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Pfarrer Ibrahim Azar (li.) bei einem Besuch in Bad Tölz 2013.

Evangelisches Dekanat

Sorge um die Freunde in Jerusalem

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Seit vielen Jahren pflegt das evangelische Dekanat Bad Tölz eine lebendige Partnerschaft mit der palästinensischen evangelischen Gemeinde in Jerusalem. Mit besonderem Interesse und einiger Sorge verfolgen Protestanten im Landkreis daher die jüngste Entwicklung

Bad Tölz-Wolfratshausen– US-Präsident Donald Trump hat Jerusalem als israelische Hauptstadt anerkannt und angekündigt, die US-Botschaft dorthin zu verlegen. Die Freunde in der Partnergemeinde in Jerusalem könnten dadurch verstärkt in eine brisante Zwickmühle geraten, befürchtet der Tölzer Dekan Martin Steinbach.

Alles andere als erfreut von Trumps Strategie ist auch sein Jerusalemer Kollege, Pfarrer Ibrahim Azar. Die Erklärung des US-Präsidenten habe ihn „überrascht“, sagt er im Telefonat mit dem Tölzer Kurier. „Und das auch noch gerade jetzt, in der Zeit vor Weihnachten“, fügt er hinzu. „Die Unruhe im Land macht die Vorbereitungen auf Weihnachten schwieriger. Für Geschäftsleute in Jerusalem hängt viel vom Weihnachtstourismus ab.“ Durch die zusätzlichen politischen Turbulenzen „leidet das ganze Land“.

Darüber hinaus befürchtet Azar, „dass die Gewalt im Nahen Osten zunehmen wird“. Die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels „erschwert das friedliche Zusammenleben“, meint der 56-Jährige. Bislang sei „von allen Seiten akzeptiert“, dass Jerusalem „eine Stadt ist, die drei Religionen gehört“. Jetzt erkläre der US-Präsident „auf einmal, dass Jerusalem nur einer Religion gehören soll“. Dies störe das Gleichgewicht vor Ort.

Ebenso wie Azad, der in München studiert hat und schon mehrmals in Bad Tölz zu Gast war, hat auch Dekan Steinbach bereits zehn- bis zwölfmal Jerusalem und Palästina bereist. Die dortigen evangelischen Christen lehnen Trumps Entscheidung zwar ab, so Steinbachs Einschätzung. „Aber sie sind sehr gemäßigt. Sie sind im allgemeinen amerikanisch-europäisch sozialisiert und würden sich nicht gegen die westliche Welt aufhetzen lassen.“ Genau deshalb sieht Steinbach die Gefahr, dass die Protestanten bei einer Zuspitzung der Lage „zwischen die Fronten“ geraten könnten. „Sie haben generell das Problem, dass sie in den Augen vieler Moslems keine richtigen Palästinenser sind, weil sie der Religion des ,Gegners‘ angehören.“ Auch Azad sagt: „Wir sind in Jerusalem eine Minderheit und müssen deswegen besonders aufpassen.“

Der Jerusalemer Pfarrer bleibt dennoch optimistisch: Von einer dritten Intifada geht er nicht aus. „Ich hoffe nicht, es ist das, was wir am wenigsten brauchen.“ Jedenfalls hat er keine Bedenken, dass eine 25-köpfige Besuchergruppe aus dem Dekanat Bad Tölz, die zu Ostern nach Palästina reisen will, sich sicher und frei bewegen können wird. Steinbach fliegt übrigens schon im Januar nach Jerusalem: Dann wird Azar als Nachfolger von Munib Younan zum neuen Bischof der evangelisch-luthertischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land gesegnet.

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