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In einem Drahtkäfig muss die „Professional Powerbox 1“ laut Gesetzgeber verpackt werden. Enrico und Silke Enzmann verkaufen sie in ihrem Geretsrieder Silvester-Geschäft.

Silvester

„Es braucht nichts Illegales für die große Show“

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Bad Tölz-Wolfratshausen – Beim Feuerwerk-Verkauf rückt das Thema Sicherheit in den Fokus: In der Tölzer Altstadt sind Raketen verboten, die Polizei warnt vor „Polen-Böllern“.

„Ich hätte den Pyrotechnik-Schein nie gemacht, wenn ich gewusst hätte, dass sowas mal frei erhältlich ist.“ Enrico Enzmann aus Königsdorf spricht von der „Professional Powerbox 1“. Auf seiner Internetseite bewirbt er sie als „gigantisches Komplettfeuerwerk“. In seinem Geretsrieder Silvester-Laden bekommt man die Box, die nach einmaligem Anzünden eineinhalb Minuten lang rote Goldpalmen und blaue Sterne in den Himmel schießt, für 125 Euro – und in einem Drahtkäfig verpackt. „Das schreibt der Gesetzgeber für den Transport vor“, sagt Enzmann.

144 Schuss in 90 Sekunden – für das große Finale wahlweise auch in 45: Zwei Kilo Effektmasse stecken in den fünf Batterien der Powerbox. Damit reizt sie die Grenze dessen aus, was der Normalverbraucher an Silvester und Neujahr in die Luft jagen darf. Enzmann, seit 15 Jahren begeisterter Feuerwerker, findet: „Man braucht nichts Illegales für die große Show.“

Die Polizei warnt jedes Jahr vor Krachern mit zu viel Schwarzpulver und zu kurzen Zündschnüren. Sie können Finger oder ganze Hände zerfetzen und werden oft „Polen-Böller“ genannt, sagt Anton Huber vom Polizeipräsidium Oberbayern-Süd, das auch für den Landkreis zuständig ist. „Oft tauchen nicht geprüfte Feuerwerkskörper auf, über die man keine Kontrolle hat – vor allem aus Osteuropa.“ Wer sie besitzt oder abbrennt, dem drohe eine Geldstrafe von bis zu 50 000 Euro. Erlaubt seien nur Produkte mit dem europaeinheitlichen CE-Zeichen oder einer BAM-Zulassung. BAM ist das Kürzel der Bundesanstalt für Materialforschung, die deutschlandweit Knaller jeglicher Art prüft. Feuerwerke sind in Deutschland kategorisiert. Verkaufsübliches fällt in die Kategorien 1 und 2, für die Klassen 3 und 4 braucht es eine Behörden-Erlaubnis.

Achtung bei starkem Wind und in der Nähe von Dächern

Verbote gibt es aber auch für legale Raketen: Die Stadt Bad Tölz untersagt das Schießen am Kalvarienberg, am Kogel, am Ried, im Gries und in der Marktstraße – wegen der dichten Bebauung und der leicht brennbaren Christkindlmarkt-Buden. „Bei starkem Wind muss man aufpassen. Und zu Dächern oder Balkonen muss unbedingt Abstand gehalten werden“, warnt Kreisbrandinspektor Hermann John. Er hat vor Jahren schon Brände an Silvester miterlebt – am Dachstuhl des „Fischhaber-Hauses“ an der Isarbrücke (heute unter anderem „Kaminstube“) und mehrmals am Hang des Kalvarienbergs.

Sollte tatsächlich ein Flächenbrand ausbrechen, seien die Feuerwehren gerüstet. „Es gibt keine extra organisierten Bereitschaften. Aber die Leute haben genug Verantwortungsbewusstsein, jederzeit fahrtauglich und einsatzbereit zu sein“, sagt John.

Enrico Enzmann beugt vor, damit mit seinen „Cake-Boxen“ keine Unfälle passieren. Jeder, der bei ihm an der Geretsrieder Blumenstraße ein Produkt erwirbt, bekommt eine Liste mit 18 Sicherheitstipps. Der häufigste Fehler von Laien-Feuerwerkern passiere beim Abstellen der Batterien. „Eine geteerte Straße ist ideal. Oft stellen die Leute die Boxen aber einfach auf eine holprige Wiese.“ Umfallen sei vorprogrammiert, zumal der erste Schuss zu einer starken Erschütterung führt. Der Gesetzgeber schreibt einen Mindestabstand von acht Metern zu den Geschossen vor. Enzmann reicht das nicht. „Wer direkt unter den Raketen steht, bekommt Genickstarre – und die Effekte sind aus größerer Entfernung einfach schöner.“ Zu 20 bis 40 Metern rät der Königsdorfer.

Überhaupt nicht in Feuerwerk-Nähe sollten Hundebesitzer mit ihren Tieren kommen, sagt Hans Fichtner, Leiter des Tölzer Tierheims. „Hunde hören acht- bis zehnmal so gut wie Menschen. Sie rennen dann blind los und wissen nicht mehr, wohin.“

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