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Simulation der künftigen Tölzer Nordumfahrung: Damit werde nur noch mehr Verkehr angezogen und die Probleme auf die umliegenden Gemeinden verlagert, sagen die Bürgerinitiativen. 

Sechs Bürgerinitiativen

Gemeinsame Verkehrslösungen fürs Oberland: „Wir sind keine ökologischen Traumtänzer“

Es geht nur gemeinsam. Das ist die Überzeugung von sechs Bürgerinitiativen aus dem Oberland. Gemeinsam wollen sie Verkehrslösungen finden.

Bad Tölz– Das Beispiel Nordspange kommt Lars Hülsmann gerade recht. Auch in Tölz werde wie so oft eine isolierte Umgehungsstraßen-Planung für einen Ort erstellt. „Das zieht noch mehr Verkehr an. Auf die Auswirkungen für die anderen Gemeinden rundherum im Oberland hat keiner geschaut.“

Genau das ist ein Ansatzpunkt für die neugegründete „Oberland-Initiative für Ökologie & Verkehr“, die sich aus folgenden sechs Bürger-Gruppierungen in den Landkreisen Miesbach und Weilheim-Schongau zusammensetzt: die Bürgerinitiative (BI) „Entlastung der B472, Einklang von Umwelt & Verkehr im Oberland“ aus Waakirchen, die „Bürgervereinigung gegen die geplante Umgehungsstraße Holzkirchen“, die BI „Stop Südumgehung“ aus Holzkirchen, die BI „Hartpenning muckt auf“, die BI „Liebens- und lebenswertes Holzkirchen“ sowie die BI „Heimat 2030“ aus Weilheim.

Auch die Tölzer Nordspangen-Gegner sollen in diesen Tagen kontaktiert werden. „Wir haben uns erst vor Kurzem zusammengeschlossen“, erklärt Hülsmann als einer der Sprecher der Initiative. „Wir sind offen für neue Partner.“

In einem Brief an den neuen Bayerischen Verkehrsminister Hans Reichhart stellt sich die neue Initiative vor und präsentiert ihre Kernforderungen: Zum Beispiel ein ganzheitliches Verkehrs- und Mobilitätskonzept fürs Oberland. Das sei, so erklärt der Waakirchner Hülsmann auf Nachfrage schon deshalb unabdingbar notwendig, weil „wir nunmal in einer Region leben, die weiteren Zuwachs und Verkehr aushalten muss.“ Die Einzelmaßnahmen der Kommunen seien allenfalls punktuell wirksam und sorgten für Flächenversiegelungen und Zerstörung wertvoller Natur. Umweltschonende Tunnellösungen würden „reflexhaft als zu teuer verworfen“, steht in dem Brief an den Minister.

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 Lars Hülsmann legt Wert auf die Feststellung, „dass wir keine ökologischen Traumtänzer sind“, doch sei es dringend nötig, das Thema Verkehr gedanklich auf eine neue Ebene zu stellen. Faktoren wie Umweltzerstörung und Luftverschmutzung würden viel zu wenig oder gar nicht bei Umgehungsstraßen-Planungen und ihren langfristigen Kosten berücksichtigt.

Womit die zweite wichtige Forderung in dem Schreiben an den Minister in den Mittelpunkt rückt. Die Initiative ist der Überzeugung, dass die Politik gerade im Oberland sehr viel mehr als bisher auf den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) setzen muss. Und zwar schnell. Wenn man wolle, dass der ÖPNV attraktiv werde, dürfe man ihn eben nicht als reinen Kostenblock sehen, wie das in den meisten Landkreisen geschehe. Vom Minister erwartet man da Denkanstöße von oben an die Landräte, dass etwa Busverbindungen nicht gestrichen, sondern erweitert werden. Der Münchner MVV habe mit seiner jüngsten Tarifreform schon den richtigen Weg beschritten.

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„Seit Jahren reden wir über den Halbstundentakt der BOB und die Elektrifizierung“, nennt Hülsmann weitere Punkte auf der Agenda. Ihm ist wichtig , dass sich die Initiative nicht als Gegner der Landräte und Politik vor Ort versteht. „Wir wollen gemeinsam Lösungen finden.“

Das Strukturgutachten, das jüngst beim Planungsverband der Region Oberland, vorgestellt wurden, ist nach Hülsmanns Ansicht durchaus „ein richtiger erster Schritt“. Aber es fehle eine Priorisierung. Von einem Handlungskonzept sei man „noch meilenweit entfernt“.

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 Hat der neuen Verkehrsminister Reichhart schon auf das Schreiben der Initiative und der Bitte um ein Treffen geantwortet? „Nein“, sagt Hülsmann, sieht das aber entspannt. „Es wäre schön, wenn wir vor Weihnachten noch eine Reaktion bekämen. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren.“

Von Christoph Schnitzer

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