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Das Projekt wurde bei einer Pressekonferenz im Landratsamt vorgestellt.

Krisendienst Psychiatrie

Schnelle Hilfe in seelischer Not

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Bei einer körperlichen Erkrankung scheut sich kaum jemand, zum Profi zu gehen. Bei seelischen Problemen schon. Ein neues Angebot soll es Betroffenen und deren Angehörigen im Landkreis künftig leichter machen, diese Hemmschwelle zu überwinden. Unter der Rufnummer 0180/ 6 55 30 00 erhalten sie bis in die Nacht hinein professionelle Hilfe.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Als Bettina Lämmert ihren Sohn zum ersten Mal während einer Psychose erlebte, wusste sie nicht, was sie tun sollte. „Mein Mann und ich waren total hilflos“, schildert die Geretsriederin. In ihrer Verzweiflung rief Lämmert die Polizei an, die ihren Sohn mit Blaulicht in eine Klinik brachte. Ein traumatisches Erlebnis für die gesamte Familie, das vielleicht hätte vermieden werden können, wenn es damals schon das Not-Telefon des Krisendienstes Psychiatrie gegeben hätte.

Dabei handelt es sich um ein neues Angebot des Bezirks Oberbayern, das seit Samstag auch in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach, Garmisch-Partenkirchen, Weilheim-Schongau sowie Landsberg am Lech verfügbar ist. Gestern stellte Bezirkstagspräsident Josef Mederer das Modellprojekt im Tölzer Landratsamt vor, wo auch Bettina Lämmert anwesend war, um mit ihrer Geschichte für den Krisendienst zu werben.

„Es kann jeden treffen“, sagte Mederer. Deshalb sei es auch unabdingbar, dass ein solches Angebot flächendeckend eingeführt werde. Zwar gebe es in der Region bereits Anlaufpunkte wie den Sozialpsychiatrischen Dienst der Caritas oder Kliniken mit entsprechenden Ambulanzen wie in Agatharied. Diese Einrichtungen waren aber bislang nicht vernetzt, was nun nachgeholt worden sei. Für die Anrufer bedeutet das laut Mederer: Wenn ein Telefongespräch nicht ausreicht, können die speziell geschulten Psychologen oder Sozialpädagogen am anderen Ende der Leitung zeit- und wohnortnah einen ambulanten Beratungstermin bei einem der Kooperationspartner für den Anrufer vereinbaren. Denn wie Bettina Lämmert wissen die meisten Hilfesuchenden in einer Notsituation gar nicht, wo sie passende Hilfe finden könnten.

In besonders dringenden Fällen gibt es Mederer zufolge künftig auch die Möglichkeit, dass sogenannte „mobile Teams“ vom Sozialpsychiatrischen Dienst der Caritas innerhalb von einer Stunde zu den Betroffenen nach Hause kommen. „Ohne Blaulicht und Martinshorn“, betont Mederer mit Blick auf das Beispiel von Bettina Lämmerts Sohn. Um die Hausbesuche anbieten zu können, wurden laut Caritas-Kreisgeschäftsführer Wolfgang Schweiger 25 Abend-, Wochenend- und Feiertagskräfte eingestellt. Insgesamt investiert der Bezirk Mederer zufolge jährlich 7,4 Millionen Euro in den Aufbau und den Betrieb des Krisendiensts, wobei er noch auf Zuschüsse vom Freistaat hofft. Auch die Krankenkassen sieht Mederer in der Pflicht. Die beteiligen sich bislang nicht an den Kosten, obwohl ihnen der Dienst viele Ausgaben erspare.

Zum Beispiel stationäre Aufenthalte. Denn oft reicht laut Michael Welschehold schon ein Telefonat, um die jeweilige Notlage zu deeskalieren. Allein, dass ihnen jemand zuhört, entlastet die Betroffenen sehr, sagt der ärztliche Leiter der Krisendienst-Leitstelle in München, wo alle Anrufe eingehen. In der Landeshauptstadt gibt es das Krisentelefon bereits seit 2007. „Ohne zu übertreiben kann ich sagen, dass wir seitdem zehntausenden Menschen geholfen haben“, sagt Welschehold. Pro Jahr kamen im Schnitt 13 000 Telefonkontakte zustande, Tendenz steigend. Auslöser für eine seelische Krise gibt es schließlich genug: Eine Trennung oder ein schwerer Verlust sind nur zwei Beispiele von vielen. „Statistisch gesehen gerät jeder Dritte mindestens einmal in seinem Leben in eine psychische Notlage, in der bislang bewährte Bewältigungsstrategien nicht mehr greifen.“ Da sich Krisen an keine Uhrzeit halten, sind die Fachleute täglich von 9 bis 24 Uhr unter Telefon 0180/ 6 55 30 00 erreichbar.

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