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Versteinerte Gesichter: Herbert Konrad vom Kreisbildungswerk bei der 0:2-Niederlage in der Allianz-Arena. Der Pastoralreferent zitiert angesichts der ungewissen Zukunft für 1860 München den theologischen Lehrsatz: „Hoffnung wider alle Hoffnung“.

Das sagen die Fans im Tölzer Land zum Abstieg

Wundes Löwen-Herz

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„Total geschockt“, „unbeschreiblich“, „fertig“: Die Löwen-Fans wissen nach dem Abstieg kaum, wie sie ihre Gefühle beschreiben sollen. In die Fassungslosigkeit über die 0:2-Niederlage gegen Regensburg mischt sich Zorn über Mannschaft, Trainer und Investor. Wie soll es weitergehen?

Bad Tölz – Der wohl prominenteste Löwe im Landkreis ist der CSU-Landtagsabgeordnete Martin Bachhuber, der das Spiel mit anderen Politikern im Fernsehen im Maximilianeum verfolgte. „Die Nicht-Sechzger hatten Mitleid mit uns“, erzählt Bachhuber fast erstaunt. „ Das ist ja fast die Höchststrafe.“


Seine Gefühlslage am Tag danach? „Ein wundes Herz“, fasst er es traurig zusammen, bevor der Zorn über das ganze Schlamassel dann doch aus ihm herausbricht. Das Ganze sei das Ergebnis von jahrelanger Misswirtschaft, einer unfähigen Geschäftsführung und einer dubiosen Finanzpolitik. Sie habe sich nicht um die große Tradition und das gekümmert, was hinter dem Verein steckt, nämlich unglaublich viel Jugend- und Ehrenamts-Arbeit. Den Anfang der Misere macht der 61-Jährige am gemeinsamen Bau der Allianz-Arena fest. „Das war finanziell nicht zu stemmen. Das hat 1860 München das Genick gebrochen.“ Die sportliche Leistung der „Söldnertruppe“ am Dienstag sei letztlich nur Resultat von alldem: „Wennst jahrelang an einer Ohrfeige entlanggehst, dann bekommst du sie auch irgendwann.“

Eine „spielerische Katastrophe“ hat der Noch-Vorsitzende des Löwenfanclubs Isar-Loisach, Reinhard Schwerdtner aus Heilbrunn, im Fernsehen gesehen. „Da hat keiner gekämpft“, vermisste er alte Löwen-Tugenden und lobt den Mannschaftsgeist der Regensburger. Er ärgert sich maßlos über die Reaktionen der Führungsetage. Etwa den unrühmlichen Abgang von Sportdirektor Ian Ayre und den Rücktritt von Präsident Peter Cassalette. Es sei eine „Frechheit, nach Spielende alles der Pressesprecherin zu überlassen“. Und Investor Ismaik? „Der soll sich schleichen“, meint Schwerdtner kurz und bündig. Was die Zukunft für die treuen Löwen-Fans bringt? Schwerdtner weiß es nicht, zitiert aber den Wahlspruch seines Fanclubs: „Sempre, sempre 1860.“

Bachhuber und Schwerdtner halten die Fankrawalle am Ende des Spiels für total daneben. „Die Idioten gehören eingesperrt“, sagt der Landtagsabgeordnete. Der künftige Vorstand des Isar-Loisach-Fanclubs, Sepp Mayr aus Gaißach, der selbst in der Nordkurve die Schlappe miterlebte, hält die Fan-Reaktionen zwar „für überzogen“. Dass sich Wut und Enttäuschung der Fans aber Bahn brachen, das kann er „irgendwie nachvollziehen“. Mayr war schon mit einem nicht allzu guten Gefühl ins zweite Relegationsspiel gegangen. Nach dem 0:1 war für ihn „die Sache gelaufen“. Bei dem jahrelangen Missmanagement sei es nur logisch gewesen, dass es so kommt.

Könnten der Abstieg und sogar eine Insolvenz nicht auch eine Chance für den Traditionsverein bedeuten? Mayr ist skeptisch. „Kommen wir je wieder rauf, wenn wir ganz unten sind? Das ist heute nicht mehr so leicht.“

Über jede Menge Kondolenz-Mails „freute“ sich gestern auch Herbert Konrad. Der Pastoralreferent des Kreisbildungswerks und Theologe ist seit Jahrzehnten treuer 60er-Fan und verfolgte beide Relegationsspiele live im Stadion. „Das war kein Team“, sagt er über die Mannschaft von Trainer Vitor Pereira. Dieser habe es nicht verstanden, die Grüppchen im Team zu einer Einheit zu formen.

Sein Blick in die Zukunft von 1860 ist theologisch angehaucht. „Hoffnung wider alle Hoffnung“ zitiert er einen alten Lehrsatz aus der Dogmatik. „Der Verfasser muss ein Löwe gewesen sein.“

Seine Hoffnung: Ein von Daniel Bierofka geführtes, verstärktes Regionalligateam, das identitätsstiftend und überlebensfähig sein könne. Konrads Überzeugung ist bei alledem, dass der TSV 1860 München dem berühmten gallischen Dorf von Asterix und Obelix gleicht. „Da ist ein Kern, der zwar leidet, aber unzerstörbar ist. Auch nicht vom Nullachtfuchzehn-Globalisierungsfußball.“

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