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Sepp van Hüllen starb im Alter von 79 Jahren. 

Nachruf

Sepp van Hüllen gestorben: Abschied von einem „echten  Charakter-Menschen“

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Beschrieben wird er als „Macher vom alten Schlag“. Der Stadt Bad Tölz bescherte Sepp van Hüllen aus Gaißach, der nun mit 79 Jahren gestorben ist, eine hochkarätige Klassikreihe.

Gaißach– Klassische Musik war immer ein Teil seines Lebens. Sie war für ihn nicht nur Ausgleich zu seinem sonstigen Tun, sondern wichtiger Lebensinhalt. Vor wenigen Tagen ist Sepp van Hüllen im Alter von 79 Jahren gestorben.

Sepp van Hüllen stammte aus einer Krefelder Unternehmerfamilie. Nach seinem Jura-Studium und einem Volontariat bei Mercedes, arbeitete er zunächst im Familienbetrieb. 1978 holte ihn die Firma Moralt nach Bad Tölz. Dort wickelte er die Übergabe der Firma ab und wechselte erneut zu Mercedes – wo er Mit-Geschäftsführer in der Schweiz wurde.

Sepp van Hüllen gestorben: „Er hatte einen sehr starken Willen“

„Wir hatten gerade in Gaißach gebaut“, sagt seine Frau Helgard van Hüllen. Da die beiden Söhne noch zur Schule gingen, blieb sie mit den Kindern im Isarwinkel. „Wir haben eine zeitlang eine Wochenend-Ehe geführt“, sagt Helgard van Hüllen. Als dann der ältere Sohn sein Abitur gemacht hatte, kam für Sepp van Hüllen das Angebot, nach Südafrika zu wechseln. Diesmal begleiteten ihn seine Frau und der jüngere Sohn. „Das war eine spannende Zeit“, erinnert sich Helgard van Hüllen, die dort an der Universität arbeitete. Danach zog Sepp van Hüllen erneut zurück in die Schweiz. 

Als er mit 63 Jahren in den Ruhestand ging, „haben wir uns nach langem Überlegen entschlossen, in Gaißach zu bleiben“. In ihren 53 Ehejahren hätten sie ihre Rollen immer wieder neu verteilt. Während seine Frau in Südafrika beruflich zurücksteckte, kümmerte sich Sepp van Hüllen in seinem Ruhestand ganz selbstverständlich auch um den Haushalt. „Er hatte die hervorragende Eigenschaft, dass er sich immer den Gegebenheiten angepasst hat.“ Im Ruhestand übernahm er ehrenamtlich den Posten des Beteiligungsmanagers im Landkreis und entdeckte ein Millionen-Loch bei den kommunalen Betrieben.

Vor zwölf Jahren dann begegnete van Hüllen Hansjörg Albrecht. „Wir haben uns im finnischen Kuhmo kennenlernte, wo er mich ansprach und wir in der Folge eine der herrlichen finnischen Sommernächte hindurch diskutierten und uns über Musik und Kunst austauschten“, sagt Albrecht. Die Folge: Die beiden Männer beschlossen, ein Orgelfestival in Bad Tölz ins Leben zu rufen. Es folgten zehn Jahre „Tölzer Orgelfesttage“ mit insgesamt 37 Konzerten, eingeschlossen einer Orgelnacht in der Franziskaner- und der Stadtpfarrkirche, einer Stummfilmvorführung mit Live-Improvisation sowie verschiedene Konzerte mit Chor und Orchester.

Orgelfesttage in Bad Tölz wären ohne Sepp van Hüllen nicht möglich gewesen

„Das alles wäre nicht möglich gewesen ohne Sepp van Hüllen“, sagt Albrecht. „Er war ein echter Charakter-Mensch, ein Macher vom alten Schlag und für ihn zählte nur höchste Qualität.“ So habe er sich auch in all den Jahren in großzügiger Weise an der Finanzierung der Veranstaltungen beteiligt, um internationale und hochkarätige Gäste aus insgesamt 13 Ländern nach Bad Tölz zu locken. Er war keiner, der nur zusah, sondern er brachte sich immer wieder aktiv und mit konkreten Vorschlägen in die Programmgestaltung ein. So war es ihm wichtig, dass in möglichst jedem Konzert zumindest ein unbekanntes oder ein zeitgenössisches Werk erklang. Speziell Orgelmusik von Johann Sebastian Bach und Olivier Messiaen war für ihn ein „Schlüssel zum Schauen der Ewigkeit“. Über das zum Teil relativ überschaubare Publikumsinteresse war er zwar alles andere als glücklich – dennoch blieb er sich bis zum Ende des Orgelfestivals im vergangenen Jahr treu.

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Neben dem Veranstalten von Konzerten war ihm auch die Förderung des musikalischen Nachwuchses ein großes Anliegen. So gab es beispielsweise ein Konzert mit Preisträgern der Münchner Musikhochschule und eine ausgedehnte Orgelstudienfahrt durch Bayern für Mitglieder der Meisterklasse der Gnessin Musik-Akademie Moskau. Für sein unermüdliches Wirken und Engagement wurde Sepp van Hüllen im vergangenen Jahr die Isar-Loisach-Medaille verliehen.

Trotz seiner schweren Krankheit habe er nie gejammert, sagt seine Frau Helgard van Hüllen. „Er hatte einen sehr starken Willen.“ Im März sei er operiert worden, habe sich davon sehr gut erholt. Kurz vor Ostern aber fühlte er sich auf einmal sehr schwach, wurde ins Krankenhaus gebracht. Dort schlief er in der Nacht zum Ostermontag friedlich ein.

Der Trauergottesdienst

ist am Freitag, 17. Mai, um 10 Uhr in der Gaißacher Pfarrkirche mit anschließender Urnenbeisetzung auf dem Friedhof.

Melina Staar/Hansjörg Albrecht

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