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„Wenn ich es schaffe, dann in der Heimat“: Die Wiedereinwanderer Eli und Heinrich E. streben einen Neustart an.

Wiedereinwanderer

Der schwierige Weg zurück in die Heimat

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In Spanien haben sie alles alles verloren: Wie ein Ehepaar versucht, in Bad Tölz Fuß zu fassen - und vor Problemen steht.

Bad Tölz– „Fremd in der Heimat“: So fühlt sich dieser Tage Heinrich E. 25 Jahre hat er in Spanien gelebt, am Sonntag ist der 63-Jährige in Bad Tölz angekommen. Hier, wo ihm zufolge sein Großvater früher ein Sägewerk besaß, will E. nach einer wirtschaftlichen Bauchlandung an der Costa del Sol wieder Fuß fassen. Doch er muss feststellen: Das ist gar nicht so einfach. Vorerst sind er und seine Frau Eli (53) quasi obdachlos.

„Ich hatte in Spanien ein gutes Unternehmen“, blickt E. zurück. Gepflegt, gut gekleidet, eloquent, Sonnenbrille und Armbanduhr: Rein äußerlich wirkte der 63-Jährige noch immer wie ein erfolgreicher Geschäftsmann. Doch er muss eingestehen: „Wir haben alles verloren – und wenn ich sage alles, heißt das alles.“ Er sei im Bereich Projekt- und Grundstücksentwicklung sowie Hotelplanung tätig gewesen, berichtet er. „Dann kam die Finanzkrise, und das Kartenhaus brach zusammen.“ Von einem „ziemlich ordentlichen Dasein“ sei er letztlich in die Obdachlosigkeit abgerutscht.

Erst drei Tage ist es her, seit E. und seine in Brasilien geborene Frau Eli Spanien verlassen haben. Eine echte Anlaufstelle in Deutschland hatten sie nicht – E. verfiel auf den Herkunftsort seiner Familie, Bad Tölz. „Ich dachte: Am ehesten schaffe ich es in der Heimat.“ Vorerst quartierte sich das Ehepaar in einem Hotel ein.

Schon am Montag erlebten die Ehrls die erste Ernüchterung: Als sich das Ehepaar im Tölzer Rathaus anmelden wollte, war dies nicht möglich, weil es keine feste Adresse angeben konnte. „Dann sind wir zum Jobcenter gegangen“, schildert E. „Doch da sagte man uns, dass man uns gerne helfen würde, aber das gehe nur, wenn wir angemeldet sind.“ Einen Antrag auf Hartz IV zu stellen, ist E. unter anderem deshalb wichtig, weil davon die Krankenversicherung abhängt. Jetzt wisse er nicht recht weiter. „Es ist, als ob ich als Person nicht existieren würde“, sagt er konsterniert.

Wie Andreas Baumann, Chef des Tölzer Jobcenters, auf Anfrage erklärt, gibt es allerdings durchaus Möglichkeiten, dass die E.s Unterstützung bekommen. Ihm zufolge ist eine Meldebescheinigung vom Einwohnermeldeamt nicht unbedingt nötig, um Hilfe vom Jobcenter zu bekommen. „Das geht auch mit einem anderen Nachweis, dass er hier in Bad Tölz vorhanden ist“, sagt Baumann. Dazu komme etwa die Hotelrechnung in Frage oder auch eine Bescheinigung, dass er bei der Caritas in Bad Tölz als Obdachloser gemeldet ist. In diesem Fall erhalte er auch einen Tagessatz von 11 bis 12 Euro, und er bekomme einen Platz in einer Notunterkunft angeboten. In Bad Tölz steht dafür das Haus Emmaus zur Verfügung.

Ein Zimmer für sich und seine Frau, Existenzsicherung und Krankenversicherung: Wenn er das für den Anfang habe, dann ist sich E. trotz der Startschwierigkeiten sicher: „Ich schwimme mich schon wieder frei.“

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