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Symbolbild

Schöffengericht

Bandendiebstahl in großem Stil

Bad Tölz/Wolfratshausen – Ein Trio hat haufenweise Fernseher und Radios gestohlen, mit einem vermeintlich raffinierten Plan. Nun wurden die Diebe verurteilt.

Mit einem vermeintlich raffinierten Plan schafften eine Kassiererin, ihre Tochter sowie deren Ex-Freund in großem Stil Fernsehgeräte und Radios aus dem Kaufland in Tölz – ohne zu bezahlen. Nun wurde das Trio vom Schöffengericht am Amtsgericht Wolfratshausen wegen schweren Bandendiebstahls zu Gefängnisstrafen zwischen 15 und 23 Monaten verurteilt. Alle Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt.

Die Idee schien narrensicher: Wenn die Mutter (53) an der Kasse saß, sollte die Tochter (25) die Ware aussuchen und mit dem Einkaufswagen durch die Kasse schieben. Draußen übernahm der Freund (29) die Elektroartikel, die entweder verkauft oder in anderen Kaufland-Filialen zurückgegeben werden sollten. Das auf diese Weise eingenommene Geld sollte unter den Dreien aufgeteilt werden. Soweit die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, die im Wesentlichen auf den Aussagen der beiden Frauen basieren. Am 16. September 2014 waren sie auf frischer Tat ertappt worden, als die 25-Jährige gleich zweimal „Einkaufen“ kam.

Vor Gericht schoben sich die drei Angeklagten gegenseitig die Schuld zu. Der 29-Jährige, der sich derzeit in einer stationären Therapie befindet, stritt jede Beteiligung ab. „Er hatte keine Kenntnis davon und hat kein Diebesgut entgegengenommen“, ließ er seinen Verteidiger erklären. Er vermute, dass ihn die junge Frau, mit der er „eine kurze Liaison hatte“, in die Sache reinziehen wolle. In einer früheren Aussage bei der Polizei hatte er behauptet, von der Kassiererin angestiftet worden zu sein.

Umgekehrt sei es abgelaufen, sagte die 53-Jährige. „Er hat mich angesprochen und gesagt, davon könnten wir alle profitieren“, lautete ihre Version. Wenn regulär TV-Geräte oder Radios gekauft wurden, habe sie den Kassenbon doppelt ausgedruckt. Damit sollten die gestohlenen Geräte später umgetauscht werden. Die Tochter behauptete, erst später eingeweiht worden zu sein. „Es wurde für ihn wohl etwas auffällig, weil er zu oft da war“, mutmaßte die 25-Jährige, warum sie Mitte September überraschend habe „einspringen“ müssen.

Der Auslöser zur Ergreifung des Trios war ein Anruf einer Mitarbeiterin einer Kaufland-Filiale in Augsburg drei, vier Tage vor dem Zugriff. Sie informierte ihre Kollegen in Tölz darüber, dass jemand versucht habe, mit einem kopierten Kassenzettel einen in Tölz erworbenen Fernseher in Augsburg zurückzugeben. Im Tölzer Geschäft war zu dem Zeitpunkt lediglich aufgefallen, dass die Elektroartikel reißenden Absatz fanden. „Man hat das Regal aufgefüllt – und schwups war es wieder leer“, erklärte die Filialleiterin. Erst bei der Jahresinventur sei ein Minus von weit mehr als 100 000 Euro festgestellt worden. „Das ist schon erschütternd“, stellte die Marktleiterin fest.

Das Schöffengericht befand trotz „unterschiedlicher Versionen, die nicht zusammenpassen“ (Richter Helmut Berger) alle drei Angeklagten für schuldig. Mutter und Tochter waren ohnehin geständig. Der 29-Jährige habe letztlich durch seine eigene Aussage bei der Polizei eine Beteiligung bei früheren Taten eingeräumt. Er war außerdem zweimal beim Fahren ohne Führerschein erwischt worden, was sich in seiner Strafe von einem Jahr und elf Monaten niederschlug. Die Kassiererin wurde zu einem Jahr und vier Monaten verurteilt, ihre Tochter erhielt einen Monat weniger. Als Auflage müssen die Frauen jeweils 500 Euro an den Kinderschutzbund bezahlen. Von den gestohlenen Artikeln fehlt jede Spur.  rst

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