Hier fand der Prozess statt: Amtsgericht Wolfratshausen.
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Hier fand der Prozess statt: Amtsgericht Wolfratshausen.

Amtsgericht

Junge Isarwinklerin spielt Russisch Roulette mit der Freiheit

  • vonRudi Stallein
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Indem sie mehrmals wiederholt ohne Führerschein ein Auto steuerte, setzte eine junge Mutter (25) aus dem Isarwinkel ihre Bewährung aufs Spiel. Am Ende kam sie ums Gefängnis herum.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Sie spielt Russisch Roulette mit ihrer Freiheit: Wie viele Straftaten kann ich noch riskieren, bis die Gefängnistür hinter mir ins Schloss fällt? Anders kann man das Verhalten einer jungen Frau und Mutter aus einem Dorf im Isarwinkel kaum deuten.

In den vergangenen zehn Jahren wurde die 25-Jährige exakt zehn Mal wegen diverser Vergehen von Sachbeschädigung bis versuchte Gefangenenbefreiung verurteilt – zuletzt 2019, als sie wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis eine viermonatige Bewährungsstrafe aufgebrummt bekam. Wohlwissend, dass sie im (noch dazu gleichgelagerten) Wiederholungsfall die Strafe absitzen muss, setzte sich die gelernte Verkäuferin erneut hinters Steuer. Und kam „mit erheblichen Bedenken“, wie Richter Helmut Berger betonte, mit einer weiteren Bewährungsstrafe von zusätzlichen zwölf Monaten davon.

Ohne Führerschein gegen Hauswand gekracht und davongefahren

„Wenn noch etwas passiert, geht der Bua schon in die Schule, bis Sie wieder rauskommen“, appellierte der Richter an die Angeklagte, sich im Interesse ihres kleinen Sohnes zusammenzureißen.

Ende Februar 2019 war der jungen Frau die Fahrerlaubnis entzogen worden. Seither hat sie keinen neuen Führerschein beantragt. Trotzdem kurvte sie am 10. Mai 2020 gegen 7.50 Uhr mit dem VW eines Bekannten durch Bad Tölz. In der Eichmühlstraße krachte sie gegen eine Hauswand und fuhr davon.

Dreieinhalb Monate später wurde sie erneut straffällig: Sie hatte für eine Einkaufsfahrt die Kennzeichen von ihrem reparaturbedürftigen Auto abmontiert und an einem anderen Wagen angebracht – und wurde prompt erwischt. „Da fehlt mir jedes Verständnis“, erklärte die Staatsanwältin. Sie beantragte, die Verkäuferin wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis in zwei Fällen, Unfallflucht und Urkundenfälschung zu einer Freiheitsstrafe von elf Monaten zu verurteilen, die nicht zur Bewährung ausgesetzt werden sollten.

Neuer Job und Bericht eines Sozialarbeiters machen Hoffnung

Das Gericht folgte in seinem Urteil der Einschätzung von Verteidiger Andreas Sander, der für seine Mandantin aktuell „sehr gute Voraussetzungen“ gegeben sah, die eine Haftverschonung rechtfertigten. Hoffnung machte neben einem festen Job vor allem der Bericht eines Sozialarbeiters, der die junge Mutter im Auftrag des Jugendamts mehrmals besuchte hatte und ihr ein sehr gutes Zeugnis ausstellte. Es habe bei seinen unangemeldeten Besuchen „keinerlei Grund für Beanstandungen gegeben“, berichtete der Zeuge. Sie werde „jetzt die Kurve kratzen“, versprach die Angeklagte.

Der Richter Helmut Berger ließ seinem strengen Blick abschließend noch ein paar warnende Worte an die 25-jährige Mutter aus dem Isarwinkel folgen: „Wenn Sie einen anderen Weg einschlagen oder eine Abzweigung suchen, kann Ihnen hier niemand mehr helfen.“

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