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Apotheken-Sprecher Christopher Hummel ergreift viele Maßnahmen. 

Corona 

So kommen wir durch die Krise

Viele Geschäftsleute im Landkreis schützen sich und ihre Kunden - soweit es geht - vor dem Coronavirus. 

Bad Tölz-Wolfratshausen Seit Mittwoch dürfen in ganz Bayern nur noch die Geschäfte geöffnet bleiben, die für die Grundversorgung der Bevölkerung unverzichtbar sind. Der Tölzer Kurier hat sich bei einigen Betreibern umgehört, um zu erfahren, wie sie in Zeiten der Coronakrise mit dem Publikumsverkehr umgehen.

Sabine Maiß aus dem Tölzer Kasladen. 

Wer den Tölzer Kasladen in der Marktstraße besucht, wird schon an der Eingangstür von einem großen Hinweisschild begrüßt: „Liebe Kunden, bitte warten Sie mit dem Eintreten, bis der vorherige Kunde den Laden verlassen hat.“ Wie Mitarbeiterin Sabine Maiß erklärt, war das Schild eine Idee der Ladeninhaberin Susanne Hofmann. Sie wolle damit sichergehen, dass das Risiko einer Ansteckung für Kunden und Mitarbeiter reduziert wird, da der Verkaufsraum doch recht klein sei. „Viele unserer Kunden finden das vorbildlich“, erklärt Maiß. Außerdem stehe an der Kasse ein Desinfektionsmittel, das auch von den Kunden benutzt werden dürfe. „Nach jedem Kontakt mit Ware oder Geld wasche ich mir außerdem die Hände“, sagt die Verkäuferin. „Aber Hygiene wird bei uns seit jeher groß geschrieben.“

Nach jedem Kontakt mit Ware oder Geld werden Hände gewaschen 

Eine ähnliche Regelung hat Juniorchef Florian Meier für seine Bäckerei in Reichersbeuern gefunden: Den Verkaufsraum dürfen ab sofort nur noch maximal fünf Kunden gleichzeitig betreten. Außerdem werden keine fremden Behältnisse mehr akzeptiert, wie zum Beispiel Tragetaschen oder Tupperdosen. „Das ist für uns ein Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme“, erklärt Meier. Außerdem würden die Temperaturen jetzt eh milder und da könne man schon ganz gut kurz vor der Türe warten. Die eigenen Mitarbeiter seien derweil angehalten, immer frische Handschuhe zu benutzen und alle Flächen regelmäßig zu desinfizieren. „In unserer offenen Backstube ist das unumgänglich“, sagt der Bäcker. Für die kommenden Tage plant Meier die Produktion auf feste Zweierteams zu vergeben. „So fällt im Infektionsfall nicht der ganze Betrieb aus, da diese zwei Mitarbeiter nur untereinander Kontakt haben.“

„Unter der Woche verteilt sich der Kundenandrang“ 

Für Rudi Kramer von der Metzgerei Kramer in Bichl hat die momentane Lage noch keine großen Veränderungen im Betriebsablauf gebracht. „Unter der Woche verteilt sich der Kundenandrang“, so der Metzgermeister. In den Stoßzeiten am Freitag und Samstag habe er aber den Ablauf hinter der Theke verändert, erzählt Kramer. „Dann bedient nur noch eine Mitarbeiterin die Kasse. Ständige Desinfektion ist natürlich Pflicht.“ Als fast autark arbeitender Handwerksbetrieb, sieht Kramer seine Metzgerei für die kommenden Wochen gut gerüstet: „Sollten irgendwann alle Lieferketten ausfallen und sogar der Diesel knapp werden, spann ich meine Pferde ein und hole die Schlachttiere einfach wie vor hundert Jahren ab.“

Thekenbereiche mit Plexiglas abgegrenzt, Abstandskreuze auf dem Boden

Apothekensprecher Christopher Hummel ist derweil wütend: „Wir werden von der Politik völlig im Stich gelassen.“ Für all die Betriebe und Einrichtungen, die jetzt noch offen seien, gebe es keine klaren Anweisungen. Der Tipp, sich regelmäßig die Hände zu waschen, sei allein nicht sehr hilfreich, denn das sei ja selbstverständlich. Also hat sich Hummel für seine beiden Apotheken in Bad Heilbrunn und Gaißach einfach selbst etwas einfallen lassen: Der Thekenbereich ist jetzt mit Plexiglas abgegrenzt. „Das haben uns die Italiener vorgemacht“, erklärt er. „Gestern hat die Apothekerkammer noch gesagt, man könne meinen Vorschlag so nicht weiterleiten, heute schlagen sie ihn selber vor.“ Aber auch die Sicherheit seiner Kunden hat der Apotheker im Blick: „Ich werde auf den Boden Abstandskreuze kleben, um für genug Sicherheitsabstand zu sorgen, und die Eltern bitte ich, keine Kinder mit in die Apotheke zu bringen“, erzählt er. Am Eingang steht schon jetzt ein Spender mit Desinfektionsmittel für alle Kunden.

Arndt Pröhl 

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