Unterricht in Zeiten von Corona: Lehrerin Claudia Kohl vor wenigen Wochen mit Maske und einem Teil ihrer 4. Klasse in der Grundschule Reichersbeuern. 
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Unterricht in Zeiten von Corona: Lehrerin Claudia Kohl vor wenigen Wochen mit Maske und einem Teil ihrer 4. Klasse in der Grundschule Reichersbeuern. 

Corona.Auswirkungen 

Ein total verrücktes Corona-Schulhalbjahr

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  • Silke Scheder
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  • Ines Gokus

Kinder, die die Schule vermissen, Fremdsprachenunterricht via Whatsapp und Lob für das Meiden von Sozialkontakten – das vergangene Schulhalbjahr war für Schüler und Lehrer ziemlich verrückt. Ein Stimmungsbild.

Valentina Klimmer (15), 9. Klasse Gymnasium Bad Tölz:

„In gewisser Weise war es schon ein verrücktes Halbjahr: In Englisch und Französisch zum Beispiel mussten wir uns selbst aufnehmen, wie wir einen Text lesen, und dann per Sprachnachricht an unsere Lehrer schicken, damit sie unsere Aussprache kontrollieren konnten. Ziemlich verrückt war es auch, außerhalb der Ferien ausschlafen zu können. Manchmal bin ich ehrlich gesagt erst zwischen 10 und 11 Uhr aufgestanden und habe dann Schulaufgaben gemacht. Und natürlich hätte ich nie gedacht, dass ich die Schule mal vermissen würde. Aber tatsächlich hat mir ein geregelter Tagesablauf gefehlt – und meine Freunde regelmäßig zu sehen. Eher komisch als verrückt fand ich, dass wir unsere Hausaufgaben zum Teil gar nicht vorzeigen mussten...

Insgesamt war es ein sehr eigenes Schuljahr. Dafür, dass wir uns alles selbst beibringen mussten, hat es aber gut geklappt. Trotzdem hoffe ich, dass die Lehrer im Herbst erst mal ein bisschen Stoff wiederholen werden.“    

7. Klasse Südschule Bad Tölz

„Ich fand die ganze Situation verrückt. Weil meine Eltern viel arbeiten müssen, war ich eine der wenigen in der Notbetreuung. Die Schule war ziemlich leer, das war ein komisches Gefühl. Verrückt fand ich auch, dass manche in so einer Situation ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben. Und dass unsere Klasse komplett aufgeteilt worden ist und wir von unseren Freunden Abstand halten mussten.

Insgesamt bin ich gut zurecht gekommen. Manchmal habe ich die Schule und unsere Lehrerin Frau Boldt aber vermisst. Sie hat uns wirklich sehr unterstützt. Ich hoffe, dass wir im Herbst mit dem Homeschooling aufhören können. Wenn die Klasse geteilt bleiben würde, fände ich das aber ganz gut: Es ist jetzt viel ruhiger.“  

Rektor Südschule Bad Tölz

„Im vergangenen Halbjahr war Schule so ganz anders, als man sich das jemals hätte vorstellen können – das ist schon verrückt. Wer hätte je gedacht, dass ein Lehrer ein Schüler lobt, weil er sich von den anderen fernhält? Oder dass die Lehrer mit ihren Schülern trainieren, wie man durch das Schulhaus geht, damit sie den anderen nicht zu nahe kommen? Ein bisschen verrückt ist auch, dass sich viele Schüler anfangs vielleicht noch darüber gefreut haben, dass der Unterricht ausfällt – dann aber ganz schnell gemerkt haben, wie toll und wichtig Schule eigentlich ist.

Insgesamt war ich überrascht, wie gut alles in relativ kurzer Zeit praktisch funktioniert hat – auch dank des Engagements der Lehrer. Manche Kinder haben wirklich gelernt, selbstständig zu arbeiten. Die überragenden Ergebnisse bei den Abschlussprüfungen belegen das. An manchen Schülern ist aber leider viel vorbei gegangen. Vor allem in der Grund- und Mittelschule brauchen die Kinder und Jugendlichen eine enge Führung durch eine reale Bezugsperson!

Deshalb sind wir alle froh, wenn wir im Herbst wieder einen einigermaßen normalen Schulbetrieb aufnehmen können. Es kann immer Überraschungen geben. Aber ich bin zuversichtlich, dass es klappt.“  

4. Klasse Grundschule Kochel

„Als unsere vierte Klasse wieder in die Schule durfte, wurde unsere Klasse in zwei Gruppen geteilt, die hintereinander Unterricht hatten. Wir hatten auch nur noch jeden Tag drei Stunden Schule und nicht mehr sechs. Das war zuerst irritierend. Aber weil wir weniger Kinder waren, konnten wir besser lernen. Das war ganz gut.

Unser Lehrer hat uns am Eingang abgeholt. Da wurden die Hände desinfiziert und dann durften wir erst rein gehen. Wenn wir nicht am Platz saßen, haben wir Masken getragen. Angst hat mir das alles aber nicht gemacht. Blöd war aber, dass ich einige meiner Freunde nicht mehr gesehen habe, weil die in der anderen Gruppe eingeteilt waren. Früher haben wir immer in der Schule für nachmittags was ausgemacht. Außerdem hatten wir keine große Pause mehr. Die hat mir gefehlt, weil das war die Zeit, in der ich mit meinen Freunden immer Fußball gespielt habe. Als dann auch die anderen Klassen wieder Unterricht hatten, hatte ich nur noch alle zwei Wochen Schule. Das Gute daran war, dass man sich die eine Woche zuhause die Arbeit selber einteilen konnte. Vom Schulalltag her fände ich es gut, wenn es so wie jetzt bleiben würde mit dem Wechsel zwischen zuhause lernen und in der Schule – aber nur, wenn das Drumrum mit Corona nicht wäre mit Maske tragen und so.“  

10a, Realschule Hohenburg

„Am Anfang war alles sehr komisch. Ich erinnere mich noch, dass wir das Thema Corona in den Wochenberichten in Sozialkunde hatten. Da dachte noch niemand, dass uns das mal betreffen würde. Wenige Tage später, stand die Schulleiterin in der Klasse und erklärte uns, dass die Schule geschlossen wird. Wir konnten es erst nicht fassen. Die Umstellung auf Home-Schooling war mega krass. Plötzlich war man auf sich alleine gestellt. Der Austausch mit anderen Schülerinnen hat mir sehr gefehlt. Zum Glück haben uns unsere Lehrer öfter mal in den Hintern getreten, wenn sie gemerkt haben, dass die Disziplin etwas verloren geht. Technisch hat alles nach ein paar Tagen im Großen und Ganzen gut funktioniert, aber es war natürlich kein Vergleich zum normalen Unterricht. Die Corona-Situation im Abschlussjahr war eine emotionale Hürde für mich.  

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