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So idyllisch die Isar auch aussieht: Sie ist ein Wildfluss und birgt viele Gefahren. Das Bild zeigt den neuen Isar-Kanal in Lenggries, der gerne zum Baden genutzt wird. 

Nach tragischen Badeunfällen

Schwimmer dürfen die Isar niemals unterschätzen

Bad Tölz-Wolfratshausen –Die Isar ist ein gefährlicher Wildfluss. Die tragischen Badeunfälle werfen die Frage auf, ob Menschen dies unterschätzen.

Der Tod eines 15-jährigen Geretsrieders am vergangenen Wochenende in der Isar sorgt im Landkreis für große Betroffenheit – zumal nur wenige Tage zuvor ein 16-jähriger Flüchtling aus Afghanistan in der Pupplinger Au bei Wolfratshausen in dem Fluss untergegangen war (wir haben berichtet). Und Anfang des Monats kamen zwei syrische Kinder bei einem Badeunfall an der Loisach gerade noch mit dem Leben davon. Diese Häufung an tragischen Unglücksfällen wirft die Frage auf: Unterschätzen die Menschen die Isar und die Loisach?

Ingo Roeske sagt ja. Die Isar sei einfach ein Wildfluss, bei dem es auch ohne Hochwasser mehr als genug Gefahrenstellen gebe, betont der technische Leiter der Kreiswasserwacht. Die Regenfälle der vergangenen Tage reichten zum Beispiel aus, dass Teile der Böschung samt ganzen Bäumen abbrächen. Dann lägen die Stämme quer im Wasser. „Die starke Strömung des Flusses drückt Schwimmer wie Boote unter solche Hindernisse“, erklärt Roeske. Menschen, die wie die drei Flüchtlingskinder gar nicht oder nur unzureichend schwimmen können, haben vor diesem Hintergrund keine Chance.

Selbst erfahrene Schwimmer wie die Einsatzkräfte der Wasserwacht werden zum Teil noch von der Gewalt der Isar überrascht. Roeske erzählt von seinen Kollegen, die in Booten nachts nach dem jüngsten Todesopfer gesucht hatten. „Das war wegen der Strömung und der Hindernisse eine große Herausforderung, selbst für die erfahrenen Retter“, so der technische Leiter.

Es sind aber nicht nur die unerfahrenen Schwimmer, sondern auch die Wagemutigen, die ihr Leben zum Beispiel durch halsbrecherische Sprünge von Brücken aufs Spiel setzen. Wolfgang Hofmann, Vorsitzender der Tölzer Wasserwacht, hat schon oft davon gehört, dass Menschen vom Tölzer Fußgängersteg in die Isar springen. „Ich kann es keinem empfehlen, das zu tun“, warnt Hofmann. „Unter Brücken können sich Hindernisse befinden.“ Er appelliert an den gesunden Menschenverstand: „Durch einen Wildfluss schwimmt man nicht einfach mal so durch.“ Wer in einem See oder in einem Fluss baden wolle, der müsse mit Gefahren rechnen. „Selbst wenn das Wasser nur bis zu den Knien geht, kann man stolpern und von der Strömung mitgezogen werden.“

Der Kochler Gemeinderat Jens Müller beobachtete Jugendliche, die von der fünf Meter hohen Brücke am Ortsausgang Richtung Schlehdorf in die Loisach sprangen. „Ich habe sie auch einmal angesprochen, und sie versicherten mir, dass sie genau wüssten, wo sie runterspringen könnten“, berichtet Müller. Er sprach dieses Thema im Gemeinderat an, ohne eine für ihn ausreichende Antwort zu bekommen. Denn verbieten könne die Gemeinde das nicht. „Früher oder später passiert was, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.“

Vor diesem Hintergrund setzt die Wasserwacht auf Prävention. Roeske und seine Kollegen haben ihr Programm heuer bereits an vier Kindergärten im Nordlandkreis und der Waldramer Grundschule vorgestellt. „Für diese Programme müssen wir Ehrenamtlichen aber Urlaub nehmen“, schildert Roeske die unbefriedigende Situation. Deshalb appelliert er an die Eltern, ihre Kinder auf mögliche Gefahren hinzuweisen. Und Hofmann ergänzt: Solange der gesunde Menschenverstand walte, sei gegen den Aufenthalt an einem Wildfluss nichts einzuwenden. 

Birgit Botzenhart

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