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Amtsgericht

Schlägerei-Prozess strapaziert die Geduld des Richters

Beleidigungen auf der Isarbrücke, Schläge in der Wohnung: Ein vorbestrafter Tölzer wurde nun zu 4200 Euro Geldstrafe verurteilt.

Bad Tölz/WolfratshausenDer Mann hat ein loses Mundwerk und ist auch sonst nicht zimperlich. Mit den Worten „Du bist ein Grattler, ein A….loch“, soll ein Tölzer (47) einen Bekannten (57) aus Wackersberg am 17. September vorigen Jahres nachmittags auf der Isarbrücke beleidigt haben. Wenige Stunden später trafen die Männer sich in der Wohnung des Wackersbergers wieder: Bei der Zusammenkunft soll der jüngere dem älteren mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Wegen Beleidigung und Körperverletzung wurde der Mann nun vom Amtsgericht Wolfratshausen zu 4200 Euro Geldstrafe verurteilt.

Zuvor hatten die beiden Kontrahenten die Geduld des Richters strapaziert. „Ich bin mir keiner Schuld bewusst. Ich sage dazu im Moment nichts“, raunte der 47-Jährige, als die Anklageschrift verlesen worden war. Als Angeklagter darf er das.

Der Geschädigte hätte auch am liebsten geschwiegen. „Wenn’s mich fragen, tät ich das ganze Verfahren gern einstellen“, sagte der Altenpfleger. Der Richter erklärte ihm, dass er als Zeuge kein Auskunftsverweigerungsrecht habe und der Wahrheit verpflichtet sei. Der Zeuge schnaufte – also gut. Es sei vor einiger Zeit mal „zu einer kleinen Konfrontation gekommen“, holte der Wackersberger aus. „Er hat wohl gemeint, er muss da was dazu sagen – und hat mich zusammengeschissen.“ Der Richter hakte nach: „Was hat er gesagt?“ Er wolle seinen Kumpel nicht reinreißen, stammelte der Zeuge. Der Richter drohte mit einem Verfahren wegen uneidlicher Falschaussage. „Dass ich ein Grattler bin. Und dass er mich in die Isar schmeißt“, fuhr der Zeuge missmutig fort. Total aggressiv sei der Angeklagte beim Zusammentreffen am Abend gewesen, berichtete der Wackersberger weiter. „Ich habe ihm nahegelegt, dass er geht, das hat er nicht gemacht. Stattdessen schlägt er mir mehrmals ins Gesicht.“ Aber er sei nicht nachtragend. „Wenn er sich am nächsten Tag entschuldigt hätte, wär die Sache rum ums Eck.“

Dann entschloss sich auch der Angeklagte, seine Sicht darzulegen. „,Grattler‘ und ,Drecksau‘ gebe ich zu“, sagte der Tölzer. Grund sei gewesen, dass der Wackersberger ihm Monate zuvor so heftig in die Wade getreten habe, dass er wochenlang nicht habe gehen können. Die Schläge am Abend stritt der Beschuldigte ab.

„Er sagt, er habe ihm sauber eine aufgestrichen“, bestätigte ein Polizeibeamter die Aussage des Zeugen. Das ärztliche Attest bescheinigte „Prellmarken an Nase und Jochbein“. Einen bereits bestehenden Schnitt unterm Auge, wie vom Angeklagten behauptet, hatte der Arzt beim Geschädigten nicht festgestellt.

Richter Helmut Berger verurteilte den Tölzer zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 35 Euro. Damit blieb er weit unter dem Antrag des Staatsanwalts, der den Angeklagten für ein Jahr und drei Monate ins Gefängnis schicken wollte – wegen seines umfangreichen Vorstrafenregisters. Zuletzt war der 47-Jährige 2012 zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Nach einem Aufenthalt in einer Entziehungsanstalt steht er bis 2021 unter Führungsaufsicht. Weil „die Bewährung nicht einschlägig war und der Geschädigte kein Verfolgungsinteresse hat“, halte er eine Geldstrafe in diesem Fall für ausreichend, begründete Berger sein Urteil.

Rudi Stallein

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