Messung der Raumluft

Schadstoffbelastung in der Förderschule

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Bad Tölz –  Die Raumluft der Förderschule ist mit dem Schadstoff PCB belastet.  Sofortmaßnahmen wurden beschlossen.

Bei Messungen in der Tölzer Förderschule sind in einigen Bereichen erhöhte Belastungen der Raumluft mit dem Schadstoff PCB festgestellt worden. Anlass zur Panik besteht laut Schulleiter Klaus Koch aber nicht. „Wir haben ein Problem, aber es ist kein Drama“, sagt er auf Anfrage des Tölzer Kurier.

Die Messungen hatte das Landratsamt auf Bitte der Schule in Auftrag gegeben. „Einige Lehrer haben im Fernsehen Berichte über PCB-sanierte Schulen gesehen und sich dann gefragt, wie das eigentlich bei uns aussieht“, berichtet Koch. Das Gebäude am Alten Bahnhofsplatz hat nämlich auch bereits eine PCB-Sanierung hinter sich – und zwar im Jahr 2001. Damals seien im Vorfeld deutlich höhere Werte als jetzt gemessen worden, betont Koch. Natürlich habe man gehofft, dass sich das Problem mit der Sanierung erledigt habe, ergänzt er. Offensichtlich gebe es in den Räumen aber immer noch Schadstoff-Quellen.

Polychlorierte Biphenyle – kurz PCB – dienten als Weichmacher in Fugenmassen und Kunststoffen, wurden laut Koch aber auch in Kondensatoren von Lampen verbaut. Seit 2001 ist der Einsatz von PCB, das als krebserregend und erbgutverändernd gilt, verboten. Allerdings wurde der Stoff davor so umfangreich verwendet, dass er nach wie vor überall zu finden ist. „60 bis 90 Prozent nehmen wir über die Nahrung auf“, sagt Koch.

Die vom Landratsamt in Auftrag gegebene Raumluftmessung ergab in den meisten Zimmern unbedenkliche Werte, „die unter dem Sanierungszielwert von 300 Nanogramm pro Kubikmeter Luft liegen“, erklärt der Schulleiter. Es gebe aber auch „zwei bis drei Klassen“, in denen die Belastung bei 500 bis 600 Nanogramm lag. Im Jugendsozialarbeiterbüro wurden 780 Nanogramm gemessen. Den höchsten Wert (1700) gab es in Kochs Büro. Aber zur Beruhigung: „Eine sofortige Intervention ist erst ab 3000 Nanogramm notwendig“, sagt der Schulleiter.

Dennoch wurden nun auch für die Schule Sofortmaßnahmen beschlossen. „Es gibt einen radikalen Lüftungsplan. Unser Hausmeister macht also morgens die Runde und lüftet das gesamte Gebäude.“ In den beiden am stärksten belasteten Büros wird zudem in den Sommerferien eine sogenannte Zwangslüftung eingebaut. „Sie sorgt dafür, dass es einen Luftaustausch gibt“, erklärt Koch. Außerdem wird sich das Landratsamt auf die Suche nach den PCB-Quellen machen. Um alle Werte noch einmal zu prüfen, gibt es am heutigen Freitag erneut Raumluftmessungen durch den TÜV-Süd.

Viel Lob hat Koch fürs Landratsamt übrig. Das Hauptamt habe sich äußerst kooperativ gezeigt. „Das läuft alles ganz korrekt ab.“ Und das sage er jetzt nicht, weil er Dritter Landrat sei, betont der Grünen-Kreisrat.

Bereits am Dienstag waren Hauptamtsleiter René Beysel sowie Vertreter des Gesundheitsamts und des Landesamts für Umwelt und Verbraucherschutz in der Lehrerkonferenz zu Gast, um über die Ergebnisse der Raumluftmessung zu sprechen. Das Landratsamt übernehme auch die Kosten, wenn eine Lehrkraft eine Blutuntersuchung wünsche. „Es gibt dafür keine medizinische Notwendigkeit, es geht eher um den psychologischen Faktor“, betont Koch. Es müsse sich auch kein Elternteil Sorgen machen. „Wer das Gutachten einsehen möchte, darf kommen. Es liegt bei uns aus.“

Die Schule besuchen derzeit 140 Kinder. 60 Mitarbeiter sind dort beschäftigt.

Am Mittwoch hatte Beysel die Mess-Ergebnisse auch dem Kreis-Bauausschuss erläutert. Ziel sei es ganz klar, Werte zu bekommen, die unter 300 Nanogramm pro Kubikmeter Luft liegen. „Das ist ein Wert, der vom Säugling bis zum Greis jedem täglich zugemutet werden kann“, so Beysel.  

Rubriklistenbild: © dpa-tmn

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