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Viel Glück hatte der kleine Goodluck aus Nigeria. Der Bub ergatterte in der Lenggrieser „Isarwelle“ einen der raren Schwimmkurs-Plätze. Bademeister Wolfgang Anderl kümmerte sich um das Kind.

Hohe Nachfrage, geringes Angebot

Schwimmen lernen schwer gemacht

Bad Tölz-Wolfratshausen - Die Meldungen über Flüchtlinge, die hierzulande beim Baden ertrinken, reißen nicht ab. Aber auch immer mehr einheimische Kinder können nicht schwimmen. Umso schwerer fällt ins Gewicht, dass es im Landkreis zu wenige Plätze in Schwimmkursen gibt.

Ein Glückspilz ist, wer sechs Richtige im Lotto hat, wer im WM-Finale das Siegtor schießt – oder wer im Landkreis einen Platz in einem Schwimmkurs ergattert. „Wir wissen, dass der Bedarf um ein Vielfaches höher ist als das Angebot“, sagt Wolfgang Hofmann, Vorsitzender der Tölzer Wasserwacht. Die Anmeldelisten sind unendlich lang, eine monatelange Wartezeit ist der Normalfall.

Entspannt ist die Lage nur bei den Kindern, die in den Wackersberger oder die fünf Tölzer Kindergärten gehen. Sie haben einen Platz im Schwimmkurs sicher, wenn sie teilnehmen wollen – und das sogar kostenfrei. „Da gibt es eine Zusage der Stadt“, sagt Reinhard Oberleitner, Leiter der Tölzer Freizeit-Betriebe. Jugendliche, Erwachsene und Auswärtige haben es da schon deutlich schwerer.

Durch die Flüchtlings-Situation ist der Bedarf an Schwimmkursen noch größer geworden, als er ohnehin schon war. Diese Erfahrung machte die Gaißacherin Gabi Kitterle, die neun Asylbewerber betreut. Sie versuchte, für die Gruppe freie Plätze zu finden: „Die Auskunft war, dass bis auf Weiteres alle ausgebucht sind.“ Sie gibt zu: „Das hat mich schon schockiert.“

Nur durch Zufall schaffte es Kitterle, wenigstens einen fünfjährigen Nigerianer in Lenggries unterbringen – weil ein anderes Kind erkrankt war. Die Aufgabe, ihm das Schwimmen beizubringen, erwies sich für den Bademeister als äußerst schwierig: „Der kleine Nigerianer war durch die Fahrt übers Mittelmeer völlig traumatisiert und hatte mehr Angst vor dem Wasser als alle anderen.“ Es dauerte eine Woche, bis der Bub es wagte, sich wenigstens auf das Schwimmbrett zu legen: „Der Bademeister hat das ganz süß gemacht“, sagt Kitterle. „Großen Respekt für seine Geduld.“ Einem weiteren Asylbewerber gab Kitterle selbst Schwimm-Unterricht. „Aber wir haben unmöglich Zeit, das mit allen neun zu machen.“

Die Gaißacherin sieht große Probleme heraufziehen, wenn es im Sommer alle ans Wasser zieht: „Es kann so viel passieren, und die Wasserwacht kann nicht alle Leute rausziehen. Es wäre bitter, wenn die Flüchtlinge die riskante Fahrt übers Mittelmeer schaffen und dann im Walchensee ertrinken.“

Manuela Köppling , die mit ihrem Mann gewerblich Schwimmkurse in Bad Tölz und Holzkirchen anbietet, bestätigt die Probleme: „Es gibt Bedarf en masse, aber wir können ihn nicht annähernd abdecken.“ Die Bademeister würden Kurse anbieten, aber es gebe kaum noch geeignete Bäder: „Erlebnisbäder eignen sich nicht dafür.“ Um die wenigen freien Flächen konkurrieren viele Interessenten – von den Schulsportlern über die Vereine bis hin zu Aquagymnastik-Kursen: „Die Bäder sind so intensiv belegt, dass es keine freien Zeiten mehr gibt.“ Erschwerend komme hinzu, dass das Tölzer Hallenbad über die Sommermonate oft geschlossen hat. Ein Freibad könne die Probleme nicht lösen, sagt Köppling: „Wegen des unsicheren Wetters geht es nicht, dass wir in die Eichmühle ausweichen. Außerdem müsste es da ein Trainingsbecken geben.“

Besserung ist nicht in Sicht, sind sich die Betroffenen einig. Von den Schulen könne man nicht erwarten, dass sie den Kindern das Schwimmen beibringen, sagt Köppling: „Ein Lehrer steht mit 15 Kindern da. Wenn fünf nicht schwimmen können – was soll er dann machen?“

Auch der Wasserwacht sind die Hände gebunden. Zusätzliche Schwimmkurse scheitern am fehlenden Personal, erläutert Wolfgang Hofmann: „Die Kindergärten wünschen sich natürlich, dass wir Kurse während der Öffnungszeiten anbieten. Aber das können wir nicht, weil bei uns alle berufstätig sind.“

Patrick Staar

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