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Schneechaos im Landkreis: Auf der Zielgeraden

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Von: Veronika Ahn-Tauchnitz, Silke Scheder

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Das Dach der Dreifachturnhalle an der Jahnstraße wurde als eines der letzten geräumt. © Bock

Nach tagelangem Kampf gegen die Schneemassen entspannt sich die Lage im Landkreis. Hunderte Einsatzkräfte räumten am Montag die letzten Dächer. Am Dienstag dürfte im Lauf des Tages der Katastrophenfall aufgehoben werden. In Tölz gab es am Montag noch einen kleinen Hangrutsch, in Einsiedl stürzte ein leer stehendes Gebäude ein.

Bad Tölz – Möglicherweise war es das Tauwetter, das den Hangrutsch am Fußweg von der Fröhlichgasse zum Tölzer Kalvarienberg auslöste. Betroffen sei ein etwa 20 Meter langes Stück des Wegs, wie Kurdirektorin Brita Hohenreiter, die derzeit für die Pressearbeit der Stadt verantwortlich ist, schildert. Der Weg ist deshalb nun gesperrt.

 „Runtergekommen ist nasser und schwerer Schnee, natürlich angereichert mit Erde“, sagt Hohenreiter. Hauptproblem ist, dass der Hangrutsch eine kleine Brücke traf. „Diese ist weggebrochen. Vor Frühjahr wird das sicher nicht repariert werden können.“ Generell sei das keine große Sache, die Reparatur könnte sich aber aufwändig gestalten. „Das Holz, das vor Ort benötigt wird, kann an dieser Stelle nicht direkt angeliefert werden, sondern muss von oben abgeseilt werden.“

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Der Fußweg von der Fröhlichgasse auf den Kalvarienberg ist gesperrt. © Stadt

Blomberg

Vorsichtig optimistisch ist Hohenreiter mit Blick auf den Blomberg. Dort sind wegen der hohen Schneelast auf den Bäumen seit 7. Januar alle Wege und die Rodelbahn gesperrt. „Nach derzeitigem Stand wird mit dem Ausschneiden des Wirtschaftswegs voraussichtlich am Mittwoch begonnen. Sollte bis dahin nicht weiterer Windwurf stattfinden, hoffen wir, dass der Weg ab Donnerstag freigegeben werden kann“, so Hohenreiter.

Herzogstand

Bis einschließlich Donnerstag, 17. Januar, geschlossen bleiben die Herzogstandbahn und das Berggasthaus. In der Bahntrasse hängt jede Menge Schnee. Im Notfall wäre es deshalb nicht möglich, die Gondeln zu evakuieren. „Wir warten, bis sich der Schnee setzt beziehungsweise verfestigt“, sagt Bernd Heilingbrunner mit Blick auf die große Lawinengefahr.

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 Laut dem stellvertretenden Betriebsleiter der Herzogstandbahn sind in den kommenden Tagen außerdem einige Sprengungen oberhalb des öffentlichen Wegs zum Berggasthaus notwendig: „Da hängt einiges“, sagt Heilingbrunner. Er ist jedoch zuversichtlich, dass die Herzogstandbahn bis zum Wochenende wieder betriebsbereit ist.

Einsatz in Einsiedl

Ausrücken mussten Feuerwehr Walchensee, Bergwacht und Rettungsdienst am Montag nach Einsiedl – allerdings nur vorsichtshalber. Dort war ein seit Jahren leer stehendes altes Sägewerk unter der Schneelast zusammengebrochen. „Ob das am Donnerstag passiert ist oder vorher, weiß keiner“, sagt Stefan Kießkalt, Sprecher der Kreisbrandinspektion. Da keine Fußspuren zum Haus hin- oder wegführten, war kein Eingreifen notwendig.

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In Einsiedel brach ein seit Jahren leer stehendes altes Sägewerk unter der Schneelast zusammen. © Feuerwehr

Unterrichtsausfall

Zusammenkommen wird am Dienstag noch einmal die „Koordinierungsgruppe Unterrichtsausfall bei ungünstigen Witterungsbedingungen“. Sie entscheidet am Vormittag, ob am Mittwoch – und davon ist auszugehen – an den Schulen im Landkreis wieder unterrichtet wird.

Katastrophenfall

Ansonsten wurden am Montag die letzten Dächer von öffentlichen Versorgungseinrichtungen geräumt. Am Vormittag waren 839 Kräfte der Feuerwehren – unterstützt durch Kontingente aus Niederbayern und Fürstenfeldbruck –, des BRK, des Technischen Hilfswerks, der Bundeswehr sowie der Polizei im Einsatz – unter anderem auf der Gaißacher Fachklinik. Nachmittags waren es dann noch 489 Kräfte aus ganz Bayern. Zuletzt geräumt wurden in Bad Tölz die Dächer der Dreifachturnhalle an der Jahnstraße, des Kindergartens Arche Noah und der Berufsschule an der Bairawieser Straße.

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„Wir gehen davon aus, dass wir am Dienstag im Lauf des Vormittags den Katastrophenfall aufheben werden“, sagte Landrat Josef Niedermaier am Montagabend zuversichtlich. Er dankt allen Einsatzkräften. „Sie alle sind bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gegangen. Der Zusammenhalt untereinander war grandios. Ohne ihren Einsatz hätten wir diese Lage nicht so bewältigen können.“ Wie gefährlich ein solcher Einsatz sein kann, zeige das schreckliche Unglück vom Freitag, als der Fahrer eines Räumfahrzeugs tödlich verunglückte. „Wir trauern mit seiner Familie, seinen Freunden und Kollegen“, sagte Niedermaier.

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