Alte Frau im Rollstuhl allein im Besuchszimmer einer Seniorenheims.
+
Einige Senioren erlebten den ersten Lockdown dramatischer, damals gab es Besuchsverbote in Alten- und Pflegeheimen. Viele sind nun froh, noch eine Bezugsperson treffen zu können. (Symbolfoto)

Angst vor Ansteckung oder dem Alleinsein?

So erleben Senioren in Bad Tölz-Wolfratshausen die Corona-Zeit

  • Felicitas Bogner
    vonFelicitas Bogner
    schließen

Sie sind eine Risiko-Gruppe, die es zu schützen gilt - und gleichzeitig oft Leidtragende der Schutzmaßnahmen. Senioren berichten, wie sie den Lockdown erleben.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Corona-Pandemie wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus. Viele Menschen sind finanziell stark gebeutelt. Aber nicht nur die wirtschaftlichen Einschnitte können schlimme Auswirkungen haben. Angesichts von Kontaktbeschränkungen und dem Gebot des Abstandhaltens leiden die sozialen Kontakte. Die sind aber gerade für Senioren wichtig, um nicht zu vereinsamen. Auf der anderen Seite gehören gerade ältere Menschen zur Risikogruppe und sollten sich besonders vor einer Ansteckung mit Covid-19 schützen. Wie erleben Seniorinnen und Senioren aus dem Landkreis diese Ausnahmesituation? Ein Stimmungsbild:

Prof. Berhard Dahm (88)

Prof. Bernhard Dahm (88) aus Bad Tölz: Ich bin mit meiner Frau eine Woche vor dem ersten Lockdown von Passau ins Haus am Park gezogen, da unsere Tochter und Enkelkinder in Bad Tölz leben. Die soziale Isolation trifft mich daher etwas weniger. Dennoch ist es schade, dass wir darauf verzichten müssen, unsere Enkel in den Arm zu nehmen. Grundsätzlich lassen sich aktuell keine neuen Kontakte knüpfen, wie man das früher gewohnt war. Trotzdem sind die Corona-Maßnahmen wichtig. Mehr Einschränkungen sollten allerdings nicht dazukommen. Dafür sollte bei Verstößen gegen die bestehenden Corona-Regeln härter durchgegriffen werden.

Monika Dahlberg (84)

Monika Dahlberg (84) aus Benediktbeuern: Ich gehe aktuell sehr vorsichtig und umsichtig vor, um keine Gefahr einzugehen, mich mit dem Virus anzustecken. Es ist auch richtig, dass die Regierung gewisse Maßnahmen ergriffen hat. Das dient dem Schutz aller. Für mich ist es aber sehr wichtig, dass ich wenigstens noch eine Person zum Besuch empfangen darf oder mit einer Freundin gemeinsam mit den Hunden spazieren gehen kann. Ich lebe alleine und wäre ansonsten sehr einsam. Bei dem ersten Lockdown im Frühjahr war die Isolation sehr schlimm für mich. Ansonsten hat sich an meinem Alltag wenig geändert, außer dass man natürlich nicht mehr Theaterspielen kann. Das ist sehr schade, aber absolut verständlich.

Hildegard Stiegler (75)

Hildegard Stiegler (75) aus Bad Tölz: Ich habe keine Angst vor dem Corona-Virus. Natürlich kann eine Ansteckung sehr gefährlich sein. Ich würde auch nicht wollen, dass sich meine Tochter oder Enkel damit infizieren, das würde mir Sorgen bereiten. Ich bin zwar Risikopatientin, da ich Asthma und Parkinson habe. Aber die Einsamkeit und soziale Isolation im Frühjahr war für mich viel schrecklicher als das Risiko, mich anzustecken. Ich war sehr alleine und wusste gar nichts mehr mit mir anzufangen. Dass es noch mal soweit kommt, das ist meine allergrößte Angst.

Uschi Disl (70)

Uschi Disl (70) aus Dietramszell: Für mich stellt die aktuelle Zeit kein so großes Problem dar. Man muss halt Masken tragen und sich regelmäßig die Hände desinfizieren. Auch kann man die Zeit nutzen, um beispielsweise seinen Keller auszumisten. Ich persönlich empfinde die weitgehende häusliche Isolation deshalb als nicht so schlimm. Dennoch fehlt mir der Kontakt zu Familie und Freunden. Klar kann man telefonieren und skypen, aber das ist einfach nicht dasselbe. Auch meine Schafkopfgruppe muss nun schon seit einem halben Jahr ausfallen. Mit der Zeit gewöhnt man sich allerdings daran. Dennoch hoffe ich, dass all das bald vorbei ist und wir wieder ein Stückchen Normalität erfahren dürfen.

Ingeborg Kleiner (88)

Ingeborg Kleiner (88) aus Bad Tölz: Obacht geben muss man aktuell auf jeden Fall. Das mache ich auch. Trotzdem habe ich keine Angst vor Corona. Wenn man es bekommt, dann bekommt man es halt. Da kann ich dann auch nichts mehr daran ändern. Trotzdem finde ich, dass die Maßnahmen strenger sein könnten. Ich verstehe nicht, wieso nicht auch Demonstrationen und Gottesdienste verboten werden. Das sind einfach zu große Ansammlungen von Menschen. Für mich hat sich durch den Teil-Lockdown relativ wenig verändert. Meine Cousine, die sich um mich kümmert, kann mich noch besuchen. Außerdem habe ich in dem Betreuten Wohnen im Haus am Park auch Anschluss zu anderen Bewohnern.

Christl Wieser (87)

Christl Wieser (87) aus Bad Tölz: Die strengeren Maßnahmen schränken mich persönlich nicht sonderlich ein. Aber ich finde es schade, dass man nicht mehr gemütlich in ein Café gehen kann zum Kaffeetrinken und Kuchenessen. Aber daran kann man nun mal gerade nichts ändern. Seit ich vergangenes Jahr gestürzt bin, kann ich sowieso nicht mehr so weit laufen oder rausgehen. Ich fühle mich durch die Maßnahmen behütet und gut geschützt. Angst habe eigentlich keine, dafür hab’ ich schon zu viel erlebt. Außerdem sollte man froh sein, dass man ein warmes Bett und gutes Essen hat. Die aktuelle Lage ist trotzdem kein Kinkerlitzchen. Jeder Einzelne ist dafür verantwortlich, dass es nicht noch schlimmer wird.

Werner Grimmeiß (80)

Werner Grimmeiß (80) aus Wolfratshausen: Seit dem erneuten Teil-Lockdown habe ich auf jeden Fall mehr Zeit für meine häuslichen Arbeiten. Sicher vermisse ich die Arbeit als Vorsitzender des Isartaler Volkstanzkreises, dennoch ist weniger Arbeit manchmal nicht unbedingt etwas Schlechtes. Persönlich nehme ich die aktuellen Corona-Einschränkungen deshalb nicht als derart dramatisch wahr, wie es von vielen geschildert wird. Auch vor einer potenziellen Ansteckung damit habe ich wenig Angst. Schließlich gerate ich in meinem Alter kaum an Orte, wo viele Menschen aufeinander treffen – beispielsweise im Zug oder in der Bahn. Für die Zukunft würde ich mir trotz alledem schon wünschen, dass die Maßnahmen wieder gelockert werden können. Ich bin da aber eigentlich sehr optimistisch, was das betrifft.

Felicitas Bogner / Anna Nagy

Auch interessant

Kommentare