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Auch ohne Uniform im Mittelpunkt: Der frühere Tölzer Polizeichef Bernhard Gigl (Mi.) mit Polizeipräsident Robert Kopp (l.) und Nachfolger Florian Benedikt. 

Verabschiedung von Polizeichef Bernhard Gigl 

„Das Sicherheitsgefühl im Isarwinkel ist schon noch vorhanden“

Mit einer Feierstunde ist der Tölzer Polizeichef Bernghard Gigl nach acht Dienstjahren in Tölz in den Ruhestand verabschiedet worden.

Bad Tölz – Bei seiner Verabschiedung hatte der Tölzer Polizeichef Bernhard Gigl noch einmal einen nach seinen Worten „ganz großen Ganoven“ dingfest gemacht. Stolz drückte der Opa bei diesen Worten den auf seinem Arm sitzenden Enkel Vincent (1). Der ist sonst offenbar ein rechter Wirbelwind, blickte angesichts der vielen Uniformierten aber etwas skeptisch drein. Nach acht Jahren im Amt wurde sein Großvater bei einer Feierstunde im Landratsamt in den Ruhestand verabschiedet und Nachfolger Florian Benedikt offiziell eingeführt.

Der Präsident des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Robert Kopp, zeichnete Gigls über vier Jahrzehnte andauernde Polizeilaufbahn nach und sagte ihm und seiner Frau Danke. Er nützte aber auch die Gelegenheit, die niedrige Straftatenzahl des Dienststellenbereichs hervorzuheben. Sie liege deutlich unter dem Bayern-Schnitt. Er wolle gar nicht von anderen Bundesländern reden. Mit Blick auf die Polizeidienststelle in der ehemaligen Flintkaserne erinnerte Kopp daran, dass die Amerikaner Tölz nicht umsonst zum zweitschönsten Standort weltweit gewählt hatten.

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Der Personalratsvorsitzende des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Wolfgang Ligotzky, hörte die Botschaft wohl. In einer amüsanten Filser’schen Rede erinnerte er die „Chefs“ und die Politik – Landtagsabgeordneter Florian Streibl war da – aber daran, dass 7000 Planstellen bei der Polizei in Bayern nicht besetzt sind. Bei der Inspektion Bad Tölz sind es, wie zu hören war, immerhin mehr als ein Dutzend „Papiertiger“.

Kein Wunder, dass Gigl in seinem Rückblick auf acht Leitungsjahre in Tölz auch daran erinnerte, dass man ohne Polizeipraktikanten manchmal „personell abgesoffen“ wäre. Aber er erkannte auch an, dass die Personalsituation in den Dienststellen entlang der bayerischen Grenze nach Österreich noch eine ganz andere sei. Gigl bestätigte rundheraus, dass das Sicherheitsgefühl im Isarwinkel schon noch vorhanden sei. Und das sei wichtig.

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Gigl habe nicht so leicht etwas aus der Fassung bringen können, hatte Landrat Josef Niedermaier gelobt und von einer großen Gemütsruhe gesprochen. Es gab auch Ausnahmen, wie Gigl in seinem Rückblick freimütig einräumte. Er sei im September 1980 nur rund 300 Meter vom Ort des Wiesn-Attentats entfernt gewesen und erinnere sich noch genau an die Blutleere im Hirn und das Nicht-verstehen-können, als er als junger Polizist die abgerissenen Gliedmaßen und riesigen Blutlachen gesehen habe. Als er vor Kurzem eine Fotoausstellung vom Attentat besucht habe, habe er auch nach so vielen Jahrzehnten ganz erstaunliche Reaktionen seines Körpers beobachten müssen. „Da bleibt einfach was. Man schaut halt, dass man damit umzugehen lernt.“

Der gebürtige Germeringer hat lange in München und vor Tölz bei der Autobahnpolizei Holzkirchen gearbeitet. 2011 übernahm er die PI Bad Tölz, die mit 585 Quadratkilometern einen der größten Dienstbereiche besitzt. Die PI ist für die Sicherheit von rund 43 000 Einwohnern zuständig. Als eine seiner „bittersten Erfahrungen“ in einer ansonsten sehr guten Tölzer Zeit bezeichnete Gigl die Beerdigungsansprache für einen Kollegen (Josef Gerg), der kurz vor dem Ruhestand einer schweren Krankheit erlegen war.

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Wie geht’s nun weiter in seinem Ruhestand? Robert Kopp hatte angedeutet, dass der 61-Jährige als Opa und als Jugendtrainer im Fußball und Basketball gefragt ist. Beim Hinausgehen verriet der Ruheständler aus Feldkirchen-Westerham noch ein weiteres Hobby. Er werde seine Fleischmann-Modelleisenbahn technisch auf Vordermann bringen.

Christoph Schnitzer

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