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Trauriger Anblick: das gefällte Gipfelkreuz auf dem Gipfel des Scharfreiter. Erst am 1. Oktober hatten Alpenvereinsmitglieder es mühevoll auf den Berg getragen.

Schon wieder: Kreuz am Scharfreiter zerstört 

Neuer Anschlag auf Gipfelkreuz:„Das ist feige“

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Lenggries/Bad Tölz - All die Mühe war umsonst: Das Gipfelkreuz auf dem Scharfreiter ist erneut umgesägt worden. Erst im August hatten Unbekannte das Kreuz zerstört, im Oktober wurde ein neues aufgestellt.

Wer hinter der Tat steht, ist unklar. Die Kripo ermittelt.

Wut und absolutes Unverständnis – diese beiden Begriffe beschreiben die Gemütslage von Paul Schenk derzeit wohl am besten. „Ich bin fassungslos“, sagt der Vorsitzende der Tölzer Alpenvereinssektion. Und er ist sicherlich nicht der Einzige. Dafür ist die Nachricht zu unglaublich, die sich am Samstag wie ein Lauffeuer im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen und weit über dessen Grenzen hinaus verbreitet hat: Das Gipfelkreuz auf dem Scharfreiter bei Lenggries ist erneut von einem Unbekannten zerstört worden. Diesmal benutzte der Täter aber anscheinend keine Axt wie Ende August, sondern eine Säge. Das zumindest behauptet ein Wanderer, der am Freitagabend unserer Zeitung mitteilte, dass das Gipfelkreuz erneut umgelegt worden sei. Allerdings konnten zu diesem Zeitpunkt weder die Polizei noch der Alpenverein diese Hiobs-Botschaft bestätigen.

Deshalb schickte Schenk am Samstagmorgen Vorstands-Kollege Max Nichtl auf den 2102 Meter hohen Gipfel. Der Wart der Tölzer Hütte bestätigte am späten Samstagvormittag die Angaben des Wanderers, der anonym bleiben möchte. Ihm zufolge lag das Kreuz unter einer dünnen Schneedecke, als er am Freitagmittag auf dem Gipfel ankam. „Es muss also vor dem ersten Schneefall beschädigt worden sein“, mutmaßt der Münchner. Da der letzte Eintrag im Gipfelbuch auf den 1. November datiert ist, geht die Polizei davon aus, dass sich die Tat zwischen Allerheiligen und dem vergangenen Freitag ereignet hat.

Bereits vor rund zwei Wochen hatte sich abgezeichnet, dass mit dem neuen Gipfelkreuz nicht die erhoffte Ruhe auf dem Scharfreiter zurückgekehrt ist: Wanderer hatten damals eine mehrere Zentimeter tiefe Kerbe im Balken des neuen Kreuzes entdeckt, das 30 Mitglieder der Tölzer Alpenvereinssektion am 1. Oktober mühevoll auf den höchsten Isarwinkler Berg transportiert und aufgestellt hatten. Wie berichtet, stand das angesägte Kreuz aber noch und war nicht akut gefährdet. Dass der Täter oder ein Trittbrettfahrer dieses Werk nun vollendet hat, ärgert Schenk maßlos. „Das ist feige und ein Schlag ins Gesicht für alle Sektionsmitglieder und die, die sich sonst noch engagiert haben“, sagt Schenk unter anderem mit Blick auf die Tölzer Berufsschüler, die das neue Kreuz im Rahmen einer Projektgruppe gezimmert hatten.

Inzwischen ist die Kripo in den Fall eingeschaltet

Der Fall zieht inzwischen so große Kreise, dass sich die Kriminalpolizei Weilheim in die Ermittlungen eingeklinkt hat. Dabei sind die Beamten auf Hilfe aus der Bevölkerung angewiesen (Telefon: 08041/ 76 10 60). Denn laut Walter Lang von der Tölzer Polizeiinspektion gibt es noch keine Hinweise auf den Täter, lediglich eine sehr vage Beschreibung einer Privatperson, die sich bei der Polizei gemeldet hat: Der Betreffende will einen schwarz gekleideten jungen Mann zwischen 25 und 30 Jahren gesehen haben, der eine Säge oder ein Messer in der Hosentasche hatte. Wie das gehen soll, erschließt sich der Polizei nicht. Auch das Motiv ist unklar. Eine bereits viel diskutierte Möglichkeit wäre ein religiöser Hintergrund. Erwiesen ist bislang aber nichts.

Um weitere Fälle von Vandalismus zu vermeiden, gibt es Lang zufolge inzwischen sogar Überlegungen, eine Kamera auf dem Gipfel des Scharfreiters zu installieren. Das fordern auch zahlreiche Leser im Internet. „Es ist aber fraglich, ob die Aufnahmen rechtlich Bestand hätten“, gibt der Beamte zu bedenken. Zudem sei es schwierig, die Kamera auf dem baumlosen Gipfel zu verstecken. Entsprechend groß sei die Gefahr, dass der Täter kurzerhand zunächst die Kamera und erst dann das Kreuz zerstört. Ob eine Videoüberwachung tatsächlich eine Option wäre, vermag Paul Schenk noch nicht abzuschätzen. Auch, ob das Gipfelkreuz repariert werden kann oder erneut ersetzt wird, steht ihm zufolge noch in den Sternen. „Darüber werden wir in Kürze innerhalb des Alpenvereins diskutieren.“ Eines aber sei schon mal sicher: „Wir werden nicht klein beigeben.“

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