Bei der Streiterei in Weilheim wurden auch Faustschläge ausgeteilt.  SymbolFoto: DPA
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Nach einem Discobesuch rastete ein 19-jähriger Tölzer aus.

Jugendgericht

Junger Mann verteilt Tritte und Schläge - er weiß selbst nicht, warum er so ausflippte

  • vonRudi Stallein
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Zwei Freizeitarreste und ein Jahr Alkoholverbot: Diese Strafe wurde über einen 19-Jährigen verhängt, der in und vor einer Diskothek auf unerklärliche Art gewalttätig wurde.

Bad Tölz/Wolfratshausen – Gepflegtes Äußeres, ruhiges Auftreten: Der Eindruck, den der junge Mann im Gericht macht, steht im krassen Widerspruch zu den Vorwürfen, die ihn auf die Anklagebank gebracht haben. Der 19-Jährige soll am 11. Januar 2020 nach einem Discobesuch ausgerastet sein. Noch im Lokal soll er einen Gast mit der Faust ins Gesicht geschlagen und anschließend getreten haben. Daraufhin wurde er zwar rausgeworfen. Wenig später, als er sein Opfer und dessen Freunde draußen auf dem Parkplatz wiedersah, teilte er aber weiter aus. Nun musste er sich wegen Körperverletzung in sechs Fällen vor dem Jugendgericht verantworten.

Während ein Geschädigter, ein 20-Jähriger aus Waakirchen, sachlich zusammenfasste, wie der Abend aus seiner Sicht abgelaufen war, irritierte der Angeklagte mit immer neuen, teils widersprüchlichen Versionen. Tritte habe es gar nicht gegeben. Schläge räumte er zwar ein, aber er sei zuerst geschlagen worden sei. Bei der Polizei hatte er seinerzeit behauptet, nicht er, sondern ein Freund sei geschlagen worden.

Vor Disco „völlig ohne Grund“ zugeschlagen

Nachdem ein weiteres Opfer, ein Wolfratshauser (24), der mit keinem der Beteiligten etwas zu tun hatte, schilderte, wie ihm der Angeklagte „völlig ohne Grund“ ins Gesicht geschlagen habe, lenkte der Beschuldigte ein. „Ich entschuldige mich, es tut mir echt leid. Das war eine unnötige Sache“, erklärte der 19-Jährige, der nach kurzer Rücksprache mit seinem Anwalt ein vollumfängliches Geständnis ablegte. „Er hat schon am meisten geschlagen und getreten“, sagte der Rechtsanwalt. Persönlich ergänzte der Angeklagte: „Ich weiß nicht, warum ich so ausgeflippt bin.“ Mutmaßlich habe „ein falscher Freundeskreis“ dazu beigetragen.

Es war nicht das erste Mal, dass der junge Mann die Justiz beschäftigte. Im Sommer 2019 hatte er sich für den unerlaubten Besitz einer geringen Menge Betäubungsmittel verantworten müssen. Im Sommer 2020 war er wegen einer sexuellen Belästigung, die nur zehn Tage vor der Prügelei stattgefunden hatte, zu 500 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Damals war das Gericht der Ansicht gewesen, ein Arrest sei „noch nicht erforderlich“.

Um den kam der Tölzer dieses Mal jedoch nicht herum. Unter Einbeziehung des vorigen Urteils verurteilte Jugendrichterin Friederike Kirschstein-Freund den Angeklagten zu zwei Freizeitarresten. An eines seiner Opfer, dass wegen der Geschichte berufliche Nachteile erfahren hatte, muss er 1200 Euro Schmerzensgeld zahlen. Außerdem verdonnerte die Richterin den 19-Jährigen dazu, ein Jahr „in der Öffentlichkeit keinen Alkohol zu trinken, oder sich betrunken draußen aufzuhalten“.

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