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Hoffen, dass es an anderer Stelle weitergehen kann: Das Schenkräumchen-Team (v. li.) Tanja Hammerle und Ingrid Steinmüller mit Ideengeberin Conny Rix.

Das Schenkräumchen sucht eine neue Heimat

„Mehr als nur ein Laden“

Sie gegeben die Hoffnung nicht auf: Die Initiatoren des Tölzer Schenkräumchens glauben fest daran, dass es den kleinen Laden auch weiterhin geben wird. Noch allerdings haben sie keine neue Bleibe. Ende November müssen sie ihren Laden in der Klammergasse räumen.

Bad Tölz„Wir benötigen einen Raum von mindestens 60 Quadratmetern, beheizbar und mit Toilette. Er sollte möglichst zentral liegen, damit auch unsere älteren Besucher den Weg meistern können“, sagt Tanja Hammerle. „Auch sollte es für unsere Lieferanten Parkmöglichkeiten in der Nähe geben.“ Diesen innigen Wunsch haben Tanja Hammerle und Ingrid Steinmüller an potenzielle Vermieter. Klar ist, dass man nicht viel Miete bezahlen kann – schließlich erwirtschaftet das Schenkräumchen keine Einnahmen und finanziert sich ausschließlich durch Spenden.

Das Schenkräumchen befindet sich seit zwei Jahren in der Klammergasse und ist eine wohltätige Initiative. Wer Kleidung, Möbel, Haushaltsgegenstände und Ähnliches nicht mehr braucht, kann solche Sachen dort abgeben – und wer bedürftig ist, kann dort kostenlos Dinge bekommen. Dabei gibt es durchaus Regeln: Nur eine volle Tüte pro Besuch, und bei großem Andrang werden Wartenummern verteilt, sodass nicht alle gleichzeitig den Laden stürmen und die Helfer den Überblick nicht verlieren.

In jüngster Zeit allerdings gab es auch immer wieder Beschwerden der Nachbarn, da sehr viele Menschen in der engen Gasse vor dem Laden anstanden, darunter viele Asylbewerber. Doch genauso kommen einheimische Kunden, ältere Leute mit kleiner Rente oder bedürftige Familien; der Freitag ist beispielsweise ausschließlich für sie reserviert. „Insgesamt kommen pro Woche bis zu 150 Menschen“, sagt Hammerle.

Die 18 ausschließlich ehrenamtlichen Mitarbeiter tun ihr Bestes, um unruhige Situationen zu vermeiden. „Und in den allermeisten Fällen läuft es hier friedlich ab“ betont Steinmüller. Das Schenkräumchen sei weit mehr als „nur“ ein Laden. „Wir leisten Integrationsarbeit, Sprachunterricht und Sozialdienst. Manche einsame Menschen kommen auch gern, um sich zu unterhalten, und es passiert schon mal, dass jemand Tränen in den Augen hat, weil er einen Wintermantel bei uns gefunden hat, oder eine Mutter mit dem gesparten Geld ihrem Kind mal einen Kinobesuch ermöglicht. Das ist der Grund, warum wir das machen. Ein tolles Miteinander jenseits der Konsumgesellschaft“, sagt Steinmüller. „Es enttäuscht mich, dass das alles nicht gesehen wird.“

Sie spielt damit auf Gespräche mit der Stadt an. Bürgermeister Josef Janker bedauert es zwar, keinen Raum anbieten zu können, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass man sich auch mit dem Caritas-Kleidermarkt zusammentun könne. Aber dort kosten die Sachen Geld, wenn auch deutlich reduziert. „Man sieht offenbar keinen Bedarf für ein Schenkräumchen“, bedauert Steinmüller, da sich auch eine finanzielle Unterstützung der Stadt schwierig gestaltet.

Wer den Fortbestand der Einrichtung unterstützen möchte, kann sich in eine der Unterschriftenlisten eintragen, die derzeit in der Alten Hofapotheke, bei den Kinderärzten, in allen Kindergärten, in diversen Arzt- und Massagepraxen, im „Gasthaus“, beim Turnverein, im Friseurladen Bogner und beim Autohaus Schreindl ausliegen. „Damit wollen wir der Stadt zeigen, wie viele Bürger sich das Schenkräumchen auch weiterhin wünschen.“

Annahmestopp: Das Schenkräumchen nimmt Kleider- und Sachspenden nur noch bis Mitte Oktober in der Klammergasse entgegen. Weitere Infos via E-Mail (brotzeit81@gmx.de) oder unter Telefon 0 80 41/ 79 60 71.  

Von Ines Gokus

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