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Schulleiter üben Kritik

G8 oder G9: „Das gibt ein großes Durcheinander“

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Bad Tölz/Lenggries – Gymnasien sollen ab 2018 selbst entscheiden: Acht oder neun Jahre zum Abitur. Die Schulleiter im südlichen Landkreis üben Kritik.

Gut zehn Jahre nachdem das G8 an den bayerischen Gymnasien eingeführt wurde, stehen erneut Änderungen des Schulsystems an. Laut Kultusminister Ludwig Spaenle sollen ab 2018 G8 und G9 parallel existieren – und die Schulen sollen selbst entscheiden, was sie anbieten.

Harald Vorleuter kann das nicht verstehen. „Es geht hier um eine Grundsatzentscheidung, G8 oder G9. Und die sollte die Politik fällen“, sagt der Schulleiter des Tölzer Gabriel-von-Seidl-Gymnasiums. Er habe nichts gegen ein „gut gemachtes G9 mit vielen differenzierten Möglichkeiten“. Aber es sei fraglich, ob ein neunjähriges Gymnasium im internationalen Vergleich von Vorteil sei.

„Das G9 hat Auswirkungen auf die Volkswirtschaft. Darauf, wie schnell die jungen Leute in den Arbeitsprozess kommen.“ Durch die Kritik, die am G8 laut geworden sei, gebe es nun diese Kompromisslösung. „Und wir Schulleiter sollen die Verantwortung übernehmen.“

G8 oder G9, das sei keine Entscheidung, die der Schulleiter von seinem Schreibtisch aus treffe, sagt Christoph Beck vom St.-Ursula-Gymnasium Hohenburg. „Ich werde Meinungen der Lehrer, Eltern und Schüler einholen. Wir müssen die Gesamtsituation betrachten.“

Ohnehin sei das Staatsministerium für Bildung verantwortlich. Wenn jede Schule selbst entscheidet, „schafft das ein Ungleichgewicht in Bayern“. Wenn die Eltern umziehen, finde der Schüler im neuen Wohnort andere Bedingungen vor. „Ich denke, da ist noch nicht alles durch.“ Eines ist für Beck sicher: Am St.-Ursula-Gymnasium möchte er G8 und G9 nicht gleichzeitig. „Das gibt ein großes Durcheinander.“

Auch Harald Vorleuter sieht das problematisch. Das Tölzer Gymnasium biete derzeit viele verschiedene Zweige an: Musisch, naturwissenschaftlich, sprachlich. Darunter gibt es weitere Differenzierungen: Etwa einen eigenen Zug, der Geschichte bilingual lernt. „Über diese Möglichkeiten soll jetzt das G8/G9-Grundmodell gelegt werden.“ Bei gleicher Personalzuweisung sei das nicht zu stemmen. Man könne nicht mehr auf alle Begabungen der Schüler eingehen. Die Pädagogik sei jetzt viel weiter als noch zu G9-Zeiten. „Es geht darum, die vielen Talente der Schüler auszureizen, ihnen Spielwiesen zu ermöglichen. So erhalten wir hochflexible Personen. Das ist der Fokus.“

Die anfängliche Kritik am G8, die Schüler hätten durch den vermehrten Nachmittagsunterricht zu wenig Freizeit, werde von den Gymnasiasten nicht so empfunden. „Ich habe damals die Schülersprecher befragt, ob wir eine Podiumsdiskussion zum Thema Stress machen sollten. Sie haben abgewinkt, gesagt, das sei nicht nötig.“ Gerade in diesem Schuljahr hätten die Schüler erneut neben ihrem normalen Schulprogramm wieder Theater, Orchester und viele weitere Projekte gestemmt. „Das ist der beste Beweis: Unsere Schüler wollen das leisten, man muss sie nur entsprechend fördern – egal ob im G8 oder G9.“

Christoph Beck hat sich ebenfalls mit Schülerinnen unterhalten. „Warum soll ich ein Jahr länger machen, ich schaffe das doch auch in acht Jahren“, habe er als Antwort bekommen. Außerdem seien die Abiturergebnisse mit dem G8 besser geworden. Beck will nun die Erfahrungen aus den Projektschulen abwarten. 

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