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Beratende Gespräche stehen im Mittelpunkt der Arbeit der Tölzer Coaches Klaus Katzmayr (li.) und Hans-Georg Raasch. 

Tölzer Coaches

Ein Schubser für den Start ins Berufsleben

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Bad Tölz-Wolfratshausen – Tölzer Coaches leisten ehrenamtlich etliche Stunden, um Jugendliche zu vermitteln. Immer häufiger unterstützen sie auch junge Flüchtlinge.

Sie greifen jungen Menschen unter die Arme, die Hilfe beim Berufseinstieg benötigen. Dabei gibt es für die Tölzer Coaches viele Hindernisse zu überwinden. Aber es sind die Erfolgsgeschichten, die für alles entschädigen.

Im persönlichen Gespräch haben die Tölzer Coaches schon vielen jungen Leuten geholfen, die sich beim Einstieg ins Berufsleben schwer getan haben. „Gerade eben habe ich die Nummer 536 vergeben“, sagt Klaus Katzmayr (71). So vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben die Coaches bislang ihre Hilfe angeboten.

Immer häufiger unterstützen sie auch junge Flüchtlinge dabei, einen Weg ins Berufsleben zu finden. Einer davon ist Kuflom Gebrebrhan. Wie berichtet, arbeitet der junge Eritreer im Brauneck-Hotel in Lenggries. Er begann mit einem Praktikum und erarbeitete sich eine Ausbildungsstelle. Dr. Hans-Georg Raasch, sein Mentor von Anfang an, steht ihm weiterhin zur Seite. „Wir haben erst kürzlich darüber gesprochen, was ein Berichtsheft ist und wie es zu führen ist“, sagt der 70-Jährige. Raasch betreut derzeit sieben Flüchtlinge. „Wir Coaches versuchen, sie in Berufe hineinzubekommen.“

Dies gelang auch bei einem anderen Mann. Dieser hat in Eritrea als CNC-Dreher gearbeitet. Bei „Hawe“ in Sachsenkam bekam er die Möglichkeit, ein Praktikum zu machen (wir berichteten). „Im Anschluss daran haben wir viele Bewerbungen geschrieben“, sagt Raasch. Für den Erfolg, dass der 38-Jährige nun eine Arbeitsstelle hat, war schließlich ausschlaggebend, dass er bereit war, seine Ansprüche herunterzuschrauben. „Ihm war es wichtig, seine Familie selbst versorgen zu können“, sagt Raasch. Dafür nahm er nun ein Jobangebot an, das nicht vollständig mit seiner eigentlichen Qualifikation übereinstimmt.

Raasch versucht derzeit einen weiteren jungen Flüchtling unterzubringen. Dieser arbeitet eigentlich als Hilfskoch, soll nun aber eventuell in einen Metallerberuf wechseln. Flexibel zu sein, erhöhe die Chancen.

Von ähnlichen Erlebnissen kann auch Klaus Katzmayr (71) berichten, der vor allem die Tölzer Betriebe lobt: „Die spielen sehr gut mit.“ Beispielsweise, als er versuchte, einem jungen Afghanen, der ohne Ausweispapiere nach Deutschland gekommen war, ein Praktikum zu vermitteln. „Wir haben dann eine Inforunde durch verschiedene Betriebe gemacht.“

Immer wieder stehen die Coaches vor Herausforderungen: Etwa wenn Wünsche nicht erfüllbar sind. Dies betreffe Flüchtlinge und Einheimische gleichermaßen. „Es gibt manche, die treten fordernd auf“, sagt Raasch. Da sei es dann schwierig zu vermitteln, warum der Hauptschulabgänger mit mäßigen Noten wohl eher kein Arzt werden könne.

Zu Beginn einer Zusammenarbeit stellen die Coaches klare Spielregeln auf. Dazu gehört das Einhalten von Terminen. Funktioniert es nicht, zeigen die Coaches die Gelbe Karte. Nach drei Ermahnungen wird die Zusammenarbeit aufgekündigt. Passiert ist dies etwa bei einem jungen Syrer, der eine Lehrstelle hatte. Er blieb unentschuldigt von der Arbeit fern, hielt Termine mit den Coaches nicht ein, hatte schlechte Noten in der Schule. „Ohne Disziplin geht es eben nicht“, sagt Raasch.

Die meisten Leute, die die Hilfe der Coaches in Anspruch nehmen, hätten aber Respekt vor ihnen. „Wir haben einen gewissen Opa-Bonus, bei uns spuren sie“, sagt Raasch lachend. Die negativen Erfahrungen bleiben glücklicherweise in der Minderheit. Meistens lassen sich die jungen Leute helfen. Manche Jugendliche würden einfach „ein bisschen einen Schubser brauchen“, sagt Raasch. Den geben die Coaches gerne und leisten ehrenamtlich unzählige Stunden. Raasch und Katzmayr loben die Zusammenarbeit mit den Behörden. „Sie machen alles, im Rahmen ihrer Möglichkeiten“, so Katzmayr.

Ob die jungen Leute aus Syrien, Eritrea, Gaißach oder Bad Tölz kommen: Am ehesten bekommen sie Probleme mit dem theoretischen Teil der Ausbildung in der Berufsschule. „Deshalb würden wir es begrüßen, wenn man sich mehr auf das Praktische konzentrieren würde“, sagt Raasch. Oft seien die Formulierungen beispielsweise von Mathe-Aufgaben in sehr komplizierter Sprache verfasst. „Damit tun sich schon deutsche Kinder schwer“, so Raasch. Und erst recht Flüchtlinge, die gerade erst im Begriff sind, die neue Sprache zu lernen.

Ihre Arbeit halte sie jung, sagen Katzmayr und Raasch. Vor allem die positiven Erlebnisse. So freute sich Katzmayer erst kürzlich über den Anruf eines früheren Schützlings, der nach anfänglichen Schwierigkeiten einen festen Beruf gefunden hat und sich nun, fast vier Jahre später, mit ihm treffen wollte mit den Worten: „Unser Ratsch geht mir ab.“

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