Sind mit dem Baufortschritt zufrieden: Lebenshilfe-Geschäftsführer Franz Gulder sowie die Vorstände des Lebenshilfevereins Bernd Angermann und Prof. Martin Lechner. Foto: Pröhl

Von-Rothmund-Schule

Lebenshilfe-Neubau: Umgezogen wird im Februar

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Bad Tölz – Es ist nicht so, dass Franz Gulder als Chef einer gemeinnützigen GmbH mit 299 Mitarbeitern nicht genug zu tun hätte. Trotzdem betreut der Lebenshilfe-Geschäftsführer quasi nebenbei noch verschiedene Bauprojekt. Das größte wird derzeit an der Bairawieser Straße verwirklicht: der Neubau der Von-Rothmund-Schule.

„Wir sind sehr froh, dass wir einen Geschäftsführer haben, dessen Hobby bauen ist“, scherzte Prof. Martin Lechner, Vorsitzender des 435 Mitglieder zählenden Lebenshilfe-Vereins bei einem Pressetermin. Die Lebenshilfe kümmert sich um geistig und schwerst mehrfach behinderte Menschen.

Wenn alles klappt, erfolgt der Einzug in die neue Schule im Februar 2017. „Ursprünglich hatten wir dieses Jahr Weihnachten angepeilt“, sagt Gulder. Allerdings galt es bis zum Baubeginn einige Hürden zu nehmen. Beispielsweise stellte sich erst relativ spät heraus, dass das Oberflächenwasser nicht einfach in den Kanal eingeleitet werden kann, weil der diese Menge nicht aufnehmen könnte. Ein Entwässerungskonzept für das gesamte Areal musste her: Nun wird der Regen in einem Rückhaltebecken gespeichert. Auch das begrünte Flachdach wird einiges aufnehmen können. Die Planung brauchte allerdings Zeit. „Auch das feuchte Wetter hat uns vier Wochen gekostet“, sagte Gulder. Dazu komme, dass die Baufirmen volle Auftragsbücher haben. „Wir könnten schneller bauen, aber dann wird es teurer. Oder wir bauen langsamer – und bleiben im Budget.“

Letzteres ist wichtig, schließlich kostet die neue Schule 6,4 Millionen Euro plus 600 000 Euro für die Ausstattung. 90 Prozent gibt es von der Regierung von Oberbayern, den Rest muss die Lebenshilfe aufbringen – aus Mieteinnahmen und Spenden.

Apropos Mieten: Seitdem im vergangenen Jahr ein Gebäude an der Tölzer Schützenstraße gekauft wurde, befinden sich alle Wohnplätze der Lebenshilfe in eigenen Immobilien. Das heißt, sobald die zwei Millionen Euro teure Sanierung des Hauses an der Schützenstraße abgeschlossen ist. Die Pizzeria im Erdgeschoss bleibe übrigens erhalten, wie Lechner betont.

Bei der Schule ist derweil schon zu erkennen, dass sie ein Schmuckstück wird. Die Fassaden werden komplett verglast – genauso wie die Fronten der sieben Klassenzimmer mit Nebenräumen. Die große Aula erhält ein Glasdach. Der entsprechende Sonnenschutz wird dafür sorgen, dass es niemandem zu heiß wird. Außerdem sind alle Räume mit einer automatischen Lüftungsanlage ausgestattet. Großzügig gehalten sind die Werkräume. Das ist wichtig, schließlich sollen sich später ja auch Kinder im Rollstuhl dort gut bewegen können. Die alte Schule nebenan wird nach dem Umzug und nach einer Sanierung als Heilpädagogische Tagesstätte genutzt. Für den Weiterbetrieb als Schule wären die Brandschutzauflagen nicht zu erfüllen gewesen, so Gulder,

Aber ist es in Zeiten von Inklusion und Bundesteilhabegesetz überhaupt noch zeitgemäß, eine Schule für behinderte Kinder zu bauen? Lechner hat dazu eine klare Meinung. „Behinderte Menschen haben ein Recht auf Teilhabe. Aber sie haben auch ein Recht auf Schutz und Fürsorge.“ Es gehe darum, für jeden einzelnen das richtige Angebot zu finden. „Bei einer Zwangsinklusion gibt es keine Wahlfreiheit mehr“, sagte Lechner. Aber genau diese Freiheit bleibe gewährleistet durch Angebote wie die Von-Rothmund-Schule. „All unsere Einrichtungen sind inklusionsorientiert. Aber es gibt eine Vielfalt an Behinderungen. Und deshalb brauchen wir unterschiedliche Angebote.“

Auch das Bundesteilhabegesetz sieht der Vereinsvorstand mit großer Skepsis. Hier werde nicht zwischen körperlich und geistig Behinderten unterschieden, erläuterte Lechners Stellvertreter Bernd Angermann. Der Gesetzesentwurf gehe davon aus, dass jeder behinderte Mensch in der Lage ist, sein Leben selbst zu regeln. „Aber das überfordert die meisten Menschen, die wir betreuen“, sagt Lechner.

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