Sandra Freudenberg
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Auch im Winter gerne unterwegs: Buchautorin Sandra Freudenberg aus Bad Tölz.

„In den Bergen lebt die Freiheit“

Zu den geheimen Rückzugsorten von König Ludwig II.

Die Tölzer Autorin Sandra Freudenberg wandert in ihrem neuen Buch auf den Spuren von Ludwig II. Den „Kini“ bezeichnet sie als häufig missverstandene Figur.

Bad Tölz – Die Rückzugsorte des Märchenkönigs in den Bergen? Da fallen fast jedem Bergfreund die Herzogstandhäuser, das Königshaus am Schachen oder der Altlacher Hochkopf ein, wo Ludwig II. seinem Lieblingskomponisten Richard Wagner zwölf „unbeschreiblich schöne“ Erholungstage in seiner Königshütte ermöglichte.

Sie alle werden im neuen Buch von Sandra Freudenberg natürlich gebührend gewürdigt. Die Tölzerin ist bekannt als Organisatorin des Bayerischen Outdoor-Filmfestivals und hat nun im Knesebeck-Verlag ihre drittes Werk vorgelegt: „In den Bergen lebt die Freiheit“, heißt es und beschreibt – so der Untertitel –das „Wandern auf den Spuren von König Ludwig II.“.

Königlicher Berg: der Hohe Grasberg. Weit darunter schlängelt sich die Isar in Richtung Vorderriß.

Zwölf Touren zu königlichen Hütten hat die begeisterte Berggeherin für das Buch beschrieben. Eigentlich, so erzählt sie, hat sie im Karwendel und Wetterstein in den vergangenen fünf Jahren 19 Hütten und Almen ausfindig gemacht, wo der Märchenkönig geweilt und Spuren hinterlassen hat.

Für ihr Buch hat Sandra Freudenberg viele Geschichten ausgegraben

Dass Ludwig II. vor allem als Schlössererbauer und -bewohner im Bewusstsein der Menschen weiterlebt, ist nach Ansicht Freudenbergs „ein großes Missverständnis“. Der Wittelsbacher sei ein ausgeprägter Naturfreund gewesen, der auch der Landbevölkerung, den Bauern und Almleuten sehr zugetan gewesen sei. In der Begegnung mit ihnen habe sich Ludwig als einer von ihnen verstanden. Die 50-jährige Buchautorin zitiert Ludwig Thomas Erinnerung an ein Treffen mit dem König in der Kapelle von Vorderriß. Im nebenstehenden Jagdhaus „fühlte er sich wohl und suchte nichts als Stille und Abgeschiedenheit“. Gleichwohl ließ er auf der Wiese vor dem Haus Kabinettssitzungen abhalten. Zumindest der junge König hielt auf Arbeitsdisziplin.

„Der Ahorn hält Wacht.“: Die einsam gelegene Max-Ruh-Hütte, die heute vom Forst genutzt wird.

Viele Geschichten hat Sandra Freudenberg für ihr Wander- und Historienbuch ausgegraben und dafür nicht nur die Archive besucht, sondern auch die Einheimischen befragt. So kam sie zum Beispiel auf die Geschichte von dem kleinen Pool, der vor dem Königshaus in Vorderriß wohl mal existiert hat. Der Lenggrieser Paul Schwarzenberger, dessen Urahn schon für das Königshaus am Herzogstand baute, hat ihn entdeckt und der Autorin davon erzählt. „Mir gefällt diese Vorstellung sehr. König Ludwig badend auf diesem erhabenen Stück Erde.“ Schwarzenberger restaurierte Königs- und Forsthaus einst.

Rückzugsorte von Ludwig II. sind oft kaum bekannt

Sandra Freudenberg beschreibt nicht nur die Hütten, Almen und die Wanderungen. Jedem ihrer zwölf Kapitel fügt sie eine ausführliche Tourenbeschreibung mit Varianten und Tipps bei. Das ist auch nötig. Viele der königlichen Rückzugsorte sind gar nicht oder kaum bekannt und erst nach längerem Anmarsch oder Anfahrt mit dem Radl erreichbar. So führt zum Beispiel die „absolute Lieblingswanderung“ Freudenbergs vom Parkplatz Ochsensitz zur sogenannten Max Ruh, wo heute eine abgelegene und vergessene Ludwigs-Hütte dem Forst als Unterkunft dient. Ein geradezu „spiritueller Ort“, schwärmt die Autorin. Von Max Ruh stiegen Freudenberg und ihr Fotograf zur Grasbergalm und Leining-Hütte auf. „Schönere Almflächen“ habe sie nie gesehen, schreibt die Autorin.

Ein Manko hat das inhaltlich schön konzipierte Buch: Das Papier, das der Knesebeck-Verlag für den Druck wählte, fasst sich angenehm an, wird aber den sorgfältig ausgearbeiteten Bildern von Fotograf Stefan Rosenboom nicht immer gerecht.

Das Buch

„In den Bergen lebt die Freiheit“, 192 Seiten, 120 Bilder. 30 Euro. ISBN-Nummer: 978-3-95728-429-7.

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