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Die Region Oberland wächst. Der Regionalplan bildet die Grundlage, wie Siedlungsentwicklung in den vier Landkreisen künftig geordnet vonstatten gehen kann.  

Planungsausschuss tagt

So soll sich das Oberland in Zukunft entwickeln

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
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Wie wollen und können sich die Gemeinden im Oberland in den kommenden Jahrzehnten entwickeln? Die Grundlage, um diese Frage zu beantworten, liefert der Regionalplan.

Bad Tölz-Wolfratshausen –Die Fortschreibung des Regionalplans ist viel Arbeit. Zäh ringen die Vertreter der vier Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach, Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau seit 2014 um den Inhalt jedes einzelnen Kapitels. In der jüngsten und für diese Amtsperiode letzten Sitzung des Planungsausschusses im Gasthaus Mühle in Beuerberg ging es um das Kapitel Siedlungswesen. Am Ende wurden die Eckpunkte einstimmig beschlossen. „Super, das ist wirklich ein ganz großer Schritt“, sagte der Tölzer Landrat und Verbandsvorsitzende Josef Niedermaier.

„Regionalplan mit Leben erfüllen“

Zum Ende der Amtsperiode nutzte er den Moment um zurückzublicken auf die vergangenen sechs Jahre. „Es hat noch nie so viel Spaß gemacht wie in letzter Zeit“, lobte er. Ziel sei es, „den Regionalplan mit Leben zu erfüllen – und dem sind wir noch nie so nah gewesen wie jetzt.“ Niedermaier dankte den Vertretern der Regierung von Oberbayern, die den Prozess begleiten. „Sie haben sich auf unsere Themen eingelassen, die Anmerkungen haben Widerhall gefunden.“

Matthias Kraus von der Regierung von Oberbayern gab das Lob zurück. „Wir bedanken uns für die vertrauensvolle Zusammenarbeit, es war auch für uns eine besondere Zeit.“ Das Ringen um die beste Lösung „begrüßen wir sehr“, sagte Kraus. „Und wir freuen uns auf alle, die wir nach der Wahl wiedersehen.“

Zuvor hatten sich die Ausschussmitglieder fast zwei Stunden mit den Eckpunkten zum Kapitel Siedlungswesen beschäftigt. Über allem steht auch hier die Vorgabe der „Region der kurzen Wege“, wie Matthias Schuh von der Regierung in Erinnerung brachte. Um die zu erreichen, verfolgt die Region vorrangig die Innenentwicklung. Statt in der Peripherie neue Ortsteile zu schaffen, sollen innerörtliche Möglichkeiten zur Nachverdichtung genutzt werden. Ortszentren müssten gestärkt und „zu attraktiven Begegnungsstätten“ ausgebaut werden, so Schuh. Das heiße nicht, dass jede innerörtliche Freifläche zugebaut werden dürfe. Im Gegenteil: Diese Flächen sollen – so sie von besonderer Bedeutung sind – erhalten bleiben.

„Wir werden überflutet von Auswärtigen“

Das Kapitel befasst sich zudem mit dem Thema Steigerung der Flächeneffizienz, einer klimaschonenden Siedlungsentwicklung unter Nutzung erneuerbarer Energien und der Notwendigkeit eines kommunalen Flächenmanagements. Ein weiteres zentrales Thema bei der Siedlungsentwicklung ist der demografische Wandel. Es gebe zunehmend Nachfrage von älteren und alleinstehenden Menschen nach passendem Wohnraum. Hier gelte es, durch passende Angebote – auch für Mehrgenerationenwohnen und ähnlichem – darauf zu reagieren, so Schuh.

Auch mit Blick auf die Fachkräftesicherung „ist das Thema Wohnraum von zentraler Bedeutung“. Dabei seien bezahlbare Wohnungen wohl eher „im Bereich Geschosswohnungsbau zu schaffen“, so Schuh. Hier schrillten beim Otterfinger Bürgermeister Jakob Eglseder die Alarmglocken. Vor seinem geistigen Auge entstanden Wohnblocks. „Ich weiß nicht, ob es gut ist, wenn wir solche sozialen Brennpunkte schaffen.“ Das dürfe es natürlich nicht sein, „aber wir denken noch viel zu oft in der Einfamilienhaus-Kategorie. Das wird nicht mehr gehen. Es braucht einen Bewusstseinswandel“, sagte Niedermaier. Die Dietramszeller Bürgermeisterin Leni Gröbmaier forderte, „mehr in Quartieren zu denken“. Das heiße, wer Wohnungsbau plane, müsse die Frei- und Aufenthaltsflächen sowie das passende Heizsystem für das gesamte Quartier mitplanen.

Eglseder war immer noch unzufrieden. Dabei geht es aber eher ums große Ganze. Ihm missfalle, dass viele Junge aus der Region wegziehen müssen, weil sie keine Wohnung oder kein Haus mehr finden – auch weil viele ihr Haus eben nicht an Einheimische verkaufen. „Und wir werden überflutet von Auswärtigen“, sagte der Otterfinger Bürgermeister. Er wisse schon, dass es rechtliche keine Handhabe gebe. Aber offenkundig wurmt Eglseder die Sache. „Das werden wir aber mit dem Regionalplan nicht regeln können“, merkte Niedermaier an.

Siedlungsentwicklung vor allem in den Hauptorten

Generell strebt die Region, die weiterhin wächst, eine „organische Siedlungsentwicklung“ an, sagte Thomas Bläser von der Regierung. Das bezieht sich sowohl auf die Bereitstellung von Wohnbauflächen als auch auf das Ansiedeln von Gewerbe. Was konkret als „organisch“ anzusehen ist, damit muss sich der Planungsausschuss freilich noch befassen. Identifiziert werden müssen zudem noch „besonders gunstvolle Siedlungsbereiche“, in denen eine verstärkte Entwicklung möglich ist. Sie zeichnen sich beispielsweise durch eine gute Verkehrsanbindung – vor allem mit öffentlichen Verkehrsmitteln – aus.

Generell soll sich die organische Siedlungsentwicklung auf die jeweiligen Hauptorte konzentrieren – weil dort Versorgungseinrichtungen vorhanden und die Wege entsprechend kurz sind. In vielen Gemeinden ist das Identifizieren des Hauptorts einfach, in Gemeinden mit vielen Ortsteilen oft schon schwieriger. Die Festlegung der Hauptorte soll in Verbindung mit den Kommunen passieren, antwortete Bläser auf eine Nachfrage des Kochler Bürgermeisters Thomas Holz.

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