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Das fliegende Auge: Pilot Christian Herzog (li.) uns Luftbeobachter Günter Schneider waren am Donnerstag unterwegs und suchten aus der Luft nach Waldbränden.

Erkundungsflüge wegen Waldbrandgefahr

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Sie hatten in den vergangenen Tagen einen der wohl heißesten Arbeitsplätze im Landkreis: Der Pilot und der Luftbeobachter, die die Region auf mögliche Waldbrände abgesucht haben. Der Tölzer Kurier war bei einem Flug dabei.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Über den (an diesem Tag nicht existenten) Wolken ist nicht nur die Freiheit grenzenlos, sondern auch die Hitze. Die Sonne brennt durch die Kunststoffhaube der einmotorigen Propellermaschine und sorgt für schweißtreibende Temperaturen. Der Pilot und der Luftbeobachter neben ihm dürften an diesem Tag einen der heißesten Arbeitsplätze im Landkreis haben. Besser gesagt: über dem Landkreis. Sie sind im Auftrag der Regierung von Oberbayern unterwegs und suchen aus der Luft nach Feuern.

Die Waldbrandgefahr ist derzeit hoch. Warnstufe vier gilt am Donnerstag, „am Samstag könnte sie auch hier auf die höchste Stufe 5 steigen“, sagt Alexander Bauer vom Katastrophenschutz am Landratsamt. Auch er ist ausgebildeter Luftbeobachter. Heute verfolgt er aber gemeinsam mit seinem Chef Toni Stowasser das Ganze vom Boden aus.

Piloten arbeiten ehrenamtlich

Seit Dienstag wird vom Königsdorfer Segelflugplatz aus zu den Erkundungsflügen gestartet. Jeden Nachmittag hebt eine Maschine ab und fliegt eine genau festgelegte Strecke zwischen dem Starnberger See und dem Ebersberger Forst, zwischen der Stadtgrenze von München und dem Landkreis Rosenheim.

Die Welt von oben: die Osterseen und der Starnberger See glitzern in der Sonne.

Pilot der Robin DR 400 Remorqueur, die sonst zum Schleppen von Segelflugzeugen eingesetzt wird, ist heute Christian Herzog. Er ist Mitglied des Tölzer Flugsportvereins, dem die Maschine gehört, und fliegt seit zehn Jahren. Seit vier Jahren engagiert er sich wie neun andere Piloten bei der Luftrettungsstaffel. „Wir machen das ehrenamtlich, sammeln dafür aber Flugstunden“, sagt der 54-jährige Dietramszeller. Weil er sich als selbstständiger Immobilienmakler seine Zeit frei einteilen kann, übernimmt er oft die Nachmittagsflüge unter der Woche. „Ich halte aber eigentlich immer Ausschau, wenn ich fliege“, sagt Herzog.

Auf seiner Runde am Mittwoch gab es eine Schrecksekunde: An einer Stelle nahe des Flugplatzes entdeckten die Beobachter eine Rauchsäule. Die Integrierte Leitstelle wurde informiert, diese alarmierte die Polizei. Eine Streife vor Ort habe dann festgestellt, dass es sich um ein Daxnfeuer handelte. „Es war auch eine Person vor Ort, das konnte man aus der Luft nicht sehen“, erklärt Bauer.

Beim Flug am Donnerstag ist alles ruhig. „Mir ist es auch viel lieber, ich finde nichts“, sagt Herzog. Neben ihm im Flugzeug sitzt Günter Schneider (55). Der Mitarbeiter der Bayerischen Staatsforsten ist einer von fünf Luftbeobachtern, die am Stützpunkt Königsdorf im Einsatz sind. Vier weitere befänden sich gerade in Ausbildung, sagt Bauer. Dazu gehört ein einwöchiges Seminar an der Feuerwehrschule in Würzburg. „Wir versuchen, dass jeder mindestens einmal pro Jahr im Flugzeug sitzt“, erklärt Bauer. Bei den Übungsflügen müssen Aufgaben erfüllt werden. „Beispielsweise bekommen die Luftbeobachter von uns Koordinaten, zu denen sie die Piloten lotsen müssen“, ergänzt Stowasser.

Am Stützpunkt Königsdorf stehen fünf leistungsstarke Flugzeuge vom Typ Robin DR 400 für den Einsatz bereit.

Gerade beraten er und Bauer, ob es nicht mehr Sinn hätte, am Wochenende erst später zu starten. „Wir überlegen, erst ab 17 Uhr zu fliegen, weil sich die Freizeitaktivitäten eher in den Abend verlagern“, sagt Bauer und meint damit auch die zahlreichen Lagerfeuer, die Erholungssuchende immer wieder an der Isar entfachen. Diesen Samstag stehen zudem viele Johannifeuer an und vielleicht die eine oder andere Party von Schul-Absolventen. Er und Stowasser richten einen eindringlichen Appell an alle, möglichst kein offenes Feuer zu machen – schon gar nicht in der Nähe vom Wald. Aber auch eine achtlos weggeworfene Zigarettenkippe oder ein Auto mit heißem Katalysator, das auf einer trockenen Wiese abstellt wird, könne fatale Folgen haben.

Heute gibt es aus der Maschine glücklicherweise nichts zu melden, aber doch viel zu entdecken. Auf dem Starnberger See dümpeln einige Segelboote, die Berger Windräder drehen sich träge, und in der Isar, die sich wie ein glitzerndes Band durch die Landschaft schlängelt, sieht man Badende. 150 Meter ist die Mindestflughöhe. Meistens fliegt Herzog aber deutlich höher. „Da ist die Übersicht besser“, sagt Luftbeobachter Schneider. Ab und zu deutet er aus dem Fenster, um Herzog zu signalisieren, das er eine Stelle näher betrachten möchte. Für den Revierleiter der Staatsforsten bringen die Flüge einen Erkenntnisgewinn in vielerlei Hinsicht. „Wir sehen aus der Luft auch Borkenkäferbefall“, sagt er. Die Baumwipfel verfärben sich dann.

Auch am Samstag starteten die Luftbeobachter aus Königsdorf. Wie es danach weitergeht, werde man sehen, sagt Bauer. Geflogen wird, so lange die Waldbrandgefahr sehr hoch ist. Pilot Christian Herzog steht jedenfalls bereit. Und trotz der tropischen Temperaturen in dem kleinen Flugzeug sagt er: „O ja, ich genieße das.“

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