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Statt Festreden eine Podiumsdiskussion: Zum 50. Geburtstag des Pater-Rupert-Mayer-Heims befragte Moderator Andreas Steppan (3. v. li.) die Tölzer Heimleiter (v. li.) Richard Stoll, Anke Bismschas und Bettina Emmrich, Martina Wolfinger (KSH Benediktbeuern), Christiane Bäumler (Landratsamt) und Franz Späth (Stadt Bad Tölz). 

50 Jahre Pater-Rupert-Mayer-Heim: Podiumsdiskussion

Situation der Pflege in Tölz: Seniorenheime müssen Anfragen abweisen

Seit einem halben Jahrhundert steht das Pater-Rupert-Mayer-Heim in Bad Tölz in der Trägerschaft des Münchner Marienstifts. Gefeiert wurde dieser runde Geburtstag am Donnerstag zusammen mit den beiden anderen Tölzer Seniorenheimen.

Bad Tölz – Beim Festakt ersetzte eine Podiumsdiskussion die üblichen Reden. Sie eröffnete einen erhellenden Blick auf die Pflegesituation in der Stadt.

Moderator Andreas Steppan, stellvertretender Redaktionsleiter des Tölzer Kurier, lud die Heimleiter ein, ihre Häuser vorzustellen. Im Josefistift seien vor allem Schwerstpflegebedürftige, so Leiterin Bettina Emmrich. Dies verändere sich derzeit durch die Schließung der Neurokom im Haus „Wildstein“, wodurch jüngere Pflegebedürftige aufgenommen werden müssten. „Trotz der großen Herausforderung herrscht aber eine sehr gute Personalsituation“, zeigte sich Emmrich froh.

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Anke Bimschas vom „Haus am Park“ berichtete, dass unter diesem Dach Betreutes Wohnen mit stationärer Pflege angeboten werde. Aber im stationären Bereich würden auch hier die Pflegegrade immer höher. Diese Entwicklung erlebe auch das Rupert-Mayer-Heim, stimmte Leiter Richard Stoll zu.

Dreimal „Ja“ waren die traurigen Antworten auf Steppans direkte Frage, ob die Heime Anfragende abweisen müssten. Christiane Bäumler von der Fachstelle Seniorenplanung im Landratsamt sagte, dass es trotz verbesserter Strukturen einen ungedeckten Bedarf in jeder Pflegeform gebe, ob stationär oder häuslich. „Die Situation in der Kurzzeitpflege ist vor allem prekär“, sagte sie.

In der Stadt gebe es in der neuen Tagespflege-Einrichtung 18 Plätze – ein Angebot, das auch bereits ausgelastet sei. „Aber hier ist Bewegung drin“, so Bäumler. Sei es denkbar, das Tagespflege einmal so flächendeckend wie Kitas angeboten werde, wollte der Kurier-Redakteur wissen. „Das wäre wunderbar“, meinte Prof. Martine Wolfinger, Vizepräsidentin der Katholischen Stiftungshochschule Benediktebeuern. Allerdings müsse es sich rechnen. Bäumler meinte, für kleinere Tagespflegegruppen sollten die Anforderungen heruntergeschraubt werden. Die Tagespflege müsse dezentral ausgebaut werden. Jede Kommune solle sich überlegen, wie sie ihre Senioren versorgen könnte.

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Als zentrales Problem immer wieder zur Sprache kam der Mangel an Fachkräften. Die Ausbildung von Migranten eröffne den Heimen zwar Chancen, biete aber auch keine Sicherheit, wenn den Ausgebildeten die Abschiebung drohe. „Ein Pakistaner bei uns ist hervorragend“, berichtete Emmrich, „aber wir kämpfen darum, ihn behalten zu dürfen.“

Auf Steppans Frage zur Akademisierung der Pflegeberufe meinte Wolfinger, dass es auf die richtige Mischung ankomme aus Mitarbeitern zum Beispiel mit einem Bachelor-Abschluss und praktischer orientierten Berufstätigen. Aus den Reihen der Pflegenden im Saal meldete sich eine Mitarbeiterin: „Akademiker werden aber nicht mehr am Bett stehen.“ Sie meinte damit, dass Weiter- und Höherqualifizierung die Pflegenden aus der Grundpflege abziehe. „Chefs haben wir genug!“, rief sie.

Zu Beginn des Gesprächs hatte Franz Späth von der städtischen Sozialplanung Ergebnisse einer Seniorenumfrage vorgestellt, die gemeinsam mit der Katholischen Stiftungshochschule Benediktbeuern durchgeführt worden war. Eines der Ergebnisse: Bei der Bewältigung ihres Alltags bekommen immerhin 85 Prozent der Befragten im Alter zwischen 75 und 97 Hilfe von den eigenen Angehörigen. 

(VON BIRGIT BOTZENHART)

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