Johannes Tien, Hotel-Investor
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Johannes Tien, Hotel-Investor

Investor im Interview

„Bergeblick“-Investor Tien: Geplante Hotels an der Bockschützstraße keine Konkurrenz

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Jahrelang geschah nichts, nun kommt Bewegung in gleich drei Hotel-Projekte in Bad Tölz: Zwei Ketten und ein privates Hotel möchten in Kürze bauen und eröffnen. Was sagt Investor Johannes Tien, der „Bergeblick“ errichten möchte, zu den anderen Projekten?

Bad Tölz – Läuft alles nach Plan, sollen an der Tölzer Bockschützstraße 2025 zwei neue Hotels unter den Markennamen „Mercure“ und „Ibis budget“ mit zusammen 240 Zimmern eröffnen. Das Betreiberkonzept wurde vergangene Woche im Tölzer Stadtrat vorgestellt. Nur ein paar 100 Meter Luftlinie entfernt, auf der Wackersberger Höhe, plant Investor Johannes Tien gerade ebenfalls ein Hotel.

Für das „Bergeblick“ mit 42 Zimmern soll noch heuer Baubeginn sein, die Eröffnung ist für Frühjahr 2023 angepeilt. Bei der Vorstellung des Konzepts für die Bockschützstraße saß der Wackersberger als Zuhörer in der Stadtratssitzung. Wie geht er mit dieser Konkurrenz in der Nachbarschaft um? Dazu befragte ihn Redakteur Andreas Steppan.

Herr Tien, mit welchen Gefühlen schauen Sie als Hotel-Investor darauf, dass in der Nähe ein weiteres großes Hotelprojekt entsteht?

Wir wussten natürlich von Anfang an davon, die Vorstellung im Stadtrat war da sozusagen nur eine Auffrischung für mich. Aber es war sehr beeindruckend, was die drei Herrschaften vom Projektentwickler, vom Betreiber und vom Markengeber zum Besten gegeben haben. Das ist schon sehr professionell. Deswegen sind wir froh, dass wir unser Hotel nicht in der Stadt, nicht im Badeteil, sondern außerhalb bauen. Hätten wir unser Hotel zum Beispiel direkt daneben an der Bockschützstraße geplant, dann wäre das für unser Projekt äußerst kritisch. Dann könnten wir gegen so einen Konzern nicht ankommen. So aber können wir bei uns das Thema Natur noch mehr schärfen und damit unser Profil und unsere Daseinsberechtigung herausarbeiten.

Zum Beispiel wie?

Etwa indem wir den Ansatz verfolgen, dass ein Wellnessbereich in die Natur integriert und nicht im Keller angesiedelt wird. Oder nehmen wir als kleines, unbedeutendes, aber aktuelles Beispiel aus der Planung, dass wir einen Löschwasserteich anlegen müssen. Hier reicht es uns nicht, dass es einfach ein Tümpel ist, sondern er soll mit etwas Besonderem wie etwa einem Wasserfall geplant werden. Wir wollen zeigen, dass wir ein Privathotel sind, das seinen Gästen besondere Erlebnisse bieten möchte, kein Kettenhotel. Das lebt von Kreativität, davon, dass wir nichts anbieten, was es von der Stange gibt.

Sehen Sie die Hotels an der Bockschützstraße als direkte Konkurrenz?

Wir werden dadurch bei Buchungsplattformen wie booking.com wohl für Bad Tölz nicht mehr an ganz vorderster Stelle gelistet sein. Das ist ein gewisser Wettbewerbsnachteil. Das müssen wir durch Qualität ausgleichen. Wovon ich bei der Vorstellung des Betreiberkonzepts für „Mercure“ und „Ibis“ gar nichts gehört habe, ist deren Zimmerpreis. Ich gehe aber davon aus, dass wir 100 Euro drüber liegen werden. Das ist unser Vorteil.

Klingt paradox. Wie meinen Sie das?

Wenn wir mit ähnlichen Preisen arbeiten würden, dann wären wir vergleichbar. So aber ist klar, dass wir ein anderes Selbstverständnis pflegen und eine ganz andere Zielgruppe ansprechen. Wer für 50 bis 80 Euro ein Zimmer im „Mercure“ oder „Ibis“ nimmt, wird wahrscheinlich nur kurz bleiben. Wir hingegen setzen auf den Erholungssuchenden, der möglichst eine oder zwei Wochen bleibt. Ihm geben wir ein Programm an die Hand, das er umsetzen kann, aber nicht muss. Ich habe auch gerade mit einem Profisportler über ein mögliches Sportprogramm, outdoor wie indoor, gesprochen. So entwickeln wir Alleinstellungsmerkmale – übrigens auch gegenüber dem Raum Tegernsee.

Man sagt, dass Konkurrenz das Geschäft belebt. Sehen Sie unter diesem Gesichtspunkt die Hotelpläne an der Bockschützstraße vielleicht sogar positiv für den Standort Tölz?

Ich glaube nicht, dass wir von diesen beiden Hotels profitieren. Wir müssen unsere eigene Konjunktur mit unserer eigenen Zielgruppe schaffen. Was ich allerdings glaube, ist: Wenn „Mercure“ und „Ibis“in Tölz erfolgreich sind, wird es das vierte oder gar fünfte weitere Hotel in der Stadt geben, weil sich andere Ketten daran orientieren.

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