Hauptsächlich Marihuana, aber auch LSD, MDMA und Kokain verkaufte ein Kochler an seine vorwiegend junge Kundschaft. Mit auf der Anklagebank saß sein Bruder.
+
Marihuana und ein Kokaingemisch hatte der junge Tölzer gekauft.

Amtsgericht

Schluss mit erzieherischen Maßnahmen: Bewährungsstrafe für Kiffer

  • vonRudi Stallein
    schließen

Nach mehreren Jugendstrafen wurde ein junger Tölzer nun zum ersten Mal nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt - wegen des unerlaubten Erwerbs von Drogen.

Bad Tölz/Wolfratshausen – Den Unterschied zwischen Jugend- und Erwachsenenstrafrecht bekam ein junger Tölzer (22) gleich bei seiner ersten Verhandlung vor dem Strafrichter zu spüren. Bei seinen bisherigen fünf Gerichtsterminen, die er als Jugendlicher erlebte (unter anderem wegen Diebstahls, Drogen und Körperverletzung), hatte die Justiz versucht, mit richterlichen Weisungen und zuletzt zwei Freizeit-Arresten erzieherisch auf den jungen Mann einzuwirken. Ohne nachhaltigen Erfolg. „Die bisherigen Sanktionen konnten nicht die geringste Wirkung entfalten“, stellte Richter Helmut Berger fest. Vor ihm nahm der Angeklagte zum ersten Mal auf der Anklagebank Platz. Er wurde wegen unerlaubten Erwerbs von Betäubungsmitteln in vier Fällen sowie Besitz in einem Fall zu einer zehnmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Marihuana und ein Kokaingemisch gekauft

Anfang vergangenen Jahres hatte der Angeklagte mehrmals bei einem Bekannten Marihuana und geringe Mengen Kokaingemisch gekauft. Auf seine Spur gekommen war die Polizei im Rahmen einer Telefonüberwachung seines Dealers. „Dazu gibt es nichts zu sagen, das stimmt so“, räumte der 22-Jährige die Vorwürfe ein. Mit dem Dealer sei er befreundet gewesen. Die Qualität der Drogen – insgesamt hatte er bei vier Gelegenheiten rund 100 Gramm erworben – sei gut gewesen. „Es hat schon seine Wirkung gezeigt“, erklärte der Beschuldigte.

Eindringliche Warnung des Gerichts

Seit ungefähr einem Monat lasse er die Finger von Drogen. Weshalb er von den Beratungsgesprächen, die die Anklagevertreterin als Bewährungsauflage beantragte, nicht überzeugt war. „Für mich selber brauch ich das nicht“, sagte er auf Nachfrage des Richters, der mit seinem Strafmaß von zehn Monaten dem Antrag der Staatsanwältin folgte. Neben den Gesprächen mit der Caritas sah das Gericht auch davon ab, eine Geldauflage gegen den derzeit arbeitslosen Tölzer zu verhängen.

Stattdessen verdonnerte Berger den jungen Mann, „jeglichen Konsum illegaler Betäubungsmittel zu unterlassen und dies auf Verlangen durch Screenings nachzuweisen“. Abschließend erklärte er dem Angeklagten die Bedeutung des Begriffs Bewährung: „Wenn in der Zeit etwas Einschlägiges passiert, müssen Sie die zehn Monate absitzen.“    

Lesen Sie auch: 240 Ecstasypillen in der Thermoskanne: Tölzer (37) muss in den Knast

Betrunken auf dem Krankenfahrstuhl: Richter gibt Wiederholungstäter „letzte Chance“

Nach unrühmlichem Auftritt in Schnellrestaurant in Bad Tölz: Geldstrafe und Alkoholverbot für 20-Jährigen

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare