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Bezahlbarer Wohnraum und einen besseren öffentlichen Nahverkehr schaffen – das sind zwei Herausforderungen, die Heimatminister Markus Söder für die Region sieht.

Auftritt im Kurhaus

Söder in Tölz: „Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum“

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Über die Herausforderungen und Probleme, vor denen die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach, Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau, sprach am Montag der designierte Ministerpräsident Markus Söder am Montag vor Bürgermeistern und Landräten aus dem ganzen Oberland.

Bad Tölz– „Eigentlich kann eine so schöne Region wie das Oberland keine Probleme haben“, sagte Heimatminister Markus Söder am Montag zur Begrüßung im Kurhaus. Dorthin hatte er die über 90 Bürgermeister und Landräte aus der Planungsregion 17 eingeladen. In den folgenden 20 Minuten widerlegte Söder die Einstiegsthese aber selbst und zeigte die Herausforderungen und Probleme auf, vor denen die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach, Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau stehen. Bezahlbarer Wohnraum und die Verbesserung des Öffentlichen Nahverkehrs auf der Straße und der Schiene stehen dabei ganz oben auf der Liste. Mit diesen und anderen Feldern befasst sich auch das Stukturgutachten, das die Planungsregion gerade erstellen lässt.

„Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum“, sagte Söder. Der Freistaat schaffe deshalb ein Baukindergeld, eine bayerische Eigenheimzulage und gründe eine Wohnungsbaugesellschaft. Dem Bauwillen stehe allerdings in der Gesellschaft auch immer die Angst vor zu viel Bodenversiegelung gegenüber – „und zu hoch bauen soll man ja auch nicht“, zeigte Söder das Spannungsfeld auf. Dennoch brauche es Wohnraum, ergänzte Landrat Josef Niedermaier. „Denn unsere mittelverdienende Bevölkerung kann sich unsere Region nicht mehr leisten.“ Das Engagement des Freistaats bei der Gründung einer Wohnungsbaugesellschaft sei natürlich zu begrüßen. „Aber es fehlt uns nicht an Baugenossenschaften, es mangelt an Grundstücken“, so Niedermaier. Er habe hier auch keine Patentlösung. „Aber die zu finden, wird eine unserer substanziellen Herausforderungen sein.“ Bei der künftigen Bauland-Entwicklung sei es wichtig, „die Bürger mitzunehmen“, ergänzte der Bernrieder Bürgermeister und Bezirksvorsitzende des Bayerischen Gemeindetags, Josef Steigenberger, später in der Diskussion. „Im stillen Kämmerlein zu planen, bringt uns nicht weiter.“

Rund 60 Bürgermeister, Landräte und einige Verwaltungsmitarbeiter aus den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach, Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau waren zu dem Treffen gekommen.

Nicht weniger groß sind die Herausforderungen im Bereich Verkehr. Lückenschlüsse gerade an den Schnittstellen der Verkehrsverbünde, eine „wesentlich servicefreundlichere Entwicklung“, ein „einheitliches Tarifsystem“ und WLan in allen Bussen und Regionalbahnen stehen bei Söder auf der Liste. „Und wir brauchen eine Quertangente“, ergänzte Niedermaier. Eine Schienenlösung von Schongau über Penzberg und Bad Tölz bis Miesbach wird seit Langem immer wieder diskutiert, die Realisierung erscheint aber aussichtslos. Auch weil eine zusätzliche Bahnbrücke übers Isartal am Naturschutz scheitert. „Wir wollen den Schutz der Region nicht in Frage stellen“, sagte Niedermaier. Aber durch die starren Gesetze könne man viele Zukunftsvisionen nicht einmal mehr andenken. „Wir sollten hier aber nicht locker lassen“, forderte die Weilheimer Landrätin Andrea Jochner-Weiß.

Denkbar wäre aber auch, dass Buslinien, die fehlenden Ost-West-Verbindung schaffen. Im Strukturgutachten wird dazu die Idee eines „Landesbusses“ aufgebracht – eine Linie, die landkreisübergreifend fährt und vom Freistaat finanziert wird.

Auch der Oberhachinger Bürgermeister Stefan Schelle – die Nachbarregion war ebenfalls ins Kurhaus eingeladen – hatte hier eine Anregung. Werden neue Buslinien geschaffen, um Lücken zu schließen oder Landkreise zu vernetzen, brauche es oft drei bis vier Jahre, bis sich die neue Linie etabliert habe. Die Finanzierung dieser Jahre stelle Landkreise vor Probleme. „Vielleicht bräuchten wir ein Förderprogramm des Freistaats, das diese Einführungsphase bezuschusst.“

Oben auf der Wunschliste stehen aber auch die Elektrifizierung der BOB-Strecken und der zweigleisige Ausbau der Regionalbahnstrecken – beispielsweise der von Weilheim nach Garmisch-Partenkirchen. Hier nutzte der Garmischer Landrat Anton Speer die Gunst der Stunde, um Söder auf einen Missstand aufmerksam zu machen. „Es kann nicht sein, dass die Bahn hier Grundstücke verkauft, die wir für den zweigleisigen Ausbau dringend benötigen. Die bekommen wir nie wieder.“

Niedermaier erhofft sich Unterstützung vom Freistaat in Sachen einheitliche Tarifstruktur. Landkreisen müsse der Beitritt zum MVV-Verbund ermöglicht werden, „ohne dass es sie Millionen kostet“. Nur dann sei auch Regionen wie Weilheim-Schongau oder Miesbach der Beitritt vermittelbar.

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