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Das war’s: „Sharing ist Caring“-Initiatorin Julia Kersten muss den Kühlschrank aufgeben.

Projekt „Sharing is caring“

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Die Euphorie hat sich gelegt, der Kühlschrank wird abgeschaltet: Das Projekt „Sharing is caring“, bei dem Menschen Lebensmittel austauschen konnten, die sie nicht mehr brauchen, ist (vorerst) beendet.

Bad Tölz – Manchmal sind die Augen einfach größer als der Magen: Jeder kauft mal zu viel ein oder bekommt Süßigkeiten geschenkt, die daheim aber nur im Schrank liegen. Für solche Fälle hat Julia Kersten aus Reichersbeuern einen Kühlschrank in Bad Tölz aufgestellt, in den jeder reinlegen kann, was er zu viel hat und rausnehmen kann, was er gebrauchen kann. Das Projekt stieß anfänglich auf Begeisterung. Inzwischen hat sich die Euphorie aber gelegt, und der Kühlschrank wurde kaum noch genutzt. Deswegen wird es ihn Ende des Monats nicht mehr geben.

 „Das Projekt hat sich nicht so entwickelt wie erhofft“, sagt die Initiatorin ernüchtert. Anfangs sei der Kühlschrank gut gefüllt gewesen, auch weil Biotop Oberland im Sommer regelmäßig übriges Gemüse gespendet hat. „Viele haben den Kühlschrank aber nicht zum Tauschen benutzt und es wurde nicht viel reingelegt“, so Kersten.

Den Standort für den Kühlschrank hatte Sebastian Sixt, Betreiber des Thaibox-Studios „Siam Gym“, zur Verfügung gestellt. Er übernahm auch die Stromkosten. Vergeblich – da der Kühlschrank zuletzt meist leer war. „Wir haben uns deshalb geeinigt, das Projekt erstmal auf Eis zu legen“, sagt Kersten. Es sei sehr schade, dass der Versuch in Bad Tölz nicht geklappt hat. „Alle fanden es toll, aber man muss halt auch was machen und nicht nur darüber reden“, meint Kersten.

Ganz begraben möchte die Reichersbeurerin „Sharing is caring“ aber nicht. Die dazugehörige Facebookgruppe bleibt noch bestehen. Vielleicht tauschen sich über diesen Weg weiter Menschen aus, die Lebensmittel übrig haben und sie nicht wegwerfen wollen.

Das war nämlich ursprünglich die Idee des Projekts. Die Initiatorin hatte in einer TV-Dokumentation gesehen, wie viel Essbares in Deutschland im Müll landet und war schockiert. Das regte sie nachhaltig zum Nachdenken an. Kersten will weiterhin so wenig Lebensmittel wie möglich wegwerfen. „Ich kaufe bewusst ein, koche Gemüse ein, wenn ich zu viel habe und gebe Lebensmittel Freunden oder Familie, wenn ich etwas nicht alleine aufbrauchen kann.“

Die „Sharing ist caring“-Gründerin hofft, dass das Projekt auch andere Menschen zum Umdenken angeregt hat – auch wenn der Kühlschrank nicht genutzt wurde. Und falls jemand die Patenschaft für den Kühlschrank übernehmen möchte, würde Kersten auch gerne nochmal einen Versuch starten, in der Hoffnung, dass er beim zweiten Mal besser angenommen wird.

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