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Stühle hoch und raus hier: Hitzefrei gibt es allerdings gar nicht so oft

Trotz tropischer Temperaturen

Schulen geben kaum noch Hitzefrei

Die Betreuung und die Beförderung müssen gewährleistet sein, deshalb gibt es für Schüler kaum noch Hitzefrei. Manche Einrichtungen verlegen den Unterricht deshalb auch schon mal ins Freibad oder den Wald.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Jammern darf man über das sommerliche Wetter eigentlich nicht. Für die Schüler, die trotz der Hitze über ihren Büchern büffeln müssen, ist das manchmal gar nicht so einfach. Hitzefrei wünschen sich da viele. Vom Kultusministerium gibt es hierzu keine klare Regelung. Die Entscheidung, ob und wann den Schülern frei gegeben wird, trifft alleine die Schulleitung.

An der Montessori-Schule in Bad Tölz hat man eine ganz besondere Lösung gefunden: „Wir gehen mit den Kindern ins Freibad oder in den Wald“, erzählt Geschäftsführerin Annette Weber. „Wir arbeiten weiter, und für alle ist es so erträglicher.“ Auf diesem Weg werden die Kinder weiterhin betreut und die Eltern müssen sich keine Gedanken darüber machen, wo sie ihren Nachwuchs unterbringen, wenn der früher nach Hause kommt.

Manchmal entfällt der Nachmittagsunterricht

Genau aus diesem Grund gibt es an der Grund- und Mittelschule in Gaißach generell nur nachmittags Hitzefrei – wenn überhaupt. „Vor allem für die Grundschüler, die nur vormittags Unterricht haben, müssen wir eine Betreuung gewährleisten“, erklärt Schulleiterin Ute Hübner. Am Nachmittag dürfen die älteren Kinder aber öfters früher Schluss machen. Entschieden wird je nach Temperatur in den Klassenzimmern. „Unsere Fenster sind nach Süden ausgerichtet, da heizen sich die Räume schon auf“, betont Hübner.

Ein wichtiger Aspekt, weswegen Hitzefrei inzwischen eher die Ausnahme darstellt, ist die Beförderung nach Hause. Busse könne man nicht so einfach außerplanmäßig organisieren. Hübner: „Wenn die Kinder aber am Nachmittag keinen Unterricht mehr haben, fahren sie einfach ganz normal mit dem Ein-Uhr-Bus.“

Generell kein Hitzefrei gibt es am Gymnasium Schloss Hohenburg in Lenggries. „Hinter den dicken alten Mauern ist es auch im Sommer gut auszuhalten“, sagt Schulleiter Christoph Beck. Acht gibt er auf seine Mädchen natürlich trotzdem: „Vor allem im Sportunterricht gibt es Alternativen, wie diesen an den Weiher zu verlegen.“ Und auch die Ozonwerte überprüft Beck täglich, um Gefahrenwerte nicht zu übersehen. Außerdem wird vom gesamten Kollegium darauf geachtet, dass die Schülerinnen genügend Trinken.

Neue Sonnenblenden an der FOS/BOS

An der FOS/BOS Bad Tölz dürfen sich die Schüler sogar den kühlsten Raum aussuchen, nachdem die 12. und 13. Jahrgangsstufen das Schuljahr beendet haben, berichtet Schulleiterin Maria-Anna Grimm. „Außerdem haben wir erst kürzlich neue Sonnenverblendungen vom Landratsamt bekommen.“ Grundsätzlich gibt es an der FOS/BOS kein Hitzefrei.

Laut Grimm wäre es auch nicht gerecht, einem Teil der Schüler frei zu geben, während sich ein anderer Teil im Praktikum befindet, von dem die Jugendlichen nicht früher gehen dürfen. „Wir würden ein falsches Gefühl vom beruflichen Leben vermitteln. Dort bekommt man nämlich auch nicht frei.“ Dem stimmt Montessori-Geschäftsführerin Annette Weber zu: „Wo bekommt man im späteren Leben noch mal Hitzefrei?“

Eine Antwort darauf hat Josef Bichler, Schulleiter der Berufsschule Bad Tölz: nirgends. Aber auch er hat eine Lösung für die heißen Tage: „Wir versuchen, mit mehr Pausen zu überbrücken.“

Tamara Scheid und Tobias Gmach

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