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Birgit Haas-Heinrich (56) gestaltet unter anderem die Einträge ins Goldene Buch der Stadt Bad Tölz. Jetzt hat sie erstmals ein eigenes Atelier am Jungmayrplatz.

kalligraphie-Atelier wird eröffnet

Schönschrift als Kunst

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Schöne Schrift ist etwas Besonderes – nicht nur auf einem Brief, auch als Kunstwerk. Am Tölzer Jungmayrplatz kann man künftig Birgit Haas-Heinrich dabei über die Schulter schauen. Die Kalligraphin eröffnet am Wochenende ihr Atelier.

Bad Tölz – Ein schnell geschriebener Einkaufszettel? Eine gekritzelte Notiz nach einem Telefongespräch? „Natürlich“, sagt Birgit Haas-Heinrich schmunzelnd, „gibt es das bei mir auch.“ Aber grundsätzlich achte sie darauf, auch im Alltag schön zu schreiben. Dazu gehört das passende Schreibgerät. Die 56-Jährige mag lieber Füller als Kugelschreiber, auch den Bleistift nimmt sie gern zu Hand. „Und wenn ich beruflich in einem Workshop sitze, dann werde immer ich darum gebeten, aufs Flipchart zu schreiben“, sagt sie lächelnd.

Birgit Haas-Heinrich arbeitet als Projektmanagerin in der Arzneimittelzulassung und -entwicklung bei Hexal in Holzkirchen. Die Kalligraphie ist ihr zweites berufliches Standbein, für das sie nun erstmals ein eigenes Atelier am Tölzer Jungmayrplatz eröffnet. Bis vor Kurzem war hier die Galerie von Patrizia Zewe beheimatet, ihrer Vorstandskollegin im Kunstverein Tölzer Land. Auch Birgit Haas-Heinrich ist im Verein aktiv, derzeit übt sie das Amt der Zweiten Vorsitzenden aus.

Zur Kalligraphie kam die 56-Jährige vor knapp zehn Jahren. Bis dahin beschäftigte sie sich mit Malerei, doch Schrift und Kunst zogen die gebürtige Rheinländerin zunehmend in den Bann. „Die ersten Versuche waren frustrierend“, erinnert sie sich. Denn selbst wenn es einfach aussieht: Die Kalligraphie ist eine Kunst, für die man einige handwerkliche Grundlagen lernen muss – etwa zum Schreibgerät, zum Umgang mit Tinte und Tusche und natürlich zum Papier.

Haas-Heinrich, die in Wackersberg lebt, hat sich in den vergangenen Jahren einen guten Namen gemacht. Sie schreibt zum Beispiel die Einträge ins Goldene Buch der Stadt, gestaltet Urkunden und hat schon eigene Ausstellungen veranstaltet. Zudem entwirft sie als Auftragsarbeiten Karten, Briefumschläge, Namensschilder und vieles mehr.

Die Arbeitsgeräte, die sie dazu benutzt, sind vielfältig. Federn zum Beispiel, die sich in Breite, Größe und Fläche unterscheiden, sowie Stückchen aus Balsaholz, Füller, Pinsel, Filzstifte und Buntstifte gehören zu dieser Palette. Die Federn taucht sie in Tusche, Tinte oder auch Holzbeize, um sie dann mit entsprechendem Druck kräftig über das Papier zu führen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt – weder beim Papier noch bei den Farben und Formen einer Schrift. Hier gibt es Dutzende Arten. „Eine Lieblingsschrift habe ich eigentlich nicht“, sagt die 56-Jährige.

Wenn sie künstlerisch arbeitet, ist sie hochkonzentriert. „Aber für mich ist das etwas Entspannendes. Man merkt gar nicht, wie schnell die Zeit vergeht.“ Im vergangenen Jahr hat sie die Menschenrechtskonvention der Vereinten Nationen in Schriftbilder umgesetzt, die großformatigen Werke wurden im Tölzer Kunstsalon ausgestellt.

Und wenn man sich verschreibt? Haas-Heinrich schmunzelt. „Kommt drauf an, was und wo“, sagt sie. Manches könne man geschickt ausbessern, aber manchmal müsse man tatsächlich von vorne anfangen.

Ihr Wissen gibt Haas-Heinrich unter anderem in Kursen an den Volkshochschulen in Tölz, Holzkirchen und Miesbach weiter. Die Teilnehmer sind überwiegend Frauen. Auch die Künstlerin selbst bildet sich laufend fort. „Ich habe noch so viele Ideen. Und jetzt, im neuen Atelier, habe ich endlich Platz, alles umzusetzen.“

Eröffnung mit Programm

Das Kalligraphie-Atelier wird an diesem Wochenende eröffnet. Besucher sind am Samstag von 18 bis 20 Uhr und am Sonntag von 16 bis 20 Uhr willkommen. Am Sonntag können die Besucher einiges austesten und zum Beispiel Lesezeichen gestalten. Kinder sind willkommen. Ansonsten ist das Atelier jeden Freitag von 16 bis 18 Uhr geöffnet. Birgit Haas-Heinrich beteiligt sich auch an der „Langen Nacht“ am Tölzer Jungmayrplatz, die jeden zweiten Dienstag im Monat von 17 bis 20 Uhr stattfindet.

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