Michael Lindmair holt Schutzmasken in der Tölzer Tourist-Info für die Feuerwehrler ab. 
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Michael Lindmair holt Schutzmasken in der Tölzer Tourist-Info für die Feuerwehrler ab. 

Corona Krise 

Allzeit bereit auch in der Epidemie

Die Feuerwehren sind ein unverzichtbarer Teil unserer Gesellschaft. Doch zu Zeiten der Corona Pandemie müssen auch die Feuerwehrler sich so gut es geht schützen. Der Alltag in den Wachen ist nicht mehr der Gleiche, dafür sind sie nach wie vor einsatzbereit. 

Bad Tölz-Wolfratshausen Übungen sind suspendiert, es sitzen weniger Kräfte in einem Einsatzfahrzeug, und es mussten sogar schon Not-Kommandanten berufen werden: Der Ausbruch der Corona-Pandemie bringt auch für die Feuerwehren im Landkreis Änderungen im Alltag mit sich. Die wichtigste Botschaft aber lautet: Die Einsatzfähigkeit im Notfall bleibt voll gewährleistet.

Wie Kreisbrandrat Alfred Schmeide berichtet, müsse sich sein Team nun mit einigen neuen Problemstellungen befassen. Einer der Punkte sei dabei, dass Berufsfeuerwehrleute ihren ehrenamtlichen Dienst in den Ortsfeuerwehren nicht mehr ausüben dürften. Davon seien die Truppen in Bichl und Egling betroffen. „In Bichl fallen sogar der Kommandant und sein Stellvertreter unter diese Regelung, deswegen mussten wir hier Notkommandanten berufen“, erklärt Schmeide.

Einsatzfähigkeit im Landkreis nicht eingeschränkt 

Die Einsatzfähigkeit im Landkreis sei aber derzeit nicht eingeschränkt. „Viele unserer Mitglieder sind im Home-Office und daher stehen sie uns natürlich recht schnell zur Verfügung.“

Geändert habe sich auch der Einsatz der „First Responder“, die oft als Ersthelfer ausrückten. „Die First Responder sind immer noch im Einsatz, werden von den Disponenten aber nur noch bei Lebensgefahr alarmiert“, sagt Schmeide. Hier stehe der Schutz der Aktiven vor möglichen Ansteckungen im Vordergrund.

Aus demselben Grund seien Übungen, Ausbildungseinheiten und Teambesprechungen bis auf Weiteres komplett ausgesetzt, so Schmeide. Dementsprechend habe sich auch das Verhalten im Einsatzfall geändert: „Wir rücken nur noch mit der Anzahl an Einsatzkräften aus, die unbedingt benötigt wird.“ Fahrzeuge würden mit weniger Feuerwehrleuten besetzt, und es werde vermieden, dass sich zum Beispiel mehrere Mitglieder am Feuerwehrhaus sammelten. „Wer nicht unbedingt gebraucht wird, wird sofort wieder nach Hause geschickt.“

First Responder wird nur noch bei Lebensgefahr alarmiert 

Im Falle eines Einsatzes mit Personenschaden gelte es für alle, höchstmögliche Vorsicht walten zu lassen. „Die Patientenversorgung soll komplett den Rettungsdiensten, wie zum Beispiel Notfallsanitäter, Rettungssanitäter und Notärzten überlassen werden“, sagt der Kreisbrandrat. Denn diese hätten die nötige Schutzausrüstung, wie zum Beispiel FFP-2-Masken. Schlimmstenfalls müssten sich seine Einsatzkräfte mit Atemschutzgeräten den Verunglückten nähern.

Eine Problematik, der sich auch Thomas Fuchsgruber, Kommandant der Tölzer Feuerwehr, bewusst ist: „Die Rettungsdienste sind ja im Regelfall vor uns vor Ort.“ Aber seine Mannschaft werde weiterhin die Einsätze wie bisher ausführen. Natürlich mit dem höchstmöglichen Schutz, Abstand und kleinerer Mannschaft. Sollte es doch Kontakt mit möglicherweise infizierten Personen geben, dann würden die Feuerwehrleute noch am Einsatzort ihre Kleidung wechseln. Diese würde dann in Müllsäcken zum Feuerwehrhaus transportiert und desinfiziert. Aber insgesamt macht sich der Tölzer Kommandant wegen der aktuellem Krise keine Sorgen: „Unsere Einsatzfähigkeit ist gesichert, und unsere Feuerwehrwelt ist durch Corona nicht schlimmer geworden.“

Feuerwehr-Übungen sind aktuell suspendiert 

Für den Kommandant der Feuerwehr Wolfratshausen, Andreas Spohn, ist der Wegfall von Übungen und Ausbildungen eines der größten Probleme: „Ohne die regelmäßigen Übungen, kommt man mit der Zeit etwas aus der Routine raus. Da sind dann bei einem schwierigen Einsatz die ersten Handgriffe grade mit den erschwerten Bedingungen oftmals nicht ganz so leicht.“ Ansonsten halte sich seine Wehr an alle Vorgaben, die für den ganzen Landkreis gelten: Abstand halten, nur sechs statt neun Leute in einem Löschgruppenfahrzeug. Und nach einem Einsatz müsse halt ein Team auch mal im Fahrzeug warten, bis die benachbarte Gasse im Feuerwehrhaus frei von anderen Kameraden sei. Für die weitere Entwicklung der Corona-Krise und was das für seine Wehr bedeuten kann, wagt Spohn derweil keine Vorhersagen: „Wir müssen jeden Tag aufs Neue schauen und überlegen, was man machen kann.“

(Arndt Pröhl)

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