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Die Zahl der Wildschweine im Landkreis wächst. Das ist mit einigen Problemen verbu nden. 

Schwarzwild breitet sich aus

Wo sich Wildschweine sauwohl fühlen

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Die Begegnung mit einem Wildschwein kann gefährlich werden – wie jüngst ein Autounfall in Reichersbeuern zeigte. Auch wegen Schäden in der Landwirtschaft und der drohenden Schweinepest sind jetzt die Jäger gefragt.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Für den Golf-Fahrer kam es völlig unerwartet: Auf der B 13 bei Reichersbeuern lief einem Erdinger (46) am Neujahrstag ein Wildschwein vors Auto. Der Zusammenstoß endete für den Keiler tödlich, der Pkw musste abgeschleppt werden (wir berichteten).

Wie viele Wildschweine in der Gegend unterwegs sind, ist nicht erfasst. Die Zunahme der Population lässt sich aber an den Abschusszahlen im Landkreis ablesen. Laut Landratsamt-Sprecherin Marlis Peischer waren es 2012 noch 23 abgeschossene Tiere. 2015 stieg die Zahl sprunghaft auf 66 an, 2016 waren es 64 Stück Schwarzwild. Für das Jagdjahr 2017 liegen keine Zahlen vor, da es noch bis 31. März dauert.

Wolfgang Morlang, Vorsitzender des Kreisjagdverbands, erinnert sich, dass es vor zehn Jahren überhaupt keine Schwarzwild-Abschüsse im Landkreis gab. Heute sind ihm auf der rechten Isarseite zwischen Gaißach, Greiling und Reichersbeuern, bei Bad Heilbrunn und in den Loisachmooren Populationen bekannt.

Warum sich das Schwarzwild so ausbreitet, ist Morlang zufolge umstritten. Ein Faktor: Früher habe die Natur in einem Drei- bis Fünf-Jahres-Rhythmus ein reiches Nahrungsangebot an Bucheckern und Eicheln geboten. Diese Abstände seien heute kürzer – was mit dem Klimawandel zusammenhängen könne. Zudem finden die Wildschweine in vielen Gegenden – allerdings nicht im Landkreis – auf den sich ausbreitenden Äckern mit Mais und bestimmten Rübensorten ein größeres Futterangebot.

Für Probleme sorgen die Wildschweine, weil sie Schäden in der Landwirtschaft anrichten – andernorts auf Maisfeldern, „und bei uns, indem sie Wiesen umdrehen, weil sie im Boden nach eiweißhaltigen Engerlingen suchen“, erklärt Morlang. Die Jagdpächter müssen häufig für die Schäden aufkommen. „Es lässt sich meist so regeln, dass man die Wiese wieder herrichtet und neu einsät“, sagt Morlang. „Aber auch da wird durchaus Geld in die Hand genommen.“

Im Tölzer Landratsamt gab es schon einmal einen Runden Tisch zum Thema Wildschweine – ein weiterer ist bereits anberaumt, auch aus aktuellem Anlass: die Angst, dass die Afrikanische Schweinepest bald Deutschland erreichen könnte. Falls das Virus auf Hausschweine übergreift, müssten ganze Bestände gekeult werden.

Daher sind aktuell die Jäger gefragt, die Ausbreitung der Wildschweine als potenzielle Überträger zu bremsen. „Ausrotten können und wollen wir die Wildschweine nicht“, sagt Morlang. Auch das Schwarzwild gehöre schließlich zur Natur. Es gehe darum, die Bestände in einer „vernünftigen“ Größe zu halten.

Der Kreisjagdverband hat sich auf die relativ neue Aufgabe eingestellt. „Wir fördern die Anschaffung sautauglicher Hunde“, sagt der Vorsitzende. 500 Euro gebe es für die Anschaffung, zweimal 250 Euro für verschiedene Stufen der Ausbildung. Zudem gebe es im Kreisjagdverband eine Art „Eingreiftruppe“: eine lose Gruppe von Jägern, die kurzfristig zur Verfügung stehen, um an einem gemeinsamen Ansitz oder einer Drückjagd teilzunehmen.

Die Schwarzwild-Jagd ist laut Morlang „extrem anspruchsvoll“ – auch weil die Keiler „wirklich böse“ werden und zum Angriff übergehen können. Vorsicht ist auch für Spaziergänger geboten, die in die Nähe einer Sau kommen. „Ein Muttertier kann zur Verteidigung ihres Wurfs sehr rabiat werden.“ Doch eine Begegnung mit Wildschweinen in freier Natur sei eher unwahrscheinlich. „Normal ziehen sie sich zurück, die wollen mit Menschen nichts zu tun haben.“

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