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Große Interpreten auf kleiner Bühne: Tenor Tilman Lichdi (li.) und Gitarrist Klaus Jäckle traten am Freitag im Tölzer Marionettentheater auf. 

Konzert im Marionettentheater 

Schuberts „Winterreise“ – beklemmend und zu Herzen gehend

Im kleinen Rahmen des Tölzer Marionettentheaters fand am Freitag ein Abend höchster Liedkunst statt. Der Tenor Tilman Lichdi und der Gitarrist Klaus Jäckle trugen Franz Schuberts „Winterreise“ vor – leider vor spärlich besetzten Zuschauerreihen.

Bad Tölz– Die „Winterreise“ ist schwere Kost. Die Gedichte von Wilhelm Müller und die Musik von Schubert aus dem Jahr 1827 führen die Zuhörer in emotionale Tiefen. „Schauerlich“ nannte Schubert selbst das Werk. Das lyrische Ich, der Reisende, malt sich beispielsweise in „Täuschung“ ein einladendes, beleuchtetes Haus aus, „und eine liebe Seel’ darin“. Die Strophe endet aber: „Nur Täuschung ist für mich Gewinn.“ Heutzutage, im Zeitalter der Fitness und Schönheit, stößt sich der Zuhörer auch am Vers: „dass mir’s vor meiner Jugend graut, wie weit noch bis zur Bahre?“.

Lichdis einfühlsame und packende Interpretation ging zu Herzen und verstärkte die düsteren Strophen. Ursprünglich für Klavierbegleitung komponiert, ist die „Winterreise“ mit Gitarrenbegleitung keine Seltenheit mehr. Jäckle verstärkte an vielen Stellen durch das hart Gezupfte die Bilder von Winterstarre und Kälte. An anderen Stellen begleitete er einfühlsam Lichdis warme Stimme.

Regelrecht beklemmend wirkte das Lied „Der Leiermann“. Darin steht ein Alter barfuß auf dem Eis, dreht die Leier und schwankt, „und sein kleiner Teller bleibt ihm immer leer“. Die erbärmliche Szene wurde verstärkt durch den beinah monoton wirkenden Gesang. Lichdi hielt stimmlich einen weiten Spannungsbogen, zu dem Jäckle die tiefen Saiten der Gitarre beharrlich anschlug, was wie eine Glocke wirkte. Der Applaus der Wenigen war am Ende lang und begeistert, einige gaben ihn stehend.

Einfach ist die Erklärung, wie das Duo nach Tölz fand. Eine Bekannte Jäckles vom Schliersee stellte den Kontakt her. Sie hatte im Marionettentheater das russische „Petersquartett“ gehört. „Wir suchen kleine Räume für unsere Auftritte mit der ,Winterreise‘“, erklärte Lichdi. Der Tenor war acht Jahre am Staatstheater Nürnberg engagiert, bevor er sich 2013 selbstständig machte. Er war bereits weltweit unterwegs, trat unter namhaften Dirigenten wie Ton Koopman, Kent Nagano oder Herbert Blomstedt als Solist auf. Jäckle studierte mit Auszeichnung am Salzburger Mozarteum und spielte unter anderem für Herbert von Karajan. Bleibt zu hoffen, dass das Duo wieder einmal in die Region kommt. Denn große Stimmen treten zum Glück nicht nur in großen Häusern auf. 

Birgit Botzenhart

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