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Im Geiste Adolph Kolpings verzichtet die Kolpingsfamilie – hier vertreten durch ihren Vorsitzenden Thorben Dahms (re.) und Josef Sappl, Kassenverwalter des Kolping-Hausvereins – auf beträchtliche Mieteinnahmen. 

Corona-Krise

Lenggrieser Lehrerin übernimmt Monatsmiete für Geschäft - Kolping gewährt Mietminderung

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    Andreas Steppan
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Die wirtschaftlichen Probleme, die die Corona-Krise nach sich zieht, sind groß. Mut machen in diesen Zeiten ungewöhnliche Gesten der Solidarität

Lenggries/Bad Tölz –  In Lenggries hat eine Lehrerin privat eine Monatsmiete für ein in Bedrängnis geratenes Geschäft übernommen. Und in Bad Tölz gewährt die Kolpingsfamilie als Vermieter eine großzügige Minderung.

Tamara Höcherl musste nicht lange überlegen: Als die Lenggrieserin von der Initiative „Helfer in der Krise“ hörte, die eine Münchner Kollegin ins Leben gerufen hatte, beschloss sie sofort mitzumachen – und bezahlte für ein örtliches Geschäft eine Monatsmiete. Auch wenn sie als Lehrerin keine Großverdienerin ist, möchte die 46-Jährige die Idee unterstützen, „dass Menschen, die weiterhin Beschäftigung und Einkommen haben, Kleinunternehmer oder Läden unterstützen, die durch die Corona-Krise besonders getroffen sind“, sagt sie.

Lehrerin übernimmt private Miete für ein in Bedrängnis geratenes Geschäft 

Höcherl sieht darin einen Beitrag, die Vielfalt der örtlichen Geschäftswelt zu erhalten. „In Lenggries haben wir keine Ketten, sondern kleine Läden, die es nur hier gibt. Das macht ja gerade den Charme und den persönlichen Stil aus.“ Aus ihrer Sicht wäre es widersinnig, wenn nun gerade diese die Hauptleidtragenden der Krise sind, während sich die ohnehin übermächtige Konkurrenz von Amazon oder die Supermärkte die Hände reiben.

Inspiriert haben Tamara Höcherl nicht zuletzt persönliche Erfahrungen aus den sechseinhalb Jahren, die sie in Brasilien lebte. „Dort war es selbstverständlich, sich gegenseitig zu helfen“, berichtet sie. „Wenn jemand krank war und nicht arbeiten konnte, haben alle anderen, obwohl sie selbst nichts hatten, ein bisschen was bei sich abgezwackt – Reis, Mehl, Bohnen – und die Familie des Kranken unterstützt.“ Eine solche gesellschaftliche Solidarität, ohne ausschließlich auf die Hilfe des Staates zu setzen, fehle ihr in Deutschland ein wenig.

Kolpingsfamilie Bad Tölz gewährt Mietminderung 

Schwer fiel ihr ausschließlich die Auswahl des unterstützten Betriebs, den sie auch nicht öffentlich nennen will. „Es gibt nämlich nicht nur ein Geschäft, in dem ich regelmäßig einkaufe und das gleichermaßen unterstützenswert ist“, sagt sie. Deswegen hofft sie, dass noch mehrere Menschen ihrem Beispiel folgen. Eine Rundmail an die Kollegen des St.-Ursula-Gymnasiums hat sie schon verschickt. Die 46-Jährige kann sich auch gut vorstellen, dass sich mehrere Spender für ein Geschäft zusammentun beziehungsweise einen Fonds einrichten.

Dass die meisten Läden am 27. April wieder öffnen dürfen, schmälert aus Höcherls Sicht die Notwendigkeit nicht. „Auch die Mieten für März und April wollen ja bezahlt sein“, sagt sie. Und bei Gastrobetrieben, Kulturschaffenden und mehr blieben die Einnahmen ja weiterhin aus.

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Zu einem bemerkenswerten Schritt hat sich auch die Tölzer Kolpingsfamilie entschieden. Die Mieter im Kolpinghaus an der Marktstraße 3 in Bad Tölz müssen in den kommenden drei Monaten nur 60 Prozent ihrer bisherigen Miete bezahlen. Dafür hat sich der sogenannte Hausverein ausgesprochen, der für die wirtschaftlichen Belange des Hauses zuständig ist, das aus der sogenannten Faistschen Stiftung stammt. In dem Anwesen sind nicht nur die Versammlungsräume der Tölzer Kolpingsfamilie untergebracht. Im Erdgeschoss befinden sich die Geschäftsräume eines Juweliers, im rückwärtigen Teil ist die Werkstatt eines Uhrmachermeisters, zudem gibt es im Dachgeschoss eine privat vermietete Wohnung.

„Alle Mieter sind von der Coronakrise betroffen“, sagt Kolping-Mitglied und Hausvereins-Kassenverwalter Josef Sappl. „Sowohl der Juwelier als auch der Uhrmachermeister haben geschlossen. Und das Paar, das in der Wohnung lebt, ist in Kurzarbeit.“ Daher „handeln im Sinne von Adolf Kolping, der sich als Sozialreformer der geistigen und materiellen Not der Menschen der damaligen Zeit angenommen hat“, sagt Sappl. Der Einnahmenverzicht sei beträchtlich, aber zu verkraften. Der Kolpingsfamilie sei wichtig, „dass unsere Mieter diese schwierigen Zeiten wirtschaftlich durchstehen“.

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