Drei Tote bei Attacke in Utrecht - mutmaßlicher Schütze nach Flucht festgenommen

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Beachtliche Gruppe: Mit Regenschirmen und Transparenten zogen die Teilnehmer der Schüler-Demo vom Vichyplatz über die Isarbrücke (Bild) und die Marktstraße bis zum Sportplatz am Tölzer Schulzentrum.

„Fridays for Future“

Rund 200 Schüler demonstrieren in Bad Tölz für besseren Klimaschutz

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Im warmen Klassenzimmer wäre es gemütlicher gewesen als im eiskalten Dauerregen. Trotzdem entschieden sich am Freitagvormittag rund 200 Kinder und Jugendliche, in Bad Tölz für den Klimaschutz zu demonstrieren. Verweise nehmen sie gerne in Kauf.

Bad Tölz – „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“: Dieser Schlachtruf hallte am Freitagvormittag durch Bad Tölz. Weder das nasskalte Wetter noch die Androhung von Strafen hatten rund 200 Schüler davon abhalten können, sich während der Unterrichtszeit am Tölzer Vichyplatz zu versammeln und von dort über die Marktstraße bis zum Schulzentrum zu ziehen. Auf ihren Plakaten standen Sätze wie: „Klimaschutz statt Kohleschmutz“ oder „Die Ampel steht auf Rot, aber ihr gebt Vollgas“. Damit ist die weltweite Bewegung „Fridays for Future“ in Bad Tölz angekommen. Deutschlandweit waren am Freitag rund 200 Proteste von Schülern angemeldet, weltweit sollen es mehr als 1650 gewesen sein.

„Die größte Bedrohung für unsere Erde ist es zu glauben, dass jemand anderer als wir selbst für ihre Rettung verantwortlich ist“, rief Antonio Carrera (16) seinen Mitstreitern zu. Der Schüler des Tölzer Gymnasiums gehörte zu den Demonstranten, die bei der Kundgebung auf dem Sportplatz nach dem Protestmarsch zum Mikrofon gegriffen haben. „Erhebt eure Stimme. Was wir jetzt verbrauchen, nehmen wir unseren Kindern und Kindeskindern weg.“ Wenig später ertönte Michael Jacksons Hymne „Heal the world“ aus den Lautsprechern.

Tölzer Schüler demonstrieren für den Klimaschutz: Die Bilder

Angesichts von so viel Überzeugung und Emotionen stiegen Jerry Melzer die Tränen in die Augen. „Ich finde es toll, dass ihr euch engagiert, macht weiter so“, richtete der pensionierte Lehrer aus Bad Heilbrunn das Wort an die Kinder und Jugendlichen. Viele seiner ehemaligen Kollegen fänden die Schülerproteste ebenfalls gut, dürften das aber nicht zeigen, so Melzer.

Lehrer beraten Anfang der Woche über Konsequenzen 

Auch in Alexander Göbels Brust wohnen zwei Seelen. Dem Direktor des Gabriel-von-Seidl-Gymnasiums und den anderen Lehrern liege das Thema Klimaschutz sehr am Herzen. „Auf der persönlichen Ebene bin ich ganz nah bei den Kindern.“ Als Beamte befänden sich er und die anderen Pädagogen aber im Zugzwang: Die Schule sei in der Regel verpflichtet, mit Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen auf unentschuldigtes Fehlen zu reagieren. Welche Konsequenzen die Protestteilnehmer genau erwartet, entscheidet sich laut Göbel Anfang kommender Woche. Das Kollegium werde sich Schritte überlegen.

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Einige Schüler des Tölzer Gymnasiums hatten in der Vergangenheit bereits einen Verweis kassiert, weil sie an Demos der „Fridays for Future“-Bewegung in München teilgenommen hatten. Nun selbst einen schriftlichen Tadel zu bekommen, damit hätte Anian Dietl kein Problem. „Als Konsequenz für die gute Sache wäre es mir das definitiv wert“, sagt der 16-jährige Schüler des Tölzer Gymnasiums. Auch Sophia Nagel (18) nimmt diese Möglichkeit billigend in Kauf – ebenso wie die Gefahr, dass einige Schüler nur demonstrieren, um dem Unterricht zu entkommen. „Ich instrumentalisiere aber gerne auch Schulschwänzer für die gute Sache.“

Regelmäßige Demonstrationen geplant

Am Ende der Kundgebung zeigten sich Mitglieder des Organisationsteams überwältigt vom Erfolg des Protestmarsches. „Wir hatten schon befürchtet, dass wegen des schlechten Wetters nur ein paar Leute kommen“, sagte die Tölzer Gymnasiastin Katharina Brandhofer (18). Laut ihrem Mitschüler Maxl Kiefersauer (17) sollen freitags nun regelmäßig Schüler-Demos für den Klimaschutz in Bad Tölz stattfinden – eventuell aber erst nach dem Unterricht. „Uns kommt es ja nicht darauf an, die Schule zu schwänzen“, sagt Brandhofer. „Wir wollen etwas bewegen.“ Unter den Kindern und Jugendlichen ist das Thema umstritten. „Die Wirkung ist größer, wenn wir während der Schulzeit demonstrieren“, findet zum Beispiel Philipp (14).

„Eltern für die Zukunft“ lautet die Übersetzung des Schilds von Peter Altendorf (li.) und Andreas Heiligtag.

Besonders erfreut zeigten sich die Organisatoren, dass nicht nur Schüler des Tölzer Gymnasiums gekommen waren. Unter den Demonstranten tummelten sich sogar einige Erwachsene. Peter Altendorf aus Bad Tölz zum Beispiel. Er protestierte mit, weil seine drei Kinder noch zu klein sind, um selbst für denn Klimaschutz aufzustehen. Andreas Heiligtag aus Gaißach hat zwar keine Kinder, kam aber trotzdem zum Protestmarsch. „Wenn es die Erwachsenen nicht auf die Reihe kriegen, muss man eben die Kinder unterstützen.“

Hintergrund

Die „Fridays for Future“-Bewegung (Freitage für die Zukunft) orientiert sich am Vorbild von Greta Thunberg. Die Schwedin (16) hatte im August 2018 erstmals während der Schulzeit vor dem Parlament in Stockholm für eine bessere Klimapolitik demonstriert. Thunberg wurde inzwischen für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.

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