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Rund 100 Zuhörer – einige hatten Babys mitgebracht – verfolgten die Sitzung im Landratsamt.

Sondersitzung zur Geburtshilfe

Rauchende Köpfe nach Expertenrunde

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Einiges abverlangt wurde den Mitgliedern des Kreisausschusses. Nach drei Stunden Sitzung zum Thema Geburtshilfe am Freitag dürfte manchem der Kopf geraucht haben. Experten aus der Medizin kamen zu Wort.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Auch Hebammen und die örtlichen Belegärzte Stephan Krone (Tölz) und Manfred Stumpfe (Wolfratshausen) durften sich äußern. Es ging um die Vorteile der wohnortnahen Versorgung, aber auch um deren Probleme und Risiken im Vergleich mit Geburtshilfeabteilungen in großen perinatalen Zentren.

Während für die rund 100 Zuhörer – einige hatten ihre Babys mitgebracht – das Ganze gegen 17 Uhr beendet war, ging es für die Kreisräte im nicht öffentlichen Teil in die Verlängerung. Hier legte die Asklepios-Stadtklinik, die ihre Geburtshilfestation Ende des Monats erst einmal schließt, ihr Konzept für die Zukunft des Bereichs vor. Im Zentrum stehen dabei die Gründung einer gemeinsamen Hauptabteilung mit einer anderen Klinik und der Zuschuss, den der Landkreis jährlich beisteuern muss. 1,8 Millionen Euro sind hier im Gespräch.

Ob diese gemeinsame Hauptabteilung mit einem starken Partner der richtige Weg ist, darüber gingen die Meinungen auseinander. Fakt ist jedenfalls: „Auf Dauer werden Belegabteilungen nicht mehr überlebensfähig sein“, sagte Herwig Heide vom bayerischen Gesundheitsministerium. Allerdings sei die Einbindung von Belegärzten in eine Hauptabteilung „durchaus möglich“.

Wie groß das Defizit der Abteilung ist, hatte zuvor Prof. Günter Neubauer vom Institut für Gesundheitsökonomie anhand von Zahlen verdeutlicht. Die Fixkosten lägen bei rund zwei Millionen Euro pro Jahr. Erst ab einer Geburtenzahl von 1335 Kindern würden hier die Erlöse die Kosten übersteigen. Derzeit kommen in Tölz aber nur rund 550 Babys zur Welt. Das ist ein Problem, das auch eine gemeinsame Hauptabteilung nicht löst. Neubauer hatte zudem „Zweifel, dass Qualitätsvorgaben und eine ausreichende Wirtschaftlichkeit so erreichbar sind“.

Prof. Matthias Beckmann, Direktor der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen, regte an, sich auf einen Standort im Landkreis für die Geburtshilfe zu konzentrieren – und den möglichst attraktiv zu machen. Er müsse durch „Exzellenz“ überzeugen. Umfragen unter Schwangeren haben gezeigt, dass diese fünf Dinge am wichtigsten an einer Klinik sind: „Guter Parkplatz, gutes Essen, gute Räume, gute Hebammen, gute Ärzte.“ Sei das alles gewährleistet, würden auch Schwangere von außerhalb kommen. Aber auch innerhalb gebe es Potenzial, merkte Prof. Neubauer an. 2015 brachten 1132 Mütter aus dem Landkreis ein Baby zur Welt – knapp ein Drittel tat das allerdings weder in Wolfratshausen noch in Bad Tölz.

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