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Zum Regelpreis von 60 Euro öffnet Gabriel Miller Türen – normalerweise in Sekundenschnelle.

Tipps vom Fachmann

Schlüsseldienste: So vermeidet man Abzocke 

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Ausgesperrt, was nun? Einen Wucherpreis von 1749 Euro, wie er jüngst einem Tölzer abgeknöpft wurde, sollte man jedenfalls nicht bezahlen. Ein Tölzer Experte gibt Tipps.

Bad Tölz – Die Tür fällt ins Schloss – und der Schlüssel ist drinnen, man selbst aber draußen. Diese Situation kennen viele. Wer sich ausgesperrt hat, steht unter Stress und kann zum leichten Opfer für Abzocker werden. Das passierte wie berichtet kürzlich einem Rentner (70) aus Bad Tölz,dem ein unseriöser Schlüsseldienst 1749 Euro abknöpfte.

Wie man im Fall der Fälle auf der sicheren Seite steht, dazu hat der Tölzer Unternehmer Gabriel Miller (62) einige Ratschläge parat. Der erste: „Wenn man vor der Tür steht und gar nichts anderes weiß, dann ruft man am besten die Polizei an.“ Die Beamten würden dann die Telefonnummer eines Fachbetriebs weitergeben. So mancher halte sich aber für schlauer. „Jeder hat heutzutage sein Smartphone dabei, sucht damit nach einem Schlüsseldienst – und da sind dann auch die Schwarzen Schafe gelistet.“ In Bad Tölz verweise die Polizei in der Regel auf ihn, sagt Miller, der einen Betrieb an der Salzstraße führt. Er ist Bauschlosser und hat sich auf den Sicherheitsbereich spezialisiert: Schließanlagen, Tresore, Alarmanlagen.

Werde er angerufen, dann komme er „rund um die Uhr“. „Es kommt natürlich drauf an, ob und wo ich gerade auf einer Baustelle beschäftigt bin. Nicht immer kann ich von einer Minute auf die andere wegspringen.“ In einem Radius von zehn Kilometern verlangt Miller an einem Werktag tagsüber 60 Euro für die Türöffnung. Das „Allerhöchste“, was bei ihm fällig werden könnte, seien 200 Euro – dann, wenn er den Zylinder des Schlosses austauschen muss, und das auch noch an einem Feiertag.

Dass Wucherpreise verlangt werden, das komme ihm „regelmäßig“ zu Ohren, sagt Miller. Außer dem Fall des 70-jährigen Tölzers sind ihm aus jüngster Zeit zwei ähnliche Vorkommnisse in Bad Tölz sowie in Bad Heilbrunn bekannt. „So etwas ist eine Unverschämtheit“, ärgert sich der 62-Jährige – auch deshalb, weil dadurch der Ruf seriöser Fachbetriebe Schaden leide. „Wir werden dann mit den Worten begrüßt: ,Aha, sind Sie auch so einer?‘“

Dabei habe ein Fachbetrieb noch einen großen Vorteil: „Ich öffne in 99,9 Prozent die Türen schadlos, ohne einen Kratzer zu hinterlassen.“ Ausnahmen gebe es eigentlich nur, wenn sich der Kunde zuvor selbst an der Tür abgerackert habe. Von der Methode mit der Kreditkarte „rate ich ab, damit kann man einen Riesenschaden anrichten“, sagt Miller. So habe er schon erlebt, dass junge Leute an ihrer Tür „drei EC-Karten abgebrochen“ hätten. „Wenn dann die Falle komplett verklemmt ist, wird’s schwierig.“

Auch die unseriösen Schlüsseldienste hinterlassen nach Millers Erfahrung oft großen Schaden – und sorgen damit nach der Wucherrechnung auch noch für Folgekosten. „Bei einem Kunden von mir haben sie die Tür komplett aufgebrochen. Die schicken ja keine Fachleute, sondern irgendwelche Hiwis.“

Miller gibt weiterhin den Tipp, den Schlüsseldienst von Anfang an auf einen Fixpreis festzunageln. Bei ihm selbst sei die Pauschale unveränderbar. In der Regel könne er eine Tür in Sekunden öffnen. „Wenn ich zwei Stunden rumtue, dann ist es mein Problem.“ Manch unseriöser Anbieter nenne erst einen Preis von 25 Euro – und dann kämen allerlei Zuschläge dazu.

Ein weiterer Rat des Fachmanns: Wer sich ausgesperrt hat, solle auch bei Nachbarn oder Bekannten nachfragen, ob sie einen guten Ansprechpartner kennen. „Ich hatte mal einen Fall, da musste jemand drei oder vier Stunden auf den Schlüsseldienst warten – und in der Zwischenzeit hat ihm der Nachbar gesagt: ,Sag’ das ab, ich weiß da jemanden.‘“

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