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Stellten das Programm vor (v.li.): Barbara Schmidt-Gaden, Anselm Sibig und Susanne Frey-Allgaier.

Knabenchor feiert 60-jähriges Bestehen

Vom Singkreis zum weltbekannten Ensemble

Bad Tölz – 2016 feiert der Tölzer Knabenchor sein 60-jähriges Bestehen. Das wird natürlich groß gefeiert – beim Chorfestival im April und mit einem Sonderkonzert Ende Januar. Gestern wurde das Programm vorgestellt.

Ein Fotoalbum, in rotes Leder gebunden, dokumentiert die Anfänge des Tölzer Knabenchors anno 1956. Zahlreiche Bilder, ausgeschnittene Zeitungstexte und handgeschriebene Notizen füllen die Seiten. Ein gewisser Gerhard Schmidt, damals 18 Jahre alt und noch Oberstufen-Schüler, scharte musikbegeisterte Buben und junge Männer um sich und bat sie jeden Samstag zur Probe in den Tölzer Pfarrsaal. Zuerst nannte man sich „Singkreis Bad Tölz im Kreisjugendring“, erst im März 1957 erfolgte die Umbenennung in „Tölzer Knabenchor“. Das Repertoire bestand anfangs aus Volks- und Wanderliedern, gesungen von 13 Knaben- und sieben Männerstimmen.

60 Jahre später gehört der Tölzer Knabenchor zu den besten und bekanntesten Chören Deutschlands, genießt international ein hohes Ansehen und ist das große musikalische Aushängeschild der Stadt. Professor Gerhard Schmidt-Gaden (78) arbeitete unter anderem mit Carl Orff, Herbert von Karajan, August Everding und Nikolaus Harnoncourt zusammen. Heute singen 184 Knaben (darunter zwei aus Bad Tölz und mehrere aus der unmittelbaren Region) in vier Chören. Die Engagements führen sie derzeit an alle großen Opernhäuser in Deutschland, zurzeit auch nach London und Barcelona, sowie auf Tourneen nach Asien. In diesen Tagen ist das Management wieder auf Talentsuche an den Tölzer Schulen unterwegs.

Barbara Schmidt-Gaden blätterte gestern beim Pressegespräch im Tölzer Kurhaus mit leuchtenden Augen durch dieses rote Lederalbum, das das Lebenswerk ihrer Eltern von der ersten Stunde an festhält.

Das 60-jährige Bestehen des Chores jährt sich im Januar. Deshalb wird am Freitag, 29. Januar 2016, um 19.30 Uhr ein großes Festkonzert in der Stadtpfarrkirche stattfinden. „Wenn es die Gesundheit meines Vaters erlaubt, wird er selbst am Pult stehen“, sagt seine Tochter. Aufgeführt werden die Bach-Motetten – für diese Vokalmusik ist der Chor weltbekannt.

Vom 31. März bis zum 3. April findet dann das dritte Knabenchor-Festival in der Kurstadt statt. Zu Gast sind heuer „The Children’s Choirs of the London Oratory“ aus Großbritannien und „Les petits chanteurs à la croix de bois“ aus Paris. Beide Chöre sind auch auf sakrale Musik spezialisiert. Wie schon beim Festival zuvor, werden auch 2016 zu Beginn öffentliche Platzkonzerte in der Marktstraße stattfinden. Dann folgen drei Konzerte (Freitagabend und Samstag). Am Sonntag werden Gottesdienste von den Chören gestaltet, und am Nachmittag wird im Kurhaus erstmals ein 60-minütiger Dokumentarfilm über den Chor gezeigt.

Überregional und im Ausland wird das Festival schon gut wahrgenommen. Allein, der Vorverkauf im Tölzer Land könnte besser laufen. Knabenchor und Tourist-Info wollen auch deshalb die Werbung professionalisieren. Deshalb gibt es ab 2016 ein neues Erscheinungsbild und Logo, das auf alle Plakate gedruckt wird. Es handelt sich um vier bunte Wellenlinien, die zugleich die Grundfarben des Tölzer Logos sind. „Die Linienfarben präsentieren die Stadt und die drei Chöre“, erklärt Knabenchor-Konzertmanager Anselm Sibig. Die Wellenform soll lange, schwebende Töne in allen Lautstärken symbolisieren. „Das Festivallogo ist einprägsam und unverwechselbar und wird ab sofort in allen Medien zur Außendarstellung der Festivaltage verwendet.“

Sowohl Stadt als auch Chor planen für das Festival schon für 2017 und darüber hinaus. Man verhandle mit den Chören aus Leipzig und Regensburg, die laut Sibig Jahre im Voraus Konzerte festlegen. Zudem habe man Interesse, Chöre aus Osteuropa nach Tölz einzuladen. „Und letztlich schließen wir auch nicht aus, dass Chöre nach einigen Jahren nochmal nach Tölz zurückkommen.“

Christiane Mühlbauer

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