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Freunde in der Fremde: Josephina Thiele (li.) und Yolanda Grüber. 

Sozialer Einsatz

Sozialer Einsatz: Arbeit in einem Kinderdorf in Argentinien: Zwei Tölzerinnen berichten

Yolanda Grüber und Josephina Thiele haben für die Pfarrer-Walter-Waldschütz-Stiftung in Argentinien gearbeitet.

Bad Tölz – Viele Abiturienten gönnen sich nach den anstrengenden Prüfungen und dem Stress des G 8 ein Jahr Pause bis zum Studienbeginn. Auch Yolanda Grüber und Josephina Thiele wollten nach ihrer Reifeprüfung im vergangenen Jahr nicht sofort an die Uni. Faulenzen und Feiern war für die beiden Tölzerinnen aber keine Option – sie wollten etwas Sinnvolles tun. Die Gelegenheit dazu gab ihnen die Kolpings-nahe Pfarrer-Walter-Waldschütz-Stiftung: Seit Februar arbeiten Grüber und Thiele in deren Auftrag in dem Kinderdorf „Hogar Jesús Niño“ in Argentinien.

„Schon in der sechsten Klasse hatte ich den Wunsch, mich sozial zu engagieren“, sagt Yolanda Grüber. Zudem wollte die junge Frau ihre Spanisch-Kenntnisse verbessern und eine neue Kultur kennenlernen. „Argentinien war dafür perfekt.“ Auch Thiele wollte in eine neue Kultur eintauchen, anstatt jeden Tag an einen neuen Ort zu reisen. Gemeinsam mit zwei anderen Freiwilligen wohnen die beiden Isarwinklerinnen seit Februar in einer Wohngemeinschaft in der kleinen Stadt Puerto Rico in der Provinz Misiones im Nord-Osten des Landes. Insgesamt gibt es in dem Kinderdorf vier Häuser mit 34 Buben und Mädchen.

Jedes Haus wird von einer Hausmutter – „Tia“ genannt – beaufsichtigt. Sie zu unterstützen, ist die Aufgabe der Freiwilligen. Hauptsächlich heißt das, Zeit mit Kindern zu verbringen. Die Altersspanne ist groß und reicht von 10 Monaten bis 18 Jahre. Es geht um Hilfe bei den Hausaufgaben, Spielen und Essen kochen. Durch das tägliche Zusammenleben entsteht viel Mitgefühl. „Ein zehn Monate altes Baby, mit dem ich sehr viel Zeit verbringe, ist nun zur Adoption freigegeben worden“, erzählt Grüber. „Ich hoffe, es hat Glück und eine liebevolle Familie nimmt es auf.“

Die Arbeit mit den Kindern ist oft nicht leicht. Viele kommen aus sehr schwierigen Verhältnissen. „Sie können nicht viel für ihr teils aggressives Verhalten, da die meisten sehr harte Schicksalsschläge erfahren haben“, sagt Yolanda Grüber. „Ich habe hier meine Familie sehr schätzen gelernt und bin unendlich dankbar dafür, dass ich nicht in einem Elternhaus aufwachsen musste, in dem man geschlagen wird oder die Eltern Drogen- oder Alkoholprobleme haben.“

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Im August endet die Zeit der beiden jungen Frauen in Argentinien. Was nehmen sie am Ende mit nach Hause? „Ich glaube, dass ich viele Dinge mehr wertschätzen kann“, sagt Josephina Thiele. Ein eigenes Federmäppchen zum Beispiel. Oder Wackelpudding zum Nachtisch. Auch gute Bildung, ein eigenes Bett, medizinische Versorgung und sauberes Wasser sehen die Abiturientinnen aus dem Isarwinkel inzwischen als Luxus. „Ich habe realisiert, dass wir es in Deutschland sehr gut haben“, sagt Yolanda Grüber.

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Nach dem sechsmonatigen Dienst für die Stiftung wollen beide noch durch den Norden Argentiniens reisen, jedoch getrennt voneinander. Yolanda Grübers Freund, der gerade sein Abitur bestanden hat, kommt zu Besuch. Und Josephina Thiele wird mit Freunden aus Bad Tölz das Land entdecken. (Theresa Pfund)

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