+
Ziemlich beengt: Das Bild entstand im „Schenkräumchen“ an der Klammergasse und zeigt (v. li.) Tanja Hammerle, Ingrid Steinmüller und Conny Rix. Die neuen Räume an der Herderstraße sind mit 120 Quadratmetern ungefähr doppelt so groß.

Aus der Klammergasse ins ehemalige Filmmuseum

„Schenkräumchen“ zieht ins Herderbad

  • schließen

Normalerweise beschenken Tanja Hammerle und ihre Helfer andere Menschen. Jetzt bekommen sie selbst ein großes Präsent: Ab Februar dürfen sie mit ihrem Tölzer „Schenkräumchen“ im ehemaligen Herderbad einziehen. Miete müssen sie dort nicht bezahlen.

Bad Tölz – Größer, schöner, bessere Parkmöglichkeiten: Die neue Adresse des Tölzer „Schenkräumchens“ an der Herderstraße bietet aus Sicht der ehrenamtlichen Helfer nur Vorteile gegenüber dem alten Standort an der Klammergasse. Dort muss der Gratisladen bis Ende des Monats ausziehen. Wie berichtet hatte der Vermieter den Vertrag gekündigt. Die Suche nach einer neuen Bleibe gestaltete sich schwierig. Maximal 300 Euro Miete hätten Initiatorin Tanja Hammerle und ihre Mitstreiter aufbringen können. Und das für einen mindestens 60 Quadratmeter großen Raum in möglichst zentraler Lage in Bad Tölz mit Heizung und Toilette.

Dass es nun doch geklappt hat, ist dem evangelischen Dekan Martin Steinbach zu verdanken. Er fragte bei Anton Hoefter nach, ob er nicht auf dem Gelände des ehemaligen „Alpamare“ eine Zukunft für die karitative Einrichtung sehe. „Jetzt ist es der Raum am Eingang des früheren Herderbads geworden“, freut sich Steinbach, der auch der Schirmherr des „Schenkräumchens“ ist. Dort hatte zuletzt Nessy Karolinger ihr Filmmuseum betrieben.

Doppelt so viel Platz wie in der Klammergasse

Hoefter stellt den 120 Quadratmeter großen Raum gerne zur Verfügung, teilt er auf Nachfrage mit. „Das ist eine sinnvolle Angelegenheit, die ich unterstützen möchte.“ Deshalb verlangt er keine Miete. Lediglich die Heizkosten müssen Hammerle und ihre Mitstreiter bezahlen.

Am Konzept ändert sich durch den Umzug nichts. Auch weiterhin können die Bürger intakte Haushaltswaren wie Geschirr oder saubere Bettwäsche, Handtücher und Bekleidung abgeben, die sie selbst nicht mehr brauchen. Die Ware mitnehmen darf jeder kostenlos. Natürlich richtet sich das Angebot aber vor allem an Bürger mit einem eher geringen Einkommen.

Ihnen bleibe wegen der hohen Mieten in Bad Tölz oft nur wenig Geld zum Leben übrig, sagt Ingrid Steinmüller, eine von 18 ehrenamtlichen Helfern und Stellvertreterin von Initiatorin Tanja Hammerle. Das Ziel: Die Betroffenen können sich durch das gesparte Geld Dinge leisten, die sie sich sonst nicht erlauben könnten. Zum Beispiel einen Besuch im Schwimmbad mit den Kindern.

Steinmüller betont aber auch den Umweltgedanken: Mindestens 1200 Umzugskisten haben die Bürger in den vergangenen beiden Jahren im „Schenkräumchen“ abgegeben. 1200 Kisten, die sonst vermutlich auf dem Müll gelandet wären. Weiterhin nicht angenommen werden Möbel.

Zwei Öffnungstage für Einheimische reserviert

Eine Neuerung gibt es aber, wenn der Umzug bis spätestens Mitte Februar über die Bühne gegangen ist: Zwei von drei Öffnungstagen sind künftig für Einheimische reserviert, nämlich montags (16 bis 18 Uhr ) sowie freitags (10 bis 13 Uhr). Wie berichtet hatte es in der Vergangenheit Probleme mit Asylbewerbern gegeben. Laut und turbulent sei es oft in den engen Verkaufsräumen an der Klammergasse zugegangen. Aus den umliegenden Läden gab es Klagen, dass die Kunden Angst vor den Ausländern hätten. Letztendlich führten diese Probleme auch zu der Kündigung. Mittwochs von 16 bis 19 Uhr steht das „Schenkräumchen“ auch Geflüchteten offen.

Der Bedarf scheint auf allen Seiten groß zu sein: Laut Steinmüller trugen sich innerhalb kürzester Zeit 600 Bürger in Listen ein, als im Sommer bekannt wurde, dass das „Schenkräumchen“ vor dem Aus stand, falls keine neue Bleibe gefunden würde. Die Stadt habe jedoch abgewunken, ärgert sich Steinmüller. Gott sei Dank gebe es in Bad Tölz aber auch Menschen, die soziales Engagement unterstützen und wertschätzen.

Weitere Infos

Noch mehr Infos und die Kontoverbindung für Spenden stehen im Internet auf www.schenkraeumchen.de.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Rückkehr der Altarkrippe 
Es ist ein ganz besonderer Moment – nicht nur für die Mitglieder des Krippenvereins: Nach jahrelanger aufwendiger Renovierung wird die historische Altarkrippe ab …
Rückkehr der Altarkrippe 
Heute letztmals Biber-Wanderung im Loisachtal
Heute letztmals Biber-Wanderung im Loisachtal
Adventsmarkt der Trachtenvereine Isarwinkler und Kirchstoana im Stadtmuseum
Adventsmarkt der Trachtenvereine Isarwinkler und Kirchstoana im Stadtmuseum

Kommentare