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Die „Brücke der Menschlichkeit“ wurde 2015 auf dem Kunstwanderweg am Blomberg eröffnet. Von der Brücke, die die Herzen der Menschen verbinden soll, gehen Pfosten aus Weichholz in alle Welt aus. Der Ideengeber, Künstler Marco Paulo (Mitte, mit Hut) hat das Objekt zusammen mit jugendlichen Asylbewerbern (im Bild mit dem Vereinsvorstand) verwirklicht. Die Brücke ist eines der beliebtesten Kunstwerke am Berg. 

Sonderausstellung im Kunstsalon beginnt heute

Kunstverein Tölzer Land wird 40 Jahre alt - und hat ein großes Problem

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Mit einer großen Ausstellung feiert der Kunstverein Tölzer Land ab dem heutigen Freitag sein 40-jähriges Bestehen. Viele Projekte wurden in den vergangenen Jahren erfolgreich auf die Beine gestellt – doch trotzdem ist die Zukunft des Vereins nicht sicher.

Bad Tölz– Am 15. März 1979, als genau heute vor 40 Jahren, wurde der Verein – damals hieß er noch „Tölzer Kunstverein“ – aus der Taufe gehoben, dank des Engagements von Walter Frei, Adalbert Diegmann und Günther Funk. Schwerpunkt war die Organisation von Ausstellungen, etwa mit Werken von Franz Marc, Lovis Corinth und Paul Klee, aber auch von Albert Spethmann und Willi Moralt. Kunstreisen und Lesungen rundeten das Angebot ab.

Viel hat sich seither getan – vor allem inhaltlich. Aus dem Kunstverein ist eine landkreisweite Künstlervereinigung geworden, die beachtliche Projekte initiiert hat, etwa den bundesweit bekannten Kunstwanderweg „Sinneswandel“ auf dem Blomberg.

Der Richtungswechsel fand im Jahr 2002 statt, als Claudia Königsmann und Hans Langner („Birdman“) den Vorsitz übernahmen. Zudem stand der Kunstturm im Landratsamt auf der Flinthöhe als neue Ausstellungsfläche zur Verfügung. „Ab da begann die Auseinandersetzung mit gesellschafts- und umweltkritischen Themen“, sagt die derzeitige Vorsitzende Sylvia van der Drift. Gezeigt wurden Ausstellungen mit Werken von Mitgliedern und/oder geladenen Gästen, die Themen lauteten „Im Überfluss“ oder „Altern“. Zudem entstand ein Kunstpark im Flintcenter.

Sylvia van der Drift

Als vier Jahre später Bhavana Franke und Günter Unbescheid den Vorsitz übernahmen, benannte man sich in „Kunstverein Tölzer Land“ um. „Damit kam man dem Wunsch nach, auch das Umland von Tölz mehr zu integrieren“, berichtet van der Drift. Die Auseinandersetzung mit gesellschaftkritischen Themen wurde weiterhin groß geschrieben, etwa in der Ausstellung „Planet Erde“. 2008 konnte nach langer Vorbereitungszeit der Kunstwanderweg „Sinneswandel“ auf dem Blomberg eingeweiht werden. „Die Resonanz war beachtlich.“ Mehrmals fanden Bildhauer-Symposien dort statt. Unter Franke und Unbescheid entstand auch die Reihe „Das kleine Format für Kunstentschlossene“: Jedes Jahr im Dezember können Besucher ein Kunst-Unikat als Weihnachtsgeschenk erwerben – die Palette istgroß und vielfältig. Die Ausstellung gibt es – in leicht veränderter Form – bis heute.

2011 übernahmen Sylvia van der Drift und Brigitte Hintze das Ruder und initiierten unter anderem die Schau „Young Art: Facing the Future“ sowie eine Ausstellung im „Jahr des Waldes“. „Das war sehr erfolgreich“, erinnert sich van der Drift. 2014 betrat Patrizia Zewe die Bühne des Tölzer Kunstlebens und wurde mit ihrem Elan schnell an die Spitze des Vereins katapultiert. Zewe hatte die Idee zu Ausstellungen an der Isarpromenade. „Das kommt gut an. Heuer gehen wir damit ins sechste Jahr“, sagt van der Drift. Zudem etablierte sich unter Zewe der Kunstsalon in der Marktstraße.

Als Zewe 2016 wieder nach München zog, geriet der 130 Mitglieder starke Verein in eine Krise. Sylvia van der Drift übernahm kommissarisch wieder den Vorsitz. „Ich bin aber beruflich und privat sehr eingespannt und habe wegen der Vereinsarbeit schon eigene Kunstprojekte auf Eis gelegt“, sagt die Holzkirchnerin. Aber gerade vor dem Jubiläumsjahr habe sie den „an und für sich tollen Verein nicht hängen lassen wollen“. Zusammen mit ihrer Stellvertreterin Birgit Haas-Heinrich bilde sie „ein Hochleistungsteam“. Van der Drift wünscht sich, dass die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt wird. „Wenn jeder einen kleinen Beitrag leistet, dann würde vieles leichter gehen.“

Aber das gestaltet sich schwierig – bei der nächsten Jahresversammlung am 8. April wollen Schatzmeister, Schriftführer und Presse-Referentin ihre Arbeit niederlegen. Und van der Drift will eigentlich auch nicht mehr. „Die aktive Mitarbeit im Verein wird leider nur von wenigen ausgeübt, auch jetzt bei der Jubiläumsausstellung“, sagt van der Drift. Und das sei bedauerlich – gerade jetzt, wo man mit dem Kunstsalon in der Marktstraße eine Anlaufstelle habe, die zentral liege und immer bekannter werde, nicht zuletzt durch populäre Workshops im Bereich Kalligrafie und Handlettering. „Ich hoffe, noch Mitglieder motivieren zu können“, sagt sie. Finde sich jedoch niemand, dann werde es schwierig, den Verein am Leben zu erhalten.

Den 40. Geburtstag feiert der Kunstverein Tölzer Land mit einer großen Ausstellung zum Thema Heimat. Zahlreiche Schüler und Jugendliche sind mit ihren Werken daran beteiligt, etwa von der Jahn- und Montessori-Schule aus Bad Tölz und vom Max-Rill-Gymnasium aus Reichersbeuern. Wie definieren sie Heimat? Wonach sehnt man sich, wenn man an Heimat denkt? Um Fragen wie diese kreist die Schau, die am heutigen Freitag um 19 Uhr im Kunstsalon (über dem Modegeschäft Hunkemöller in der Tölzer Marktstraße) eröffnet wird. Mit dabei ist die „Dance Group Jahnschule“, für die Musik sorgt Markus Ottschofski. Stadträtin Margot Kirste wird die Ausstellung eröffnen. Die Schau ist am Samstag von 12 bis 18 Uhr, in den folgenden Wochen bis 31. März jeden Freitag, Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei. In dieser Zeit gibt es zahlreiche Workshops.

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