Zeit und Ruhe zum Lernen.

Bildungspolitik

Rückkehr zu G9? Schüler sind dafür

Die mögliche Wiedereinführung des G9 sorgt auch an den drei Gymnasien im südlichen Landkreis für Diskussionen. Viele Eltern sind verunsichert, was ihre Kinder im kommenden Schuljahr erwartet. Bei den Jugendlichen ist die Tendenz eindeutig: Bloß wieder weg vom G8.

Bad Tölz/Lenggries/Reichersbeuern– Derzeit deutet alles darauf hin, dass von politischer Seite Anfang März beschlossen wird, wieder zum G9 zurückzukehren (siehe auch Bericht im Bayern-Teil). Eine schnelle Entscheidung ist auf jeden Fall wünschenswert, denn das Thema sorgt für Unsicherheit. „Wir brauchen in der Bildungspolitik dringend Ruhe“, kommentiert Christoph Beck, Leiter des St. Ursula-Gymnasiums in Hohenburg, die Situation. Er glaubt, dass die Bevölkerung auf dem Land das G9 bevorzuge. „Die Kinder sollen nachmittags zu Hause sein“, sagt er mit Verweis auf den vielen Nachmittagsunterricht beim G8. Das höre er auch von Seiten der Schülerinnen. Sein Kollege aus Bad Tölz, Dr. Harald Vorleuter, will „nicht über ungelegte Eier sprechen“, sich im Kern zur Sache also nicht äußern. Vorleuter, Direktor des Gabriel-von-Seidl-Gymnasiums, ist jedoch bekennender Anhänger des G8 und verweist immer wieder auf die große Anzahl Schüler, die am freiwilligen Wahlunterricht teilnehmen. Vorleuter ist sich sicher, dass das Thema G9 beim Elternabend für die neuen Fünftklässler am morgigen Mittwoch eine große Rolle spielen wird.

Und was sagen die Schüler selbst dazu? Unsere Zeitung hat gestern Mittag viele Jugendliche am Tölzer Gymnasium befragt. Und hier ist die Tendenz eindeutig – quer durch alle Altersstufen. „Das G8 war wahnsinnig stressig“, sagt eine junge Frau aus der 12. Klasse, dem Abschlussjahrgang. „Vieles haben wir nur oberflächlich behandelt. Man musste es auswendig lernen und dann halt wiedergeben.“ Andere Kameraden pflichten ihr bei. „Eine richtige Vorbereitung auf die Uni ist es jedenfalls nicht“, sagt ein junger Mann. Manche seien erst 17, wenn sie das Abitur in der Tasche hätten. „Und dann schon auf die Uni? Viele wissen gar nicht, was sie studieren sollen.“ Deshalb gebe es viele, die das Studium wieder abbrechen, sagt ein anderer. „Man will halt mal reinschnuppern und probieren. Aber dann wieder aufzugeben, frustriert auch.“ Viele Abiturienten, berichten die jungen Erwachsenen übereinstimmend, „wollen nach dem G8 ein Jahr Pause machen und gehen mit ,Work and Travel‘ ins Ausland oder machen ein Freiwilliges Soziales Jahr“. Auch jüngere Gymnasiasten sehen das so. „Ich bin zwar gut in der Schule“, sagt eine Elftklässlerin. „Aber manches geht mir im Unterricht zu schnell. Den Stoff in Mathe zum Beispiel würde ich gerne mehr sacken lassen.“ Die Freundinnen pflichten ihr bei. „Mehr Zeit wäre schön.“ Jüngere Kinder sehen das ähnlich. „Man hat so viel Schule, da bleibt überhaupt keine Zeit mehr für Fußball oder Freunde“, sagt ein Sechstklässler. „Mit G9 wäre das anders.“ Seine Kameraden nicken. „Ständig ist man unter Druck“, sagt einer.

Für Carmen Mendez, Direktorin der Max-Rill-Schule in Reichersbeuern, ist G8 oder G9 kein großer Unterschied. „Wir sind eh eine Ganztagsschule.“ Die Hälfte der 132 Schüler sei im Internat untergebracht. „Mit G8 hatten wir nie ein Problem.“ Allerdings: Sie würde sich wünschen, dass die Politiker mehr über Lehrpläne anstatt über die Gesamt-Schulzeit diskutierten. Denn hier sieht Mendez großen Verbesserungsbedarf. „Es gibt Dinge, die sollte man ausmisten.“

Mit der Entscheidung zu G8 oder G9 sind viele Fragen verbunden: Was passiert, wenn ein Kind sitzenbleibt? Was wird aus den neuen Lehrbüchern? Wann beginnt man mit der zweiten Fremdsprache? Deswegen spielen auch die Räumlichkeiten in jeder Schule eine große Rolle. „Eines ist wichtig“, sagt Christoph Beck aus Hohenburg: „Die politische Entscheidung, die jetzt fallen wird, sollte endgültig sein.“

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