Jahreswechsel

Silvester-Böller: Gemeinden rufen zum Verzicht auf

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Während Baumärkte und Profi-Pyrotechniker an Silvester auf den großen Knall setzen, rufen manche Gemeinden zum Motto „Spenden statt Böller“ auf.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Das große Feuerwerk, das die Tölzer Tourist-Info Gästen und Einheimischen in der Silvesternacht bietet, kommt aus Franken. Seit 22 Jahren entwickelt die Ströbel Feuerwerk GmbH in Bad Windsheim für die Stadt immer neue Spektakel am Himmel. Der große Knall im historischen Kurpark erfolgt gediegen, versteht sich: „Da können wir nicht so rockig auftreten, sondern eher klassisch“, sagt Pyrotechniker Thomas Dähring. Ja, ein Musikfeuerwerk erwartet die Nachtschwärmer. Die Raketen aus den XXL-Batterien sind auf die Lieder abgestimmt, zu hören gibt es unter anderem die dramatische Orchester-Version des Songs „Chariots of Fire“ von Vangelis sowie die Trailermusik der US-Fantasy-Serie „Game of Thrones“.

Zwei Pyrotechniker reisen aus dem drei Autostunden entfernten Bad Windsheim nach Tölz – um dort erstmal vier Stunden die Musikanlage aufzubauen. Die Licht- und Sound-Show läuft dann aber vollautomatisch ab. Dähring: „Die Funkzündeanlage wird mit einem Knopfdruck gestartet und dauert zehn Minuten und dreißig Sekunden.“

65 Euro für 306 Schuss

Um es ordentlich krachen zu lassen, muss man kein Pyrotechniker sein. Der baumarkt „BayWa“ preist im Katalog zum Beispiel ein „Six-Pack“ mit 306 Schuss an. Preis: 65 Euro. Dominik Artmann hat das Silvester-Sortiment in der Tölzer „BayWa“ zum Verkaufsstart am gestrigen Donnerstag aufgebaut. „Wir haben drei Europaletten mit je 20 Kartons geliefert bekommen“, sagt er. 2016 habe man gut doppelt so viele Knaller in Empfang genommen. „Aber wir mussten zwei Paletten zurückschicken.“ Die Verkaufstage waren laut Artmann in den vergangenen Jahren immer extrem: „Jeder Zweite nimmt was mit. Man ist ständig am Nachfüllen.“

Dass Böller immer wieder unbedacht eingesetzt werden, bestätigt der Tölzer Hals-Nasen-Ohrenarzt Matthias Winter. Kurz nach Silvester habe er meist mehrere Patienten, die über einen Tinnitus oder Ohrenschmerzen klagen. „Am gefährlichsten sind unerwartete Knaller“, sagt Winter. Wer nicht mit dem Böller neben sich rechnet, kann sich auch nicht darauf einstellen. „Mit den Muskeln im Ohr kann man das Trommelfell anspannen und so den Knall dämpfen“, erklärt der Arzt. Bei einer überraschenden Explosion funktioniert das nicht. Im Gegenteil: Die Schallwellen würden direkt ins Innenohr weitergeleitet. Bei einem Hörproblem solle man sofort einen Arzt aufsuchen, sagt Winter: „Schon nach ein bis zwei Wochen kann sich ein Dauerschaden einstellen.“

Hier ist das Raketenabfeuern verboten

Polizeiinspektionen warnen jedes Jahr vor Böllern aus dem Ausland mit vielfacher Sprengkraft. Manchen Kommunen wäre es am liebsten, es würde überhaupt nicht geschossen. Von einem Feuerwerk bliebe nichts übrig außer Müll, schreibt die Gemeinde Lenggries in einer Pressemitteilung und ruft zu einer „nachhaltigen Alternative“ auf: einer Spende an eine der drei gemeindlichen Stiftungen. Genau wie die Gemeinde Kochel, die auf die örtlichen Vereine und soziale Initiativen verweist.

Unerwünscht ist das Raketenabfeuern in dicht bebauten Ortsteilen, schlichtweg verboten hat es die Stadt Bad Tölz in der Marktstraße, am Kalvarienberg, im Gries, am Kogel und am Ried. In ihrer Verordnung droht die Stadt mit einer Geldbuße von bis zu 50 000 Euro. Ein Knall-Verbot gibt es auch am Kloster in Benediktbeuern sowie im gesamten Ortskern der Gemeinde Schlehdorf.

Video:Glomex

Rubriklistenbild: © Hias Krinner

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