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Recycling im großen Stil: Ein Greifer sortiert den Schrott nach Größe. Bis zu elf Tonnen kann der Bagger problemlos heben.

Firma Frimberger

Schönheitskur für den Tölzer Schrottplatz

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Nicht nur am Tölzer Bahnhof wurde zuletzt fleißig gebaut. Auch nebenan bei der Firma Frimberger rollen die Bagger. Der Entsorgungsfachbetrieb hat eine neue Geschäftsführerin – und die hat einiges vor. Ein wichtiges Ziel: Den Schrott-Transport von der Straße wieder verstärkt auf die Schiene zu verlagern.

Bad Tölz– In Fachkreisen gilt der Schrottplatz Frimberger als einer der schönsten Deutschlands – wegen des traumhaften Bergpanoramas. Künftig soll er auch wieder zu den erfolgreichsten gehören. Dafür sorgen will Andrea Heidrich, seit Februar die Geschäftsführerin des zertifizierten Entsorgungsfachbetriebs neben dem Tölzer Bahnhof.

Neue Geschäftsführerin: Andrea Heidrich (31) vor einem Container mit Edelstahl.

Ein wichtiger Schritt ist bereits getan: Seit Kurzem verfügt der Betrieb über eine neue, 18 Meter lange Lkw-Waage. „Die alte war reif fürs Museum“, sagt die 31-Jährige. Über 100 Jahre gibt es das Unternehmen bereits in Bad Tölz. An diese Tradition will Heidrich anknüpfen – auch, wenn das einstige Familienunternehmen seit Ende des vergangenen Jahres komplett der Alfa-Gruppe gehört, nach eigenen Angaben einer der größten bayerischen Entsorger von Stahl- und Metallschrott. Heidrich selbst kennt und schätzt dagegen die Vorteile kleiner Familienunternehmen – sie selbst ist quasi auf einem Schrottplatz aufgewachsen. „Ich habe nicht mit Barbies, sondern mit Schrott gespielt“, scherzt die gebürtige Rheinland-Pfälzerin.

Nach dem Studium der Umwelt- und Betriebswirtschaftslehre arbeitete Heidrich unter anderem bei dem Münchner Recycling-Fachbetrieb Preimesser, ehe sie nach Bad Tölz wechselte. Heidrich schwärmt von ihrem engagierten Team, bestehend aus zehn Mitarbeitern. Und von der Zukunftsträchtigkeit ihrer Branche. Denn was viele nicht wissen: „Nahezu 100 Prozent der angelieferten Stoffe gehen wieder in den Kreislauf zurück“, sagt Heidrich. Holz zum Beispiel werden entweder zu Hackschnitzeln verarbeitet. „Oder zu Pressspanplatten, die man irgendwann als Regal bei Ikea kaufen kann.“ Das spart Ressourcen.

Bis auf Chemikalien wird alles angenommen

Bis auf Chemikalien wird bei Frimberger so gut wie alles angenommen: Von Autos über Bau- und Abbruchabfälle über Glas bis hin zu Metallen, Schrott und Eisen – „der einzige Abfall, der Geld bringt“, sagt Heidrich mit Blick auf die drei letztgenannten Stoffe. Für die Entsorgung der anderen Stoffe müssen die privaten und gewerblichen Kunden bezahlen.

Die Hauptaufgabe der Angestellten besteht im Sortieren, Schneiden und Reinigen der angelieferten Materialien, im stetigen Austausch mit dem Landratsamt. Ist genug beisammen, kommen die Materialien zum Beispiel ins Stahlwerk oder werden von Folgeunternehmen entsorgt.

Demnächst soll das rund 10 000 Quadratmeter große Betriebsgelände saniert werden. Die Büros wurden bereits einer Schönheitskur unterzogen. Außerdem möchte Heidrich ihren Ausbilderschein machen und künftig Nachwuchs ausbilden, etwa zur Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft.

Ein langfristiges Ziel der Geschäftsführerin ist es, den Lieferverkehr von der Straße zurück auf die Schiene zu bringen – aus Gründen des Klimaschutzes, wie sie sagt. Ein Strang führte bis vor wenigen Wochen auch direkt zum Firmengelände. Doch im Zuge der Bauarbeiten am Tölzer Bahnhof ließ das Unternehmen die Schienen entfernen. Alternativ hätten die Gleise Heidrich zufolge für sehr viel Geld erneuert werden müssen.

Hinzu kämen die Preise, die die Bahn verlangt, um die Gleise anzuschließen und die Waggons zu stellen. Noch stehe das Kosten-Nutzen-Verhältnis in keiner Relation. Zumindest draufzahlen will Frimberger nicht für den Gleisanschluss. „Die Weiche ist aber noch vorhanden, sodass wir jederzeit die Möglichkeit haben, die Gleise zu reaktivieren.“

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